21. April 2026, 10:31 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Fisch gilt im Allgemeinen als sehr gesundes Lebensmittel. Das liegt vor allem an den reichlich enthaltenen Omega-3-Fettsäuren – insbesondere in fettem Fisch. Eine Studie kam aber zu dem Schluss, dass zu viel Fisch essen auch krank machen kann.
Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 220.000 Menschen an Hautkrebs.1 Er gehört damit zu den häufigsten Krebsarten. Für einen tödlichen Verlauf ist meistens der sogenannte schwarze Hautkrebs (malignes Melanom) verantwortlich.2 Laut einer Studie der Brown University erhöht sich das Risiko für genau diese ernste Form von Hautkrebs durch den Verzehr von Fisch.
Ablauf der Studie
Für die im Jahr 2022 veröffentlichte Studie griffen die Wissenschaftler der Brown University auf Daten von 491.367 Personen zurück. Diese waren im Rahmen der National Cancer Institute’s NIH-AARP Diet and Health Study ermittelt worden. Sie umfassten neben Gesundheitsdaten auch Informationen zum Lebensstil der Teilnehmer. Zu Beginn der Datenerfassung gaben die im Durchschnitt 62 Jahre alten, zu diesem Zeitpunkt gesunden, Probanden an, wie hoch ihr Fischkonsum im Jahr zuvor gewesen war. So informierten sie die Forscher darüber, wie regelmäßig sie ungebratenen und gebratenen Fisch aßen und wie groß ihre Portionen waren.
Auf Basis der Informationen, die einen Zeitraum von 15 Jahren abdeckten, analysierten die Forschenden der Brown University den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Fisch und dem Auftreten von Hautkrebs. Dabei berücksichtigten sie zusätzlich soziodemografische Faktoren sowie den Body-Mass-Index der Teilnehmer. Auch körperliche Aktivität, Rauchen, Krebserkrankungen in der Familie, der tägliche Konsum von Alkohol, Koffein und Kalorien sowie die durchschnittliche UV-Strahlung in der Umgebung der Teilnehmer betrachten die Forscher.
Zusammenhang zwischen Verzehr von Fisch und Hautkrebs
Im Studienzeitraum erkrankten 5034 Probanden an Hautkrebs, genauer: am malignen Melanom. Zudem gab es 3284 Fälle von Melanom in situ, dem Frühstadium eines malignen Melanoms. Die Analyse der Wissenschaftler ergab, dass ein hoher Fischkonsum das Risiko für beide Formen von Hautkrebs erhöht.3
Wie viel ungebratener Fisch und speziell Thunfisch sind zu viel?
So war das Hautkrebsrisiko für Studienteilnehmer, die durchschnittlich 14,2 Gramm Thunfisch pro Tag aßen, im Vergleich zu Menschen, die nur 0,3 Gramm pro Tag verzehrten, deutlich gesteigert. Sie wiesen ein 17 Prozent höheres Risiko für ein Melanom im Frühstadium auf. Das Risiko, ein malignes Melanom zu entwickeln, war sogar um 20 Prozent erhöht.
Wer im Durchschnitt 17,8 Gramm ungebratenen Fisch täglich aß, hatte ein 25 Prozent höheres Risiko für das Melanom in situ im Vergleich zu Personen, die pro Tag nur 0,3 Gramm zu sich nahmen. Ihr Risiko für den schwarzen Hautkrebs war um 18 Prozent erhöht.
Interessanterweise zeigte sich bei gebratenem Fisch kein erhöhtes Risiko. In einigen Analysen schien er sogar eher mit einem geringeren Risiko für schwarzen Hautkrebs einherzugehen.
Limitationen der Studie
Wie es in einer Mitteilung der Brown University heißt, unterliegt die Studie einigen Einschränkungen.4 So fanden einige Risikofaktoren für Hautkrebs keine Berücksichtigung. Dazu zählten z. B. die Menge an Muttermalen, die Haarfarbe, die Häufigkeit von schwerem Sonnenbrand sowie das Maß, an dem sich die Teilnehmer der Sonne aussetzten. Den Forschenden war auch nicht bekannt, inwieweit sich der Fischkonsum im Lauf des Lebens der Probanden womöglich veränderte. Zudem wurden die Daten in Form einer Befragung, also via Selbstauskunft, ermittelt. Deshalb kann die Studie nur eine Aussage über eine Verbindung von Ernährung mit Fisch und Hautkrebs-Erkrankungen machen. Einen kausalen Zusammenhang kann sie dagegen nicht belegen.
Dennoch hielt Eunyoung Cho, Co-Autorin der Studie und außerordentliche Professorin für Dermatologie und Epidemiologie an der Brown University, die Untersuchung für wichtig, „weil sie sehr umfangreich und prospektiv angelegt ist, d. h., der Fischverzehr wurde vor der Entstehung von Krebs untersucht.“
Überraschender Zusammenhang zwischen Tattoos und Hautkrebs
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Quecksilber im Fisch könnte Hautkrebsrisiko steigern
Cho, die bereits in früheren Forschungen zur Auswirkung von Ernährung auf das Hautkrebsrisiko involviert war, nimmt an, dass nicht der Fisch an sich, sondern das darin enthaltene Quecksilber gesundheitsgefährdend ist.
„Wir vermuten, dass unsere Ergebnisse möglicherweise auf Schadstoffe im Fisch wie polychlorierte Biphenyle, Dioxine, Arsen und Quecksilber zurückzuführen sind“, so Cho. „Frühere Forschungen haben ergeben, dass ein höherer Fischkonsum mit höheren Konzentrationen dieser Stoffe im Körper verbunden ist, und haben einen Zusammenhang zwischen ihnen und einem höheren Hautkrebsrisiko festgestellt.“ Da bei der aktuellen Krebsstudie nicht gemessen wurde, wie viele und welche Schadstoffe die Probanden im Körper halten, seien weitere Studien nötig, um die Kausalität zu untermauern.
Trotz der Ergebnisse rät das Forschungsteam der Brown University nicht dazu, auf Fisch zu verzichten, da Fisch viele gesunde Nährstoffe liefert. Erst die notwendigen, weiteren Untersuchungen zur Rolle der Schadstoffe könnten dies ändern.
Ein Fisch, von dem viele gar nicht wissen, wie gesund er ist, ist übrigens die Makrele. Der 30 bis 50 Zentimeter lange Schwarmfisch werde aus gesundheitlicher Sicht völlig zu Unrecht verschmäht, erklärte ein Experte in einem früheren FITBOOK-Artikel. „Die Makrele gehört zu den fetten Meeresfischen, hat also viel von den gesunden Omega-3-Fettsäuren“, so Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Nicolai Worm. „Das Eiweiß ist hochwertig und sie enthält extrem viel Vitamin D sowie diverse andere Vitamine und Mineralstoffe.“
Weitere Lebensmittel in Forschung mit Hautkrebsrisiko assoziiert
Fisch ist nicht das einzige Lebensmittel, das Wissenschaftler im Zusammenhang mit dem Hautkrebsrisiko untersucht haben. So hatte bereits eine Studie aus dem Jahr 2019 Hinweise dafür geliefert, dass der Verzehr von Getreide und Getreideerzeugnissen sowie Süßigkeiten (z. B. Schokolade) das Risiko für Melanome steigern konnte. Dieselbe Untersuchung zeigte einen schützenden Effekt durch den Verzehr von Hülsenfrüchten, Olivenöl, Zwiebeln und Knoblauch. Die genaue Kausalität und Erklärung für den Zusammenhang konnte die Forschungsarbeit jedoch nicht klären.5