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Was das Mikrobiom gesunder 100-Jähriger über Longevity verrät

Vielfalt im Mikrobiom: Entscheidend für Verdauung, Immunsystem – und gesundes Altern.
Vielfalt im Mikrobiom: Entscheidend für Verdauung, Immunsystem – und gesundes Altern. Foto: Getty Images/Science Photo Libra
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11. Oktober 2025, 7:57 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Müdigkeit, Blähungen, Konzentrationsprobleme – wer solche Beschwerden hat, denkt selten zuerst an den Darm. Dabei beeinflussen die Billionen Mikroorganismen im Verdauungssystem weit mehr als nur die Verdauung: Sie wirken auf den Stoffwechsel, die Immunabwehr, die Psyche – und offenbar auch darauf, wie gesund wir altern. Welche Rolle die mikrobielle Vielfalt dabei spielt, erklärt Prof. Andreas Michalsen, Chefarzt für Naturheilkunde an der Berliner Charité, im Gespräch mit der Welt am Sonntag. Seine zentrale Warnung: „Wenn die Vielfalt fehlt, wird’s gefährlich.“

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Mikrobiom beeinflusst Energie, Stimmung und Wohlbefinden

Das Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm, ist mit vielen Prozessen im Körper verknüpft. Laut Michalsen könne eine gestörte Darmflora spürbare Auswirkungen auf die geistige und körperliche Verfassung haben: „Das Mikrobiom kann die Vitalität, die Wachheit und die Stimmung deutlich beeinflussen. Es muss nicht zwangsläufig die Ursache sein, sollte aber bei diesen Beschwerden mitgedacht werden.“

Doch wie erkennt man überhaupt, ob im Darm etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist? Auch ohne Labortests lasse sich laut Michalsen vieles selbst beobachten: „Wie regelmäßig ist der Stuhlgang? Ist der Stuhl gut geformt? Leidet man unter Blähungen?“

Wenn sich Ernährung oder Klima ändern, reagiert der Darm

Viele Menschen bemerken Störungen im Verdauungssystem, wenn sie plötzlich anders essen oder verreisen. Der Grund: Das Mikrobiom ist auf die tägliche Routine eingestellt und reagiert empfindlich auf Veränderungen. Doch eine Umstellung braucht Zeit. Michalsen sagt: „Das Mikrobiom beginnt in der Regel innerhalb von drei Tagen, sich umzustellen; es kann aber insgesamt drei Monate dauern, bis die Nahrung wieder reibungslos und ohne Blähungen verdaut wird.“

Mikrobiom-Tests: Fortschritte, aber noch nicht alltagstauglich

Lange waren wissenschaftliche Tests zur Zusammensetzung der Darmflora unzuverlässig. „Das war Kaffeesatzlesen“, so Michalsen rückblickend. Mittlerweile liefern Gensequenzierungen bessere Ergebnisse. Dennoch sieht der Experte weiterhin Einschränkungen: „Aber auch da gibt es noch Unschärfen, die Methodik ist teuer und bislang nicht etabliert.“

Zucker, Zusatzstoffe und Fett stören das Gleichgewicht

Was dem Mikrobiom schadet, ist gut erforscht. Michalsen zählt eine Reihe von problematischen Inhaltsstoffen auf, die in vielen industriell verarbeiteten Lebensmitteln vorkommen: „Ungünstig für das Mikrobiom sind Zucker, gesättigte Fette, Zusatzstoffe wie Konservierungsstoffe und Emulgatoren und die meisten Süßstoffe.“

Besonders tückisch sei ein Stoff, der nicht in Lebensmitteln enthalten ist, sondern erst im Körper durch Darmbakterien entsteht: „Entscheidend ist, dass dieser krank machende Stoff nicht in der Nahrung steckt, sondern erst durch die Bakterien im Darm entsteht.“ Gemeint ist TMAO (Trimethylamin-N-oxid), das mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird. Die Bakterien bilden es vor allem nach Verzehr von rotem Fleisch.

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Gesunde Hundertjährige – ein Mikrobiom als Schutzfaktor?

Ein funktionierendes Mikrobiom kann nicht nur kurzfristig das Wohlbefinden verbessern, sondern auch langfristig eine Rolle für ein gesundes Altern spielen. Michalsen verweist auf einen bemerkenswerten Zusammenhang: „Gesunde Hundertjährige weisen ein prägnant anderes Mikrobiom als kranke Ältere auf.“ Die Vielfalt und Zusammensetzung der Darmflora scheint demnach ein Schlüssel dafür zu sein, wie widerstandsfähig ein Mensch im Alter bleibt – körperlich wie psychisch.

Mehr Vielfalt im Darm – mehr Schutz für den ganzen Körper

Die beste Schutzmaßnahme ist laut Michalsen eine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte Ernährung, die möglichst viele unterschiedliche Bakterienstämme im Darm fördert. Denn je vielfältiger das Mikrobiom, desto stabiler das ganze System: „Es ist wie im Dschungel: Wenn die Biodiversität groß ist, dann ist das Ganze mehr in der Balance, als wenn nur Monokulturen vorherrschen.“

Fazit

Ein gesunder Darm wirkt weit über das Verdauungssystem hinaus – er beeinflusst Stimmung, Energie, Immunsystem, Krankheitsanfälligkeit und sogar den Alterungsprozess. Wer auf Vielfalt in der Ernährung setzt, kann sein Mikrobiom stärken – und damit die Grundlage für mehr Gesundheit und Widerstandskraft im gesamten Leben legen.

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