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Fallbericht – gibt es einen Zusammenhang zwischen Covid-Impfung und Leukämie?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Covid-Impfung und Leukämie?
Der Fall einer 38-jährigen Frau, die nach einer Covid-Impfung an Leukämie erkrankte, sorgt für Diskussion in der Forschung Foto: Getty Images
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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

24. Februar 2026, 20:15 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die Covid-19-Vakzine waren ohne Zweifel ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Coronapandemie. Doch so, wie manche Menschen einer Covid-Erkrankung Long Covid entwickelten, gibt es auch Betroffene starker Impfnebenwirkungen. In der wissenschaftlichen onkologischen Fachzeitschrift „Oncotarget“ stellten Forscher jetzt den Fall einer Frau dar, die zeitlich verdächtig nah an ihrer Covid-Impfung an Leukämie erkrankte. Könnte die Impfung tatsächlich mit der Krebserkrankung zusammenhängen?

Der jetzt vorgestellte Fallbericht handelt von einer 38-jährigen, sportlichen Frau, die Monate nach ihrer zweiten Dosis des mRNA-Covid-19-Impfstoffs Comirnaty® (Pfizer/BioNTech) die Diagnose Blutkrebs erhielt. In ihrem Fachartikel beschreiben die Wissenschaftler den Krankheitsverlauf im Detail. Zusätzlich berichten die Autoren über eine Literaturrecherche zu ähnlichen Fällen (Datenbanken: PubMed, Scopus, Google Scholar; Zeitraum Dezember 2020 bis Oktober 2025). Eingeschlossen wurden unter anderem Fallberichte, Beobachtungsstudien, Meta-Analysen sowie Briefe und Dokumente von Behörden, sofern sie bestätigte Diagnosen und genügend klinische Angaben enthielten. Neue Labor- oder Tierversuche wurden nicht durchgeführt.1

Auf dieser Grundlage diskutieren die Forscher mögliche Erklärungen der Leukämie-Erkrankung der 38-Jährigen aus ihrem Fallbericht. Zugleich betonen sie aber auch klare Grenzen ihrer Arbeit. Ein einzelner Fall kann keinen Beweis liefern, dass eine Impfung die Ursache war. Aber sie kann Argumente liefern, beobachtete mögliche Zusammenhänge weiter zu erforschen.

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Ein Einzelfall – Impfung und Erkrankung der Frau

Betont wird, dass die betroffene Frau keine Vorerkrankungen hatte und sportlich war. Im Juli 2021 erhielt sie ihre zweite Dosis der Covid-Impfung. Am Morgen nach der zweiten Dosis begannen ihre Beschwerden, darunter zunächst Nackensteife, Tinnitus, Übelkeit, diffuse Schmerzen im Körper und Kopfschmerzen. Dies sind allerdings Beschwerden, die nach einer Impfung als Nebenwirkungen auch ohne besorgniserregende andere Ursachen auftreten können. In den folgenden Tagen kamen Schlaflosigkeit, Überempfindlichkeit gegenüber Temperaturveränderungen und Geräuschempfindlichkeit hinzu. Auch in den Wochen danach wurde es nicht besser. Die Frau litt weiter an Schmerzen, Nachtschweiß und Erschöpfung.

Untersuchungen und Krebsdiagnose

Blutuntersuchungen ergaben auffällige Veränderungen, unter anderem eine verringerte Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten) sowie Blutwerte, die auf Entzündungen hindeuteten. Eine Untersuchung im November 2021 zeigte eine starke Aktivität im Knochenmark. Eine Knochenmarkprobe am 1. Dezember 2021 brachte schließlich die Diagnose: eine B-lymphoblastische Leukämie bzw. ein lymphoblastisches Lymphom – eine aggressive Form von Blutkrebs nach WHO-Klassifikation.

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Warum sehen die Autoren einen möglichen Zusammenhang zwischen Covid-Impfung und der Leukämie-Erkrankung?

Der enge zeitliche Ablauf

Die ersten massiven Beschwerden begannen am Morgen nach der zweiten Impfdosis. In den Wochen danach verschlechterten sich die Blutwerte zunehmend. Monate später erfolgte die Leukämie-Diagnose. Für die Autoren ist dieser zeitliche Zusammenhang ein zentrales Argument dafür, den Fall näher zu betrachten.

