11. August 2026, 20:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Endometriose wird meist mit Schmerzen, unerfülltem Kinderwunsch oder gynäkologischen Beschwerden in Verbindung gebracht. Doch die Erkrankung könnte auch Folgen für die allgemeine Gesundheit haben. Eine große US-Studie mit fast drei Millionen Frauen ging der Frage nach, ob Endometriose das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht.
Betroffene haben ein erhöhtes Risiko
Das Hauptergebnis der Studie ist eindeutig: Frauen mit Endometriose hatten ein um 46 Prozent höheres Risiko, im Laufe der Zeit an Typ-2-Diabetes zu erkranken, als Frauen ohne die Erkrankung. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei einigen Endometriose-Subtypen, vor allem bei seltenen Formen außerhalb der typischen Lokalisationen.
So wurde die Studie durchgeführt
Für die Studie werteten Forscher aus den USA Gesundheitsdaten von rund 2,9 Millionen Frauen aus der US-amerikanischen „Utah Population Database“ aus. Die Teilnehmerinnen wurden zwischen 1996 und 2021 beobachtet, im Durchschnitt über knapp elf Jahre. Ziel war es, zu untersuchen, ob Endometriose insgesamt und bestimmte Unterformen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden sind. Außerdem wollten die Forscher wissen, ob Faktoren wie BMI, Menopausenstatus oder ein früherer Schwangerschaftsdiabetes diesen Zusammenhang beeinflussen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Diabetologia“ veröffentlicht.1
Risiko abhängig von Endometrioseform und Lebensphase
Während des Beobachtungszeitraums erhielten knapp 100.000 Frauen eine Endometriose-Diagnose. Insgesamt war die Erkrankung mit einem deutlich erhöhten Diabetesrisiko verbunden.
Je nach Endometrioseform fiel das Risiko unterschiedlich aus. Bei oberflächlicher peritonealer Endometriose (auf dem Bauchfell) lag es um 67 Prozent höher, bei ovarieller Endometriose (an den Eierstöcken) um 61 Prozent höher. Die stärksten Zusammenhänge fanden sich bei Endometrioseherden außerhalb der üblichen Lokalisationen. Hier war das Risiko mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen ohne Endometriose. Auch die verwandte Erkrankung Adenomyose war mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden.
Bei der tief infiltrierenden Endometriose – der klinisch schwersten Form, die tiefer als fünf Millimeter in das Gewebe eindringt und oft benachbarte Organe betrifft – stieg das Diabetesrisiko um 45 Prozent.
Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Frauen vor den Wechseljahren sowie bei Frauen mit einem BMI unter 30. Die Ergebnisse blieben auch in zusätzlichen Kontrollanalysen weitgehend bestehen, was die Aussagekraft der Befunde stärkt.
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Einordnung der Studie
Zu den Stärken der Studie zählen die sehr große Teilnehmerzahl und die lange Beobachtungszeit. Dadurch konnten die Forscher auch seltenere Endometrioseformen und verschiedene Untergruppen untersuchen.
Einschränkend ist, dass die Diagnosen überwiegend auf ICD-Codes basierten. Dadurch sind Fehlklassifikationen möglich. Zudem könnten Frauen mit Endometriose häufiger untersucht werden, wodurch ein Typ-2-Diabetes eher entdeckt wird als bei Frauen ohne die Erkrankung. Diesen möglichen Verzerrungen versuchten die Autoren zwar mit zusätzlichen Analysen entgegenzuwirken, ausschließen lassen sie sich jedoch nicht.
Außerdem lagen keine Daten zu Faktoren wie Ernährung, körperlicher Aktivität oder hormonellen Behandlungen vor, die die Ergebnisse beeinflusst haben könnten. Die Autoren geben keine Interessenkonflikte an. Finanziert wurde die Studie unter anderem vom US-amerikanischen „National Heart, Lung, and Blood Institute“.
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Allerdings stehen die Ergebnisse der aktuellen Studie nicht unwidersprochen im Raum. Eine große US-Studie im Rahmen der „Nurses‘ Health Study II“ kam 2021 zu einem anderen Schluss.2 Bei 112.000 Krankenschwestern, die über 25 Jahre begleitet wurden, fand sich insgesamt kein erhöhtes Diabetesrisiko durch Endometriose. Ein wichtiger Unterschied: Die Endometriose war dort durchgängig per Bauchspiegelung gesichert – der diagnostische Goldstandard. Auffällig ist aber, dass sich auch in dieser Studie bei schlankeren Frauen ein leicht erhöhtes Risiko zeigte. Genau dieses Muster fand die neue Untersuchung wieder, nur deutlich stärker ausgeprägt.
Über den Diabetes hinaus deutet die Forschung auf eine breitere Belastung des Stoffwechsel- und Gefäßsystems hin. Eine Meta-Analyse von 2025 wertete sieben Studien mit rund 1,4 Millionen Frauen aus.3 Danach hatten Frauen mit Endometriose ein um 35 Prozent höheres Risiko für eine ischämische Herzkrankheit und ein um 19 Prozent höheres Risiko für Erkrankungen der Hirngefäße. Auch Herzrhythmusstörungen traten häufiger auf. Für Herzschwäche und Sterblichkeit ließ sich dagegen kein Zusammenhang nachweisen. Als möglicher gemeinsamer Nenner gilt die chronische Entzündung, die die Erkrankung kennzeichnet – belegt ist dieser Mechanismus bislang aber nicht.