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Laut Studie

Diese einfache Maßnahme kann helfen, Depressionssymptome zu reduzieren

Mann isst
Laut Forschern könnte eine gesunde Ernährung die Symptome von Depressionen lindern Foto: Getty Images/Maskot
Martin Lewicki
Freier Autor

15. Oktober 2026, 13:48 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter Depressionen. Umso wichtiger ist die Erforschung wirksamer Behandlungsmöglichkeiten. Eine Studie deutet nun darauf hin, dass auch die Ernährung zur Linderung der Symptome beitragen könnte.

Laut Robert Koch-Institut wurde 2024 bei rund 17 Prozent der Erwachsenen in der ambulanten Versorgung in Deutschland eine Depression diagnostiziert.1 Die Erkrankung kann die Lebensqualität und die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen, erheblich beeinträchtigen. Umso wichtiger sind wirksame Behandlungen. Dazu zählen insbesondere Psychotherapie und Antidepressiva. Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem vom Schweregrad der Depression ab und muss individuell vom Arzt angepasst werden. Eine US-Studie hat nun untersucht, wie machbar und alltagstauglich eine Ernährung ohne hochverarbeitete Lebensmittel bei Depressionen ist – und ob sie die Symptome lindern kann.2 Im Fokus stehen dabei hochverarbeitete Lebensmittel wie Fast Food und Fertiggerichte.

Was hat die Studie untersucht?

Wie die Forscher von der University of California San Francisco in ihrer aktuellen Studie erklären, gibt es bereits Erkenntnisse darüber, dass es Zusammenhänge zwischen dem Verzehr von hochverarbeiteten Lebensmitteln und einer „Major-Depression“ (ernsthafter depressiver Erkrankung) gibt. Dabei werden Prozesse im Körper und im zentralen Nervensystem durch die Ernährung beeinflusst. Allerdings wurde bislang in klinischen Interventionsstudien noch nicht untersucht, ob der Verzicht auf diese Lebensmittel die Erkrankung ursächlich verbessern kann.

Deswegen sollte diese relativ kleine Pilotstudie mit 20 Teilnehmern klären, wie machbar und alltagstauglich der Verzicht auf hochverarbeitete Lebensmittel für Patienten mit Depressionen ist – und welche Auswirkungen dies auf ihre Stimmung hat. Auch aus diesem Grund wurden für diese Studie Menschen ausgewählt, die sich zu einem Großteil von hochverarbeiteten Lebensmitteln ernährten. Als hochverarbeitet bezeichnet man industriell hergestellte Lebensmittel, die Konservierungsstoffe, künstliche Farbstoffe, Geschmacksverstärker und Emulgatoren enthalten. Dazu zählen zum Beispiel Fertiggerichte, Fast Food, verpackte Snacks, Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke.

Wie sind die Forscher vorgegangen?

Die Studie wurde von Juni 2024 bis Juni 2025 durchgeführt. Insgesamt nahmen 20 Personen teil, von denen 19 die Untersuchung vollständig absolvierten. Sie mussten folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Alter zwischen 18 und 80 Jahren
  • Depression als Hauptdiagnose
  • mindestens fünf Punkte im Patient Health Questionnaire-9 (ein wissenschaftlicher Fragebogen zur Diagnose und Bestimmung des Schweregrads von Depressionen)
  • hoher Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel (basierend auf einer Selbstauskunft per Fragebogen)
  • mindestens eine Stoffwechselstörung wie z. B. hohes Körpergewicht, eine Fettstoffwechselstörung, eine verminderte Insulinempfindlichkeit oder Bluthochdruck

Wichtig war auch, dass die Teilnehmer während der Studie ihre medikamentöse Behandlung, Therapie sowie Bewegungs- und Schlafgewohnheiten nicht veränderten. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug rund 44 Jahre und 70 Prozent waren weiblich.

Die Teilnehmer wurden im sogenannten Crossover-Design in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe setzte ihre regelmäßige Ernährung vier Wochen lang fort, während die andere zu einer niedrig verarbeiteten Ernährung überging. Diese kauften sie mit Anleitung der Forscher ein und bereiteten sie selbst zu. Nach vier Wochen tauschten die beiden Gruppen die Ernährungsformen.