Veränderungen im Blut kurz nach der Impfung

Nach der Impfung traten deutliche Verschiebungen bestimmter Blutzellen auf – unter anderem eine anhaltende Verminderung neutrophiler Granulozyten (wichtige Abwehrzellen) und eine Zunahme von Lymphozyten. Letzteres kann harmlose Ursachen haben wie eine Erkältung oder Grippe. Das Immunsystem reagiert dann einfach stärker. Auch bei chronischen Entzündungen kann der Wert steigen. In selteneren Fällen – wie im Fall der 38-Jährigen – kann eine starke oder anhaltende Erhöhung auf eine Erkrankung des blutbildenden Systems hinweisen, etwa bestimmte Leukämie- oder Lymphomformen. Zusätzlich stieg die Blutsenkung stark an, ein Hinweis auf Entzündungsprozesse im Körper. Die Autoren sehen hierin eine mögliche starke Immunaktivierung.

Theoretische biologische Mechanismen aus der Literatur

Im Diskussionsteil verweisen sie auf veröffentlichte Arbeiten, in denen mögliche Effekte von mRNA-Impfstoffen auf das Immunsystem beschrieben werden – etwa Veränderungen bestimmter Immunzellen oder regulatorischer Mechanismen. Diese Mechanismen sind jedoch Hypothesen oder stammen aus Laborstudien und belegen keinen direkten Auslöser im konkreten Fall.

Weitere veröffentlichte Einzelfälle

Die Autoren listen weitere publizierte Fallberichte auf, in denen Blut- oder Lymphkrebserkrankungen zeitlich nach einer Covid-Impfung diagnostiziert wurden. Auch das ist kein Beweis – aber aus Sicht der Autoren ein Hinweis, dass solche Konstellationen dokumentiert werden sollten.

Nicht bewiesen, dass Covid-Impfung Leukämie verursacht hat

Der entscheidende Punkt: Ein Einzelfall beweist keine Ursache. Akute lymphoblastische Leukämie kann auch ohne erkennbaren Auslöser auftreten. Die Autoren erwähnen zudem, dass es bei der Patientin im Fallbericht bereits im April 2021 – also vor der zweiten Impfung – eine milde Leukopenie gab (zu wenige weiße Blutkörperchen). Ob das harmlos war oder bereits ein früher Hinweis auf eine sich entwickelnde Leukämie, lässt sich anhand der Daten nicht sicher entscheiden.

Auch die Literaturübersicht mit weiteren Fällen ist kein Risikonachweis: Fallberichte zeigen, dass etwas beobachtet wurde, nicht wie oft es passiert oder ob es mehr ist als statistisch zu erwarten. Die Autoren betonen selbst eine „Literaturlücke“. Es fehlen große Studien, die Krebsraten systematisch nach Impfstatus vergleichen.

Die Wissenschaftler zeigen einen zeitlichen Zusammenhang zwischen Leukämie-Erkrankung und Covid-Impfung anhand einzelner Fälle und diskutieren mögliche biologische Erklärungen. Sie kommen eindeutig nicht zu dem Schluss, dass die Impfung die Leukämie verursacht hat. Das können sie auch gar nicht, da ein Fallbericht keine Ursache-Wirkung-Beziehung beweisen kann. Er dokumentiert lediglich eine Beobachtung. Aber: Er wirft Fragen für weitere Forschung auf. Unter anderem wäre interessant, die hier beschriebenen zeitlichen Zusammenhänge und Beobachtungen in den Kontext mit Studien zu stellen, die Covid-Impfungen eher eine mögliche vor Krebs schützende Wirkung zuschreiben – genauer vor Lungenkrebs oder Hautkrebs.2

Quellen

  1. Gentilini, P., Lindsay, J.C., Konishi, N. et al. (2026). Exploring the potential link between mRNA COVID-19 vaccinations and cancer: A case report with a review of haematopoietic malignancies with insights into pathogenic mechanisms. Oncotarget. ↩︎
  2. Iwasaki, A., Bhattacharjee, B., Lu, P. et al. (2025). Immunological and Antigenic Signatures Associated with Chronic Illnesses after COVID-19 Vaccination. BMJ Yale. ↩︎

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