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Laut Studie

Demenzrisiko deutlich erhöht, wenn schon der Partner Demenz hat

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Eine Studie zeigt, dass das Risiko, an Demenz zu erkranken, sich erhöht, wenn der Partner betroffen ist Foto: Getty Images/KATERYNA KON/SCIENCE PHOTO LIBRARY
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Isa Kabakci
Redakteur

21. Juli 2026, 17:02 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, verändert das meist den Alltag der ganzen Familie. Eine große Studie deutet nun darauf hin, dass auch Ehepartner von Erkrankten selbst ein erhöhtes Risiko haben, später an Demenz zu erkranken. FITBOOK hat zudem bei Studienautor Chi-Shin Wu vom National Health Research Institutes in Taiwan nachgefragt.

Erhöhtes Risiko für beide Geschlechter

Menschen, deren Ehepartner neu an Demenz erkrankt war, entwickelten im weiteren Verlauf deutlich häufiger selbst eine Demenz als vergleichbare Personen ohne demenzkranken Partner. Das Risiko lag bei Frauen um 74 Prozent und bei Männern um 69 Prozent höher.

Auch die absoluten Zahlen zeigen den Unterschied. Von 100 Frauen, deren Partner an Demenz erkrankte, entwickelten innerhalb von fünf Jahren etwa sechs bis sieben selbst eine Demenz. In der Vergleichsgruppe ohne demenzkranken Partner waren es nur etwa vier von 100 Männern. Bei Männern erkrankten innerhalb von fünf Jahren rund neun von 100 Betroffenen an Demenz, verglichen mit knapp sechs von 100 in der Vergleichsgruppe.

Studienautor Chi-Shin Wu sagt dazu aber: „Demenz betrifft den gesamten Haushalt, nicht nur die Person, bei der die Diagnose gestellt wurde. Ehepartner sollten sich ihres erhöhten Risikos bewusst sein, aber nicht beunruhigt sein – das erhöhte Risiko bedeutet nicht, dass sie zwangsläufig an Demenz erkranken werden.“

So wurde die Studie durchgeführt

Für die Studie, die in der Fachzeitschrift „JAMA Network Open“ veröffentlicht wurde, werteten Forscher Gesundheitsdaten von mehr als 955.000 verheirateten Menschen aus Taiwan aus. Grundlage war die nationale Krankenversicherungsdatenbank, die nahezu die gesamte Bevölkerung des Landes erfasst. Man beobachtete verheiratete Personen, deren Ehepartner zwischen 1998 und 2022 erstmals eine Demenzdiagnose erhalten hatte. Diese wurden mit bis zu vier vergleichbaren Personen gleichen Alters, Geschlechts, Einkommens und Wohnorts verglichen, deren Ehepartner nicht an Demenz erkrankt war.1

Ziel der Studie war herauszufinden, ob das Leben mit einem demenzkranken Ehepartner mit einem höheren eigenen Demenzrisiko verbunden ist. Hintergrund ist, dass Ehepartner oft über viele Jahre ähnliche Lebensgewohnheiten, Umweltbedingungen und gesundheitliche Risiken teilen. Hinzu kommt, dass die Pflege eines demenzkranken Partners häufig mit psychischer Belastung, Schlafmangel und Veränderungen des Alltags verbunden ist.

Jüngere Ehepartner stärker betroffen

Der Zusammenhang zeigte sich nicht nur für Demenz insgesamt, sondern auch für die beiden häufigsten Demenzformen: Alzheimer und vaskuläre Demenz, die durch Gefäßschäden im Gehirn entsteht. In beiden Fällen war das Erkrankungsrisiko bei Menschen mit einem demenzkranken Ehepartner ähnlich deutlich erhöht.

Interessant war außerdem, dass die relativen Risikoanstiege bei jüngeren Ehepartnern stärker ausfielen. Mit zunehmendem Alter wurden dagegen die absoluten Unterschiede größer. Das heißt, insgesamt erkrankten im höheren Alter mehr Menschen an Demenz, sodass auch der Unterschied zwischen den Gruppen anwuchs.

