2. März 2026, 14:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Rote, mit Eiter gefüllte Pusteln rund um einzelne Haare wirken zunächst wie harmlose Hautunreinheiten. Tatsächlich kann sich dahinter jedoch eine Follikulitis verbergen – eine Entzündung der Haarfollikel, die meist durch Bakterien ausgelöst wird. In den meisten Fällen heilt sie innerhalb weniger Tage ab. Unter bestimmten Umständen kann sich die Entzündung jedoch vertiefen und schmerzhafte Knoten verursachen. Was genau dahintersteckt, sagt FITBOOK.
Was ist eine Follikulitis?
Eine Follikulitis – auch Haarbalg- oder Haarfollikelentzündung genannt – ist eine Entzündung der Haarfollikel. Der Begriff Follikulitis kommt vom lateinischen Wort „folliculus“, das so viel wie „Bläschen“ bedeutet. Grundsätzlich kann sie in jedem Lebensalter auftreten. Männer sind aufgrund stärkerer Gesichts- und Körperbehaarung etwas häufiger betroffen.
Haarfollikel sind kleine, schlauchartige Strukturen in der Haut, aus denen jedes einzelne Haar wächst. Ein Haarfollikel bildet die Hülle für die Haarwurzel und besteht aus Haut und Bindegewebe. In den Follikel mündet eine Talgdrüse. Außerdem setzt dort ein kleiner Muskel an, der das Haar aufrichten kann. Dieser Muskel ist zum Beispiel dafür verantwortlich, dass sich bei Kälte oder Angst die Haare aufstellen – umgangssprachlich spricht man von „Gänsehaut“.
Die Haarfollikel sind über winzige Öffnungen mit der Hautoberfläche verbunden. Über diese Öffnungen können jedoch auch Keime eindringen. Wird ein Haarfollikel gereizt oder infiziert, reagiert der Körper mit einer Entzündung. Die betroffene Stelle rötet sich, schwillt leicht an und es kann sich Eiter bilden. Oft ist in der Mitte der Pustel noch das Haar sichtbar. Obwohl die Hautveränderung äußerlich an einen Pickel erinnert, liegt die Entzündung tiefer – direkt im Bereich der Haarwurzel.1
Je nachdem, wie stark die Entzündung ausgeprägt ist, bleibt sie oberflächlich oder breitet sich in tiefere Hautschichten aus. Oberflächliche Formen heilen meist innerhalb weniger Tage folgenlos ab. Dringt die Entzündung tiefer ein, können schmerzhafte, feste Knoten entstehen.
Mögliche erste Symptome einer Haarbalgentzündung
Typischerweise zeigen sich kleine, rote Papeln oder mit Eiter gefüllte Bläschen am Ausgang des Haarfollikels. Die betroffenen Stellen können jucken, spannen oder bei Berührung schmerzen. Teilweise kommt es zu einer leichten Schwellung der umliegenden Haut.
Zu den häufigsten Beschwerden zählen:
- gerötete Knötchen rund um das Haar
- Pusteln mit Eiter
- Juckreiz
- Druckschmerz
- leichte Schwellung
Bei tiefergehenden Entzündungen entwickeln sich feste, schmerzhafte Knoten. Mehrere benachbarte Haarfollikel können gleichzeitig betroffen sein.2
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Formen und Schweregrade
Dermatologisch wird zwischen verschiedenen Ausprägungen unterschieden. Bei einer oberflächlichen Follikulitis ist lediglich der obere Abschnitt des Haarfollikels entzündet. Die Hautveränderungen bleiben klein und heilen meist ohne Narben ab.
Dringt die Entzündung tiefer in den Haarbalg ein, spricht man von einer tiefen Follikulitis. Hier kann auch das umliegende Gewebe betroffen sein. Schmerzen und Schwellungen sind ausgeprägter.
Breitet sich die Entzündung auf den gesamten Haarbalg aus, entsteht ein Furunkel – ein schmerzhafter, eitriger Knoten. Wenn mehrere Furunkel miteinander verschmelzen, bildet sich ein Karbunkel. Diese Form ist deutlich schwerer und kann mit Allgemeinsymptomen wie Fieber einhergehen.3
Warum entzündet sich ein Haarfollikel überhaupt?
In den meisten Fällen wird eine Follikulitis durch Bakterien verursacht. Besonders häufig ist das Bakterium Staphylococcus aureus beteiligt. Es gehört zur normalen Hautflora, kann jedoch bei gestörter Hautbarriere oder kleinen Verletzungen eine Entzündung auslösen. Neben bakteriellen Infektionen kommen auch Pilze, Viren oder Milben als Auslöser infrage. Ebenso können mechanische Reizungen oder chemische Substanzen eine Rolle spielen.