So hat sich die Umstellung der Ernährung auf die Depressionen ausgewirkt

Zunächst berichteten die Teilnehmer, dass sie die Ernährungsumstellung als praktikabel empfanden. Die Teilnehmer bewerteten den Nutzen der Umstellung als sehr hoch (durchschnittlich 8,4 von zehn Punkten). Die praktische Umsetzung fiel ihnen jedoch spürbar schwerer und wurde mit im Schnitt 5,7 von zehn Punkten als moderat eingestuft.

Im Durchschnitt reduzierten die Teilnehmer ihren Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel um rund 86 Prozent. In dieser Phase verbesserten sich ihre Depressionswerte (gemessen mit dem PHQ-9-Fragebogen von durchschnittlich 12,8 auf 5,5 Punkte) sowie ihre Angstwerte deutlich im Vergleich zur Phase mit gewohnter Ernährung (wo der PHQ-9-Wert bei 8,7 lag).

Die Forscher haben auch eine mögliche Erklärung für den Zusammenhang zwischen Ernährung und Depressionen. Denn hochverarbeitete Lebensmittel können sowohl die Darmflora als auch die Schutzschleimhaut des Darms schädigen. „Diese Darmschäden können eine chronische Entzündung im ganzen Körper verursachen, die entweder direkt Depressionen verursacht oder die Menschen anfälliger dafür macht“, erklärt die Studienautorin Dr. Nyasha Chagwedera in einer Pressemitteilung der University of California San Francisco.3 Oder anders ausgedrückt: Junk-Food schadet nicht nur dem Bauch, sondern dringt bis ins Gehirn durch, sagt die Forscherin. Welche konkreten Faktoren – etwa der hohe Zucker- und Fettgehalt, die Kalorienmenge oder bestimmte Zusatzstoffe – für die Effekte verantwortlich sind, müssen erst künftige Studien untersuchen.

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Wichtige Einschränkungen der Studie

Trotz der positiven Tendenzen betonen die Studienautoren wichtige Einschränkungen:

  1. Es handelte sich um eine kleine, ungeblindete Pilotstudie mit 19 Personen, die die Untersuchung beendeten. Die Linderung der Depressionen war ein explorativer Nebeneffekt und muss erst in größeren, verblindeten Studien überprüft werden.
  2. Der genaue biologische Einzelmechanismus hinter der Wirkung der hochverarbeiteten Lebensmittel ist noch unklar.
  3. Die Erfassung der Ernährung basierte rein auf Selbstauskünften der Teilnehmer über Fragebögen, ohne objektive Biomarker.

Nun wollen die Forscher im Jahr 2028 mit der Phase 2 der Studie beginnen und die Ergebnisse mit mehr Teilnehmern verifizieren.

Im Alltag ist eine Ernährungsumstellung nicht immer einfach

Obwohl die Ergebnisse der Pilotstudie zeigen, dass eine gesündere Ernährung die Symptome von Depressionen lindern könnte, wissen die Forscher, dass es nicht einfach ist, sie im Alltag anzuwenden. „Weniger hochverarbeitete Lebensmittel zu essen, kann eine Herausforderung sein, weil sie besonders schmackhaft, günstig und praktisch sind“, sagt Dr. Nyasha Chagwedera. Vor allem fördern hochverarbeitete Lebensmittel die Ausschüttung von Dopamin. Dadurch verstärken sie das Verlangen nach genau diesen ungesunden Lebensmitteln.

Laut Dr. Chagwedera sei es ein gewollter Effekt der Lebensmittelindustrie, der durch eine spezielle Mischung aus Zucker, Salz und Fett entstehe. Das macht es so schwierig, auf Fast Food, süße und salzige Snacks sowie andere hochverarbeitete Lebensmittel zu verzichten. Auch hier braucht es mehr Forschung, wie man diesen Teufelskreis erfolgreich durchbrechen kann hin zu einer gesunden Ernährung.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: Depression - Administrative Prävalenz (aufgerufen am 14.10.2026) ↩︎
  2. Chagwedera, D.N., Kim, E., Chiu, D.T., et. al. (2026). Reducing Ultraprocessed Foods From the Diets of Patients With Depression: A Pilot Crossover Trial. JAMA Psychiatry. ↩︎
  3. University of California San Francisco: Could Quitting Ultra-Processed Food Boost Your Mental Health? (aufgerufen am 14.10.2026) ↩︎

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