2. August 2026, 9:09 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Ob Wein, Bier oder Cocktail: Alkohol ist für viele Menschen selbstverständlich. Doch schon vergleichsweise kleine Mengen könnten für Frauen eine größere Rolle spielen als bislang angenommen. Darauf weist eine aktuelle Auswertung wissenschaftlicher Studien hin.
Metaanalyse wertet Daten von mehr als 2,5 Millionen Frauen aus
Für die im Fachjournal „The Breast“ veröffentlichte Analyse fassten Forscher die Ergebnisse von 37 Studien mit insgesamt 2.565.920 Frauen zusammen. Das Ergebnis: Frauen, die Alkohol konsumierten, hatten ein um 17 Prozent höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen, die keinen Alkohol tranken.1
Besonders auffällig: Das Risiko nahm mit der konsumierten Alkoholmenge zu. Bereits bis zu etwa zehn Gramm Alkohol pro Tag – das entspricht ungefähr einem kleinen Glas Wein – waren mit einem um 13 Prozent höheren Brustkrebsrisiko verbunden. Bei einer täglichen Aufnahme von etwa zehn bis 20 Gramm Alkohol stieg das Risiko auf 28 Prozent. Frauen, die mehr als 20 Gramm Alkohol pro Tag konsumierten, hatten ein um 52 Prozent höheres Risiko.
Risiko steigt mit der Trinkmenge
Die Autoren um den Brüsseler Krebsmediziner Dr. Luca Arecco sprechen von einem klaren Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Brustkrebs: Je mehr Alkohol konsumiert wurde, desto höher fiel das Erkrankungsrisiko aus. Einen Hinweis auf eine Alkoholmenge, die als unbedenklich gelten könnte, ergab die Auswertung nicht.
Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Brustkrebsarten, deren Wachstum durch weibliche Geschlechtshormone gefördert wird. Für andere Brustkrebsformen fanden die Forscher dagegen keinen statistisch eindeutigen Zusammenhang.
Warum könnte Alkohol das Brustkrebsrisiko erhöhen?
Die Metaanalyse selbst untersucht nicht die biologischen Ursachen. Die Autoren nennen jedoch mehrere mögliche Erklärungen, die bereits aus früheren Studien bekannt sind.
Beim Abbau von Alkohol entsteht unter anderem Acetaldehyd – ein giftiges Stoffwechselprodukt, das das Erbgut von Zellen schädigen kann. Außerdem kann Alkohol sogenannte freie Radikale fördern, die ebenfalls Zellschäden verursachen. Hinzu kommt, dass Alkoholkonsum den Spiegel weiblicher Geschlechtshormone wie Östrogen erhöhen kann. Da viele Brustkrebsarten durch diese Hormone beeinflusst werden, könnte dies das Erkrankungsrisiko zusätzlich steigern.
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Nach Angaben der Studienautoren erkrankt etwa jede achte Frau im Laufe ihres Lebens daran. Neben Faktoren wie Alter oder einer erblichen Veranlagung gelten auch Lebensstilfaktoren als beeinflussbare Risikofaktoren. Dazu gehören unter anderem Übergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum.
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Schon ein Drink kann das Krebsrisiko steigen lassen
Alkoholkonsum erhöht das Gichtrisiko – besonders bei Männern
Keine Hinweise auf schlechteren Krankheitsverlauf
Die Forscher untersuchten auch, ob Alkohol den weiteren Verlauf der Erkrankung beeinflusst, wenn bereits Brustkrebs diagnostiziert wurde. Hier zeigte sich ein anderes Bild. Die Analyse ergab keine Hinweise darauf, dass Alkoholkonsum das Risiko erhöht, dass der Brustkrebs erneut auftritt oder Frauen an Brustkrebs sterben.
Zwar fanden die Wissenschaftler bei Frauen mit leichtem bis mittlerem Alkoholkonsum eine etwas höhere allgemeine Lebenserwartung. Die Autoren betonen jedoch ausdrücklich, dass daraus kein gesundheitlicher Vorteil von Alkohol abgeleitet werden darf. Die beobachteten Unterschiede könnten vielmehr dadurch entstehen, dass sich die untersuchten Frauen auch in anderen Punkten unterschieden – etwa hinsichtlich Ernährung, Bewegung, Einkommen oder medizinischer Versorgung.
Was die Studie aussagt – und was nicht
Die neue Metaanalyse gehört zu den bislang größten Auswertungen zum Zusammenhang zwischen Alkohol und Brustkrebs. Metaanalysen gelten als besonders aussagekräftig, weil sie die Ergebnisse vieler Studien zusammenfassen und gemeinsam auswerten.
Dennoch kann auch diese Untersuchung keine Ursache beweisen. Die meisten eingeschlossenen Studien waren Beobachtungsstudien, bei denen die Teilnehmerinnen ihren Alkoholkonsum selbst angaben. Solche Angaben können ungenau sein. Außerdem unterschieden sich die Studien darin, wie sie leichten, mittleren oder hohen Alkoholkonsum definierten.
Trotz dieser Einschränkungen sehen die Autoren ihre Ergebnisse als weiteres Argument dafür, Alkoholkonsum möglichst zu begrenzen. Denn über alle ausgewerteten Studien hinweg zeigte sich ein einheitliches Bild: Mit steigender Alkoholmenge nahm auch das Brustkrebsrisiko zu.