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Laut Studie

Braunes Fett überrascht Forscher mit möglichen Gesundheitsvorteilen

fettzellen
3D Rendered Illustration, visualisation of fat cells clogging together in the human body Foto: Getty Images/Westend61
Isa Kabakci
Redakteur

16. Oktober 2026, 18:34 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Nicht jedes Körperfett dient als Energiespeicher. Während weißes Fett überschüssige Energie speichert, verbrennt braunes Fett Energie, um Wärme zu erzeugen. Welche Rolle dieses besondere Fettgewebe für die Gesundheit spielt, haben Forscher nun in einer großen Studie untersucht. Dabei betrachteten sie nicht nur Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, sondern auch zahlreiche weitere Krankheitsbilder.

Braunes Fett könnte vor zahlreichen Krankheiten schützen

Menschen mit nachweisbarem braunem Fett leiden seltener an zahlreichen Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang bei Typ-2-Diabetes: Von den Patienten mit braunem Fett hatