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Expertin erklärt

Warum Frauen ab 40 plötzlich schneller blaue Flecken bekommen

Ab 40 neigen manche Frauen dazu, schneller blaue Flecken zu bekommen
Bekommt man im höheren Alter schneller blaue Flecken – und wenn ja, warum? Foto: Getty Images

3. November 2026, 10:12 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Früher brauchte es einen heftigen Stoß, heute zeichnet sich schon nach einer leichten Berührung ein blauer Fleck ab? Viele Frauen bemerken ab 40, dass ihre Haut empfindlicher reagiert als früher. Dahinter können altersbedingte Veränderungen, hormonelle Einflüsse oder bestimmte Medikamente stecken. Wann die Hämatome harmlos sind, welche Rolle Nährstoffmangel spielt und bei welchen Anzeichen Sie die Ursache ärztlich abklären lassen sollten, erklärt Dr. med. Heidi Gößlinghoff, Frauenärztin, Reproduktionsmedizinerin und Psychotherapeutin mit den Schwerpunkten Kinderwunsch und hormonelle Frauengesundheit.

Dr. Heidi Gößlinghoff
Mit fachlicher Beratung von Frauenärztin und Online-Begleitung für Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch

Was sind blaue Flecken?

„Medizinisch wird ein blauer Fleck oder auch Bluterguss als Hämatom bezeichnet. Er entsteht, wenn kleine Blutgefäße unter der Haut verletzt werden und Blut in das umliegende Gewebe austritt, während die Hautoberfläche dabei in der Regel intakt bleibt“, so Frau Dr. Gößlinghoff. „Im Laufe der Heilung verändert sich die Verfärbung von zunächst häufig rötlich oder bläulich, später dann grünlich, gelblich und schließlich immer blasser. Verantwortlich dafür ist der Abbau des ausgetretenen Blutes. In der Regel verschwindet ein unkomplizierter Bluterguss innerhalb von ein bis zwei Wochen, größere Hämatome können allerdings auch länger sichtbar bleiben.“

Was beeinflusst das Entstehen blauer Flecken?

Wie schnell ein blauer Fleck entsteht, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehören die Stärke des Stoßes, die Beschaffenheit von Haut und Bindegewebe sowie die Stabilität der Blutgefäße. Auch die Blutgerinnung spielt eine Rolle, denn sie sorgt normalerweise dafür, dass verletzte Gefäße schnell wieder verschlossen werden.

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Was sich bei Frauen ab 40 verändert

Dünnere Haut und weniger schützendes Gewebe

„Mit zunehmendem Alter verändert sich die Haut: Sie wird dünner, verliert an Elastizität und wird weniger gut durch das Unterhautfettgewebe gepolstert. Dadurch liegen kleine Blutgefäße näher an der Oberfläche und sind bei Stößen schlechter geschützt“, erklärt Frau Dr. Gößlinghoff. „Schon leichte Berührungen können dann Blutergüsse verursachen, besonders an den Schienbeinen, Unterarmen und Handrücken. Mediziner sprechen dann von einer Purpura senilis, also altersbedingten Hauteinblutungen. Ist die Haut selbst stark ausgedünnt und sehr verletzlich, wird sie als Pergamenthaut bezeichnet.“

Genetische Veranlagung

Manche Menschen bekommen bereits seit ihrer Jugend schneller blaue Flecken als andere. Wenn das bei Ihnen schon immer so war, kann eine familiäre Veranlagung dahinterstecken, wobei sich mit zunehmendem Alter diese Neigung noch verstärken kann.

Hormonelle Einflüsse

„Östrogen unterstützt die Haut dabei, Kollagen zu bilden und Feuchtigkeit zu speichern. Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, nimmt der Kollagengehalt der Haut deutlich ab, besonders in den ersten Jahren nach der letzten Regelblutung. Die Haut wird dadurch dünner und die kleinen Blutgefäße sind weniger gut geschützt“, erklärt Dr. Gößlinghoff.

Medikamente

Häufiger auftretende Blutergüsse können auch mit Medikamenten zusammenhängen, wie z. B. Gerinnungshemmern, die etwa vor Thrombosen oder Schlaganfällen schützen sollen, sowie Acetylsalicylsäure (ASS) und bestimmten anderen Schmerzmitteln. Diese Wirkstoffe können die Blutgerinnung, genauer gesagt die Funktion der Blutplättchen, beeinflussen. Kortisonpräparate können bei längerer Anwendung außerdem die Haut dünner und empfindlicher machen. Ob ein Medikament tatsächlich hinter den Hämatomen steckt, hängt unter anderem vom Wirkstoff, der Dosierung und der Anwendungsdauer ab, weshalb bei einer ärztlichen Abklärung auch die Einnahme frei verkäuflicher Präparate angesprochen werden sollte.

Vitaminmangel

Auch ein ausgeprägter Mangel an Vitamin C oder Vitamin K kann die Entstehung von Blutergüssen begünstigen. Vitamin C wird für die Bildung von Kollagen benötigt, das dem Bindegewebe und den Gefäßwänden Stabilität verleiht. Vitamin K ist dagegen an der Bildung bestimmter Gerinnungsfaktoren beteiligt. Fehlen diese Vitamine in größerem Umfang, können die Gefäße anfälliger sein oder die Blutgerinnung beeinträchtigt werden.

