10. März 2026, 10:38 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Warum werden manche Menschen weit über die 100? Diese Frage beschäftigt die Altersforschung seit langer Zeit. Ein einordnender Fachartikel hat nun spannende Erkenntnisse zusammengetragen, die auf Studien besonders langlebiger Menschen in Brasilien beruhen.
Was genau hat der Fachartikel betrachtet?
Im Mittelpunkt steht eine brasilianische Kohorte von mehr als 100 Personen im Alter von mindestens 100 Jahren. Darunter befinden sich 20 sogenannte Superhundertjährige, die 110 Jahre oder älter sind.1 Die Autoren des in der Zeitschrift „Genomic Psychiatry“ erschienenen Fachartikels ordnen frühere internationale Studien ein. Begleitend beschreiben sie eigene genetische Analysen, klinische Erhebungen und geplante längerfristige Nachbeobachtungen. Wissenschaftlich besonders relevant ist Brasilien unter anderem wegen der stark gemischten genetischen Herkunft der Bevölkerung. Diese wurde in der Altersforschung bisher nur unzureichend berücksichtigt.
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Die Erkenntnisse
Der Beitrag beschreibt mehrere Merkmale, die bei extrem langlebigen Menschen wiederholt beobachtet wurden:
Immunsystem bleibt auch im Alter funktionsfähig
Bei extrem langlebigen Menschen finden sich bestimmte spezialisierte Abwehrzellen, die auch im hohen Alter ihre Fähigkeit zur Erkennung virusinfizierter und entarteter Zellen behalten. Solche Formen der Immunüberwachung gelten als wichtig für die Kontrolle von Infektionen und stehen in dieser Personengruppe mit einer geringeren Anfälligkeit für bestimmte Alterserkrankungen in Zusammenhang.
Wie leistungsfähig das Immunsystem im Einzelfall bleiben kann, zeigte sich auch während der Pandemie: Einige der brasilianischen Superhundertjährigen überlebten trotz ihres hohen Alters eine Covid-19-Infektion noch vor der Verfügbarkeit von Impfstoffen.
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Zellen behalten zentrale Schutzfunktionen
Dazu gehört die sogenannte Autophagie, ein internes Reinigungsprogramm der Zellen, bei dem beschädigte Eiweiße und defekte Zellbestandteile zerlegt und entsorgt werden.
Ein einzelnes Langlebigkeitsgen gibt es nicht
Stattdessen finden sich bei manchen extrem alten Menschen seltene genetische Varianten, also kleine Unterschiede im Erbgut, die mit Funktionen der Immunabwehr, der Energieversorgung der Zellen und der Reparatur von Erbgutschäden in Verbindung stehen. Ein Fall aus der Kohorte beschreibt eine 109-Jährige mit drei Nichten, die ebenfalls den 100. Geburtstag erreichten. Die Autoren werten dies als Hinweis auf mögliche familiäre Faktoren.
Brasilianische Bevölkerung ist genetisch besonders vielfältig
Durch die genetische Durchmischung finden sich in Brasilien viele Varianten im Erbgut, die in internationalen Forschungsdaten bislang kaum vertreten sind. Diese Vielfalt könnte beeinflussen, wie unterschiedlich Menschen auf Krankheiten und andere Belastungen reagieren, und bietet eine besondere Chance für die Altersforschung.
Besonders viele extrem alte Männer in Brasilien
Auffällig ist der hohe Anteil sehr alter Männer in der brasilianischen Gruppe. Nach Angaben der Forscher stammen drei der zehn ältesten Männer weltweit aus dem Land.
Was die Erkenntnisse bedeuten
Der Artikel zeigt, dass ein sehr hohes Lebensalter nicht zwangsläufig mit einem vollständigen Verlust zentraler Körperfunktionen einhergeht. Bei extrem langlebigen Menschen scheinen bestimmte immunologische und zelluläre Schutzmechanismen länger erhalten zu bleiben. Allerdings handelt es sich überwiegend um beobachtete Zusammenhänge.
Zugleich macht der Fachartikel deutlich, dass die hohe genetische Vielfalt der brasilianischen Bevölkerung neue Einblicke in bislang wenig untersuchte biologische Schutzfaktoren ermöglichen könnte. Diese Erkenntnisse tragen dazu bei, besser zu verstehen, welche Voraussetzungen ein langes und möglichst gesundes Leben begünstigen.
Ob und in welcher Form sich solche Schutzmechanismen auf jüngere Menschen übertragen lassen, müssen weitere systematische Untersuchungen mit größeren Fallzahlen zeigen.
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