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Studie aus Dänemark

Ihren Spermien zuliebe sollten Männer auf diese Lebensmittel verzichten

Bestimmte Lebensmittel beeinflussen offenbar die Qualität von Spermien
Für den Erhalt ihrer Fruchtbarkeit sollten Männer offenbar besser darauf achten, was sie verzehren Foto: Getty Images
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Friederike Ostermeyer
Freie Autorin

3. September 2025, 13:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Für die weltweit nachlassende Qualität von Spermien könnten hochverarbeitete Lebensmittel verantwortlich sein. So lautet das Ergebnis einer neuen Studie aus Dänemark. So habe eine ungesunde Ernährung einen weitaus dramatischeren Einfluss auf den Stoffwechsel und das Hormonsystem von Männern als bisher angenommen.

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Die sinkende Spermienqualität bei Männern ist ein globales Phänomen, das Forscher bereits seit rund 50 Jahren beobachten (FITBOOK berichtete). Die genauen Ursachen sind jedoch weitgehend unklar. Eine kleine, aber gründliche Studie, an der die Universität Kopenhagen maßgeblich beteiligt war, hat nun neue Hinweise entdeckt. Demnach sollen stark verarbeitete Lebensmittel bei Männern nicht nur zu einer Gewichtszunahme führen, sondern auch den Hormonhaushalt stören und schädliche Substanzen freisetzen, was wiederum langfristig eine Verschlechterung der Spermienqualität nach sich zieht. Die Untersuchung wurde in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ veröffentlicht.1

Hochverarbeite Lebensmittel – eine schleichende Gefahr für Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit?

Fertiggerichte, Fast Food, Snacks, Wurst, industriell hergestellte Backwaren, Softdrinks und Co. – ein Großteil der Menschen verspeist diese Produkte täglich. Sie machen nicht selten die Hälfte der Mahlzeiten aus. Und auch wenn die Forschung eindrucksvoll gezeigt hat, dass diese hochverarbeiteten Lebensmittel für 32 Gesundheitsprobleme verantwortlich sein können (FITBOOK berichtete), darunter Diabetes Typ 2 und Übergewicht, ändert das nichts an ihrer Beliebtheit.

Nun kommt eine weitere Studie zu diesem Thema daher, die insbesondere Männer in Alarmbereitschaft setzen sollte: Ihre Spermienqualität ist in Gefahr. Und nicht nur das: Die Art der Ernährung sorgt auch für eine höhere Konzentration einer Chemikalie im Körper, die in Kunststoffen und Lebensmittelverpackungen vorkommt.

Studie mit 43 jungen, gesunden Männern

Um herauszufinden, welche Folgen stark verarbeitete Lebensmittel auf den männlichen Stoffwechsel sowie die Fruchtbarkeit einschließlich der Spermienqualität haben, rekrutierte das Forscherteam 43 gesunde Männer im Alter von 20 bis 35 Jahren. Sie wurden in Gruppen eingeteilt, bei folgendem Studiendesign:

  • Jeder Teilnehmer absolvierte zwei Ernährungsphasen von jeweils drei Wochen. Einmal eine Diät mit überwiegend hochverarbeiteten Lebensmitteln und einmal eine Diät mit überwiegend unverarbeiteten Lebensmitteln. Die Kalorienanzahl blieb dabei stets gleich.
  • Dazwischen lag eine drei Monate lange Pause, in der die Teilnehmer wieder ihre gewohnte Ernährung einhielten.
  • In einer Phase erhielten die Teilnehmenden zusätzlich ca. 500 Kalorien mehr, um auch die Wirkung eines moderaten Kalorienüberschusses zu untersuchen.
  • Spermienqualität, Blut- und Hormonwerte aller Männer wurden vor und nach jedem Versuchszeitraum gemessen.

