Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Diabetes Endometriose Frauengesundheit Alle Themen
Studie zeigt

Frauen mit Endometriose haben ein um 46 Prozent erhöhtes Risiko für diese Krankheit

endometriose
Frauen mit Endometriose haben laut einer Studie ein erhöhtes Diabetesrisiko Foto: Getty Images/SEBASTIAN KAULITZKI/SCIENCE PHOTO LIBRARY
Artikel teilen
Isa Kabakci
Redakteur

11. August 2026, 20:20 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Endometriose wird meist mit Schmerzen, unerfülltem Kinderwunsch oder gynäkologischen Beschwerden in Verbindung gebracht. Doch die Erkrankung könnte auch Folgen für die allgemeine Gesundheit haben. Eine große US-Studie mit fast drei Millionen Frauen ging der Frage nach, ob Endometriose das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht.

Betroffene haben ein erhöhtes Risiko

Das Hauptergebnis der Studie ist eindeutig: Frauen mit Endometriose hatten ein um 46 Prozent höheres Risiko, im Laufe der Zeit an Typ-2-Diabetes zu erkranken, als Frauen ohne die Erkrankung. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei einigen Endometriose-Subtypen, vor allem bei seltenen Formen außerhalb der typischen Lokalisationen.

So wurde die Studie durchgeführt

Für die Studie werteten Forscher aus den USA Gesundheitsdaten von rund 2,9 Millionen Frauen aus der US-amerikanischen „Utah Population Database“ aus. Die Teilnehmerinnen wurden zwischen 1996 und 2021 beobachtet, im Durchschnitt über knapp elf Jahre. Ziel war es, zu untersuchen, ob Endometriose insgesamt und bestimmte Unterformen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden sind. Außerdem wollten die Forscher wissen, ob Faktoren wie BMI, Menopausenstatus oder ein früherer Schwangerschaftsdiabetes diesen Zusammenhang beeinflussen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Diabetologia“ veröffentlicht.1

Risiko abhängig von Endometrioseform und Lebensphase

Während des Beobachtungszeitraums erhielten knapp 100.000 Frauen eine Endometriose-Diagnose. Insgesamt war die Erkrankung mit einem deutlich erhöhten Diabetesrisiko verbunden.

Je nach Endometrioseform fiel das Risiko unterschiedlich aus. Bei oberflächlicher peritonealer Endometriose (auf dem Bauchfell) lag es um 67 Prozent höher, bei ovarieller Endometriose (an den Eierstöcken) um 61 Prozent höher. Die stärksten Zusammenhänge fanden sich bei Endometrioseherden außerhalb der üblichen Lokalisationen. Hier war das Risiko mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen ohne Endometriose. Auch die verwandte Erkrankung Adenomyose war mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden.

Bei der tief infiltrierenden Endometriose – der klinisch schwersten Form, die tiefer als fünf Millimeter in das Gewebe eindringt und oft benachbarte Organe betrifft – stieg das Diabetesrisiko um 45 Prozent.

Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Frauen vor den Wechseljahren sowie bei Frauen mit einem BMI unter 30. Die Ergebnisse blieben auch in zusätzlichen Kontrollanalysen weitgehend bestehen, was die Aussagekraft der Befunde stärkt.

Mehr zum Thema

Einordnung der Studie

Zu den Stärken der Studie zählen die sehr große Teilnehmerzahl und die lange Beobachtungszeit. Dadurch konnten die Forscher auch seltenere Endometrioseformen und verschiedene Untergruppen untersuchen.

Einschränkend ist, dass die Diagnosen überwiegend auf ICD-Codes basierten. Dadurch sind Fehlklassifikationen möglich. Zudem könnten Frauen mit Endometriose häufiger untersucht werden, wodurch ein Typ-2-Diabetes eher entdeckt wird als bei Frauen ohne die Erkrankung. Diesen möglichen Verzerrungen versuchten die Autoren zwar mit zusätzlichen Analysen entgegenzuwirken, ausschließen lassen sie sich jedoch nicht.

Außerdem lagen keine Daten zu Faktoren wie Ernährung, körperlicher Aktivität oder hormonellen Behandlungen vor, die die Ergebnisse beeinflusst haben könnten. Die Autoren geben keine Interessenkonflikte an. Finanziert wurde die Studie unter anderem vom US-amerikanischen „National Heart, Lung, and Blood Institute“.

Auch interessant: Forscher entdecken überraschenden Endometriose-Hinweis

Weitere Studien zu diesem Thema

Allerdings stehen die Ergebnisse der aktuellen Studie nicht unwidersprochen im Raum. Eine große US-Studie im Rahmen der „Nurses‘ Health Study II“ kam 2021 zu einem anderen Schluss.2 Bei 112.000 Krankenschwestern, die über 25 Jahre begleitet wurden, fand sich insgesamt kein erhöhtes Diabetesrisiko durch Endometriose. Ein wichtiger Unterschied: Die Endometriose war dort durchgängig per Bauchspiegelung gesichert – der diagnostische Goldstandard. Auffällig ist aber, dass sich auch in dieser Studie bei schlankeren Frauen ein leicht erhöhtes Risiko zeigte. Genau dieses Muster fand die neue Untersuchung wieder, nur deutlich stärker ausgeprägt.

Über den Diabetes hinaus deutet die Forschung auf eine breitere Belastung des Stoffwechsel- und Gefäßsystems hin. Eine Meta-Analyse von 2025 wertete sieben Studien mit rund 1,4 Millionen Frauen aus.3 Danach hatten Frauen mit Endometriose ein um 35 Prozent höheres Risiko für eine ischämische Herzkrankheit und ein um 19 Prozent höheres Risiko für Erkrankungen der Hirngefäße. Auch Herzrhythmusstörungen traten häufiger auf. Für Herzschwäche und Sterblichkeit ließ sich dagegen kein Zusammenhang nachweisen. Als möglicher gemeinsamer Nenner gilt die chronische Entzündung, die die Erkrankung kennzeichnet – belegt ist dieser Mechanismus bislang aber nicht.

Quellen

  1. Fuzak Nunziato, M., Yan, B., Schliep, K.C. et al. (2026). Endometriosis subtypes and risk of type 2 diabetes: the Advancing Research on Cardiovascular Health and Endometriosis Study (ARCHES) retrospective cohort study. Diabetologia ↩︎
  2. Farland, L. V., Degnan, W. J., Harris, H. R., Tobias, D. K., & Missmer, S. A. (2021). A prospective study of endometriosis and risk of type 2 diabetes. Diabetologia, 64(3), 552–560 ↩︎
  3. Saad, M., Ansari, I., Ibrahim, Z. S., Batool, R. M., Ahsan, S. I., Arshad, M. S., Collins, P., & Ahmed, R. (2025). Increased risk of cardiovascular disease in women with endometriosis: A systematic review and meta-analysis. European journal of obstetrics, gynecology, and reproductive biology, 312, 114081. ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.