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Was das nun konkret bedeutet

Das erhöhte Risiko könnte unter anderem auf gemeinsame Lebensgewohnheiten, Umweltfaktoren oder die körperliche und psychische Belastung durch die Pflege zurückzuführen sein. Eine einzelne Ursache hält Chi-Shin Wu für unwahrscheinlich: „Ähnliche Merkmale vor der Ehe und jahrzehntelang geteilte Lebensgewohnheiten schaffen wahrscheinlich ein gemeinsames Grundrisiko, während der Stress durch die Pflege zusätzlich dazu beitragen kann.“ Die Ergebnisse sprechen daher dafür, das familiäre Umfeld stärker in die Prävention und Betreuung von Demenzerkrankungen einzubeziehen.

Für die Praxis sind vor allem die absoluten Unterschiede relevant. Obwohl das relative Risiko deutlich erhöht war, entsprach dies innerhalb von fünf Jahren einem zusätzlichen Demenzrisiko von 2,75 Prozentpunkten bei Frauen und 3,49 Prozentpunkten bei Männern. Die Ergebnisse sprechen deshalb dafür, Ehepartner von Menschen mit Demenz frühzeitig medizinisch, psychologisch und sozial zu unterstützen.

Ein Teil des Risikos könnte laut der Studie durch die gezielte Partnerwahl erklärt werden. Denn Menschen neigen, Partner mit ähnlichem Bildungsstand, sozialem Status und Lebensstil zu wählen. Da diese Merkmale das Demenzrisiko beeinflussen, bringen beide Partner oft schon von Beginn an vergleichbare gesundheitliche Voraussetzungen in die Ehe ein.

Zudem fielen die absoluten Risikounterschiede bei Menschen mit geringerem Einkommen und weniger Kindern größer aus. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass die Zahl der Kinder nur ein grober Hinweis auf mögliche familiäre Unterstützung ist und keine Aussagen über tatsächliche Hilfe im Alltag zulässt.

Aus Sicht von Wu und seinem Team sollte sich das auch in der Versorgung widerspiegeln. „Die Demenzversorgung sollte den gesamten Haushalt als Versorgungseinheit betrachten. Wenn bei einem Ehepartner eine Demenz diagnostiziert wird, sollten Versorgungsangebote auch die gesundheitlichen Bedürfnisse und den Unterstützungsbedarf des anderen Ehepartners berücksichtigen, insbesondere in Familien mit begrenzten finanziellen Ressourcen oder wenigen Personen, die sich die Pflege teilen können.“

Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen

Zu den Stärken der Studie zählen die große Teilnehmerzahl von fast einer Million Menschen. Dadurch konnten die Forschenden auch Unterschiede zwischen verschiedenen Alters-, Einkommens- und Bevölkerungsgruppen zuverlässig untersuchen.

Die Studie hat jedoch auch Einschränkungen. Die Demenzdiagnosen stammen aus Gesundheits- und Abrechnungsdaten und wurden nicht durch spezielle Untersuchungen wie Biomarker bestätigt. Zudem fehlten Informationen zu wichtigen Einflussfaktoren wie Bildung, Ernährung, Bewegung, Rauchverhalten, sozialer Aktivität oder der tatsächlichen Belastung durch die Pflege eines demenzkranken Partners.

Außerdem kann die Studie keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweisen. Das erhöhte Risiko könnte ebenso auf gemeinsame Lebensgewohnheiten, ähnliche soziale und gesundheitliche Voraussetzungen oder die Belastungen des Pflegealltags zurückzuführen sein. Nach Angaben der Autoren hatten die Förderer der Studie keinen Einfluss auf deren Durchführung oder Veröffentlichung.

Quellen

  1. Wang, S., Lin, M., Fan, CC., Huang, W., Hsu, C., Wu, C. (2026). Spousal Dementia Exposure and Risk of Dementia. JAMA Netw Open. 2026;9(7):e2624175. doi:10.1001/jamanetworkopen.24175 ↩︎

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