Wie hochverarbeitete Lebensmittel die männliche Gesundheit beeinträchtigen

Nach der Auswertung kamen die Forscher zu einer Reihe teils überraschender Erkenntnisse. Oft heißt es: Eine Kalorie ist eine Kalorie. Das scheint bei hochverarbeiteten Lebensmitteln jedoch nicht der Fall zu sein. Männer, die sich damit ernährten, nahmen im Vergleich zu einer unverarbeiteten Ernährung rund ein Kilogramm mehr Fettmasse zu, und das unabhängig davon, ob sie sich normal oder kalorienüberschüssig ernährten. Die Wissenschaftler stellten außerdem bei beiden Gruppen einen besorgniserregenden Anstieg eines hormonstörenden Phthalats fest. Diese Substanz (Weichmacher) wird in Kunststoffen, vor allem in Verpackungen, verwendet. Bei diesen Männern sanken zudem die Werte von Testosteron und des follikelstimulierenden Hormons, die für die Spermienproduktion entscheidend sind. Ebenso nahm die Gesamtbeweglichkeit (Motilität) der Spermien tendenziell ab – ein Hinweis auf eine beginnende qualitative Beeinträchtigung. Diese war jedoch noch nicht statistisch signifikant, was dem kurzen Versuchszeitraum geschuldet sein könnte. Ebenso ersichtlich war, dass eine Ernährung mit hochverarbeiteten Lebensmitteln zu einem leichten Anstieg bestimmter Entzündungsmarker und Cholesterinwerte im Blut führte.

Forscher alarmiert über Ergebnisse

„Wir waren schockiert darüber, wie viele Körperfunktionen durch hochverarbeitete Lebensmittel gestört werden, selbst bei gesunden jungen Männern. Die langfristigen Auswirkungen sind alarmierend und unterstreichen die Notwendigkeit, die Ernährungsrichtlinien zu überarbeiten“, erklärt Studienleiter Prof. Romain Barrès in einer Universitätsmitteilung.2 Für die Forscher steht fest: Hochverarbeitete Lebensmittel führen zu einer Ansammlung von Schadstoffen im Blut, was sich negativ auf die Qualität der Spermien und die Testosteronwerte auswirkt. Gleichzeitig begünstigen sie Übergewicht, selbst beim Kalorienzählen. Eine unverarbeitete Mahlzeit schlägt bei gleicher Energiedichte also weit weniger auf die Hüften. Und das zeigt sich schon nach kurzer Zeit.

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Was macht hochverarbeitete Lebensmittel so schädlich? Das sagt der Studienleiter

Was genau macht Fertig-Snacks und Co. eigentlich so problematisch für unsere Gesundheit? Und können sie womöglich auch Fruchtbarkeitsprobleme bei Frauen begünstigen? FITBOOK hat bei Studienleiter Prof. Romain Barré nachgefragt. Seine Einschätzung: „Es ist eine Kombination aus mehreren Faktoren. Schnell gegessen und ebenso schnell verdaut, gelangt Glukose rascher in die Blutbahn. Das wiederum begünstigt die Speicherung von Fett. Hinzu kommen zu viele gesättigte Fettsäuren, Cholesterin, Salz sowie giftige Substanzen, die sich, wie unsere Studie gezeigt hat, negativ auf das Hormonsystem auswirken.“ Aus diesem Grund geht der Forscher davon aus, dass stark verarbeitete Lebensmittel auch die weibliche Reproduktionsfähigkeit einschränken könnten. Paare mit Kinderwunsch sollten sich ihre Wartezeit daher auf Wochenmärkten und beim gemeinsamen Kochen vertreiben. Mit Genuss und frischen Lebensmitteln könnte sich der Erfolg schneller einstellen als gedacht.

Fazit der Autoren

Allerdings gibt das Team auch zu bedenken, dass die Studiendauer von wenigen Wochen möglicherweise nicht ausreicht, um Ergebnisse über Langzeiteffekte zu erzielen. Es ist auch denkbar, dass sich bestimmte Werte wieder normalisieren. Dass eine Ernährung mit hauptsächlich unverarbeiteten Lebensmitteln langfristig nur Vorteile mit sich bringt und sich positiv auf die männliche Fruchtbarkeit auswirken kann, gilt für sie allerdings als gesichert.

Quellen

  1. Preston, J., M., Iversen, J., Hufnagel, A. et al. (2025). Effect of ultra-processed food consumption on male reproductive and metabolic health, Cell Metabolism ↩︎
  2. University of Copenhagen. Not all calories are equal: Ultra-processed foods harm men’s health (aufgerufen am 3. September 2025) ↩︎

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