Begünstigende Faktoren sind starkes Schwitzen, feucht-warme Umgebung, enge oder scheuernde Kleidung sowie Rasur oder Epilation, die zu kleinsten Verletzungen der Haut führen können. Eingewachsene Haare erhöhen das Risiko zusätzlich.
Menschen mit Diabetes mellitus, chronischen Hauterkrankungen wie Akne oder Dermatitis oder einem geschwächten Immunsystem haben ein erhöhtes Risiko für wiederkehrende Infektionen.
Eine besondere Form stellt die sogenannte Whirlpool-Follikulitis dar. Sie entsteht durch unzureichend gereinigte Whirlpools oder Heißbecken, in denen sich bestimmte Bakterien vermehren können.
Typischer Verlauf: Harmlos – oder doch hartnäckig?
Eine unkomplizierte, oberflächliche Follikulitis heilt in der Regel innerhalb von fünf bis sieben Tagen ab. Die Pusteln trocknen ein und verschwinden ohne Narbenbildung.
Werden die betroffenen Hautstellen weiterhin mechanisch gereizt oder nicht behandelt, kann sich die Entzündung vertiefen. Furunkel oder Karbunkel benötigen deutlich länger zur Abheilung und können Narben hinterlassen. Wiederkehrende Entzündungen sollten ärztlich abgeklärt werden, um mögliche begünstigende Faktoren zu identifizieren.
Mögliche Komplikationen
In den meisten Fällen bleibt die Follikulitis lokal begrenzt. Entwickeln sich jedoch tieferliegende Infektionen, können schmerzhafte Abszesse entstehen. Besonders im Gesichtsbereich sollte bei starken Schmerzen oder Fieber ärztlicher Rat eingeholt werden.
Diagnose
Das typische Erscheinungsbild ermöglicht in vielen Fällen eine Blickdiagnose. Bei schweren oder wiederkehrenden Verläufen kann ein Abstrich durchgeführt werden, um den genauen Erreger zu bestimmen. In seltenen Fällen sind weiterführende Untersuchungen erforderlich.
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Therapie und Behandlung
Für gewöhnlich richtet sich die Behandlung danach, in welchem Ausmaß die Entzündung ist und welche Ursachen vorliegen. Handelt es sich hierbei um eine milde, oberflächliche Form, reicht es meistens aus, eine lokale antiseptische Therapie zu machen. Zusätzlich können desinfizierende Lösungen oder Waschlotionen hilfreich sein, da sie die Keimbelastung reduzieren. Gleichzeitig ist es jedoch wichtig, auf mechanische Reizung zu verzichten – drückt man die Pusteln nämlich eigenständig aus, kann sich die Entzündung verschlimmern.
Liegt hingegen ein ausgeprägter Verlauf vor, setzt man Antibiotika ein, die lokal wirken. Besonders in schweren Fällen, wie vei Furunkeln oder Karbunkeln, kann eine systemische Antibiotikatherapie notwendig sein. Größere Abszesse müssen gegebenenfalls ärztlich eröffnet und entleert werden.
Prognose
Die Prognose ist bei unkomplizierten Verläufen gut. Oberflächliche Entzündungen heilen meist vollständig ab. Tieferliegende Formen können Narben hinterlassen. Entscheidend für den Verlauf ist, ob auslösende Faktoren erkannt und vermieden werden.
Bekannt gewordener Fall aus Erfolgsserie
Ende Februar berichtete das „People“-Magazin über einen Fall von Follikulitis im Zusammenhang mit Dreharbeiten: Demnach entwickelte die Schauspielerin Yerin Ha, Star der 4. „Bridgerton“-Staffel, nach einem stundenlangen Dreh in der Badewanne unter Wasser eine Haarbalgentzündung.
„Es gibt eine Szene in der Badewanne, und ich habe mich komplett mit Babypuder eingepudert, weil mir gesagt wurde, das würde meine Haut trocknen, damit ich die Intimbekleidung mit dem Klebeband anbringen kann“, schildert Ha die Situation in der Radiosendung „Capital Breakfast“. „Und dann, quasi am nächsten Tag nach dem Baden, bekam ich am ganzen Körper Nesselsucht und eine Follikulitis und brauchte eine Kortisoncreme!“
Ha vermutete selbst einen Zusammenhang mit den Bedingungen am Set: „Aber ich gebe mir selbst die Schuld“, sagte sie, „denn ich glaube, es war eine Kombination aus Babypuder und Badewasser.“
Längere Feuchtigkeitseinwirkung sowie das Auftragen okklusiver Substanzen können die Hautbarriere beeinträchtigen und unter bestimmten Umständen das Entstehen einer Follikulitis begünstigen.