Bei gesunden Erwachsenen mit ausgewogener Ernährung sind schwere Mängel allerdings selten und treten eher bei bestimmten Erkrankungen oder einer gestörten Nährstoffaufnahme auf. Wer häufig blaue Flecken bekommt, sollte daher nicht auf Verdacht Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sondern zunächst ärztlich abklären lassen, ob tatsächlich ein Mangel vorliegt.

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Welche Erkrankungen können dahinterstecken?

Wenn blaue Flecken ungewöhnlich häufig oder ohne erkennbaren Grund auftreten, kommen neben altersbedingten Veränderungen auch Erkrankungen als Ursache infrage, wie z. B. Störungen der Blutgerinnung, eine zu geringe Zahl an Blutplättchen oder eine eingeschränkte Funktion dieser Zellen. Auch Lebererkrankungen können die Gerinnung beeinträchtigen, weil die Leber wichtige Gerinnungsfaktoren bildet. Seltener stecken Erkrankungen des blutbildenden Systems dahinter.

„Ausschließen sollte man auch Gerinnungsstörungen wie das Von-Willebrand-Syndrom. Dieses bleibt bei Frauen häufig lange unerkannt. Symptome sind typischerweise starke Perioden, blaue Flecken und Nasenbluten“, warnt Frau Dr. Gößlinghoff.

Woran Sie ungewöhnliche blaue Flecken erkennen

„Eine feste Anzahl, ab der blaue Flecken als auffällig gelten, gibt es nicht. Kleine Stöße bleiben im Alltag oft unbemerkt, sodass ein einzelner Bluterguss, ohne dass man sich an die Verletzung erinnert, nicht automatisch Anlass zur Sorge ist. Entscheidend ist vielmehr, ob sich die Hämatomneigung verändert“, erklärt Dr. Gößlinghoff. „Hinweise auf eine ungewöhnliche Neigung zu Blutergüssen sind beispielsweise plötzlich deutlich mehr blaue Flecken als früher, ungewöhnlich große Hämatome oder Blutergüsse, die bereits nach minimalen Stößen entstehen.“

Auch Begleitbeschwerden können auf eine mögliche Ursache hinweisen. Dazu zählen punktförmige rote oder violettfarbene Flecken auf der Haut, häufiges Nasen- oder Zahnfleischbluten, ungewöhnlich starke Monatsblutungen, ausgeprägte Müdigkeit oder Blässe sowie Blut im Urin oder Stuhl. Solche Symptome können unter anderem auf eine Störung der Blutgerinnung hinweisen.

Wann Sie mit blauen Flecken zum Arzt sollten

Wenn Sie eine deutliche Veränderung Ihrer Hämatomneigung bemerken oder wiederholt ohne erkennbaren Anlass blaue Flecken bekommen, sollten Sie zeitnah einen Termin in Ihrer Hausarztpraxis vereinbaren. Das gilt auch, wenn Blutergüsse ungewöhnlich lange bestehen bleiben. Bei der Untersuchung wird nach möglichen Verletzungen, weiteren Blutungen, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamenten gefragt. Je nach Befund kann eine Blutuntersuchung folgen, bei der unter anderem die Zahl der Blutplättchen und bestimmte Gerinnungswerte überprüft werden. Bei starken oder anhaltenden Blutungen, rasch größer werdenden Hämatomen oder ausgeprägten Schmerzen ist eine umgehende medizinische Beurteilung wichtig.

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Was hilft, blauen Flecken vorzubeugen?

  • Schützende Kleidung: Nicht jede Hämatomneigung lässt sich verhindern, aber Sie können Ihre Haut vor unnötigen Verletzungen schützen, beispielsweise durch lange Kleidung bei der Gartenarbeit oder anderen Tätigkeiten mit erhöhtem Verletzungsrisiko.
  • Ausgewogene Ernährung: Ausreichend Eiweiß, Obst und Gemüse unterstützt die normale Funktion von Haut und Bindegewebe. Ebenso Vitamin C, das unter anderem in Paprika, Zitrusfrüchten, Beeren und Brokkoli steckt, sowie Vitamin K aus grünem Blattgemüse.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Sie sind in der Regel nur dann sinnvoll, wenn ein Mangel festgestellt wurde.
  • Regelmäßige Hautpflege: Dadurch können Sie trockene, empfindliche Haut geschmeidig halten, Blutergüsse aber nicht zuverlässig verhindern.

Wie behandelt man einen blauen Fleck?

Ist ein blauer Fleck bereits entstanden, kann vorsichtiges Kühlen in den ersten Stunden helfen, Schwellungen und Schmerzen zu lindern. Wickeln Sie dafür ein Kühlpad in ein dünnes Tuch und legen Sie es für etwa 10 bis 20 Minuten auf das Hämatom. Bei Blutergüssen an Armen oder Beinen kann es zusätzlich helfen, die betroffene Stelle hochzulagern und vorübergehend zu schonen.

Vermeiden Sie Druck, kräftiges Reiben und Massagen, damit das verletzte Gewebe nicht weiter gereizt wird. Frei verkäufliche Salben oder Gele, etwa mit Arnika oder Ringelblume, werden häufig zur Behandlung von Blutergüssen angeboten, wobei ihre Wirksamkeit nur begrenzt belegt ist. Sie können allenfalls Beschwerden lindern, sollten aber nicht direkt auf offene oder gereizte Haut aufgetragen werden.1

Quellen

  1. Gesund.de. Gerinnungsstörungen (aufgerufen am 30.10.2026) ↩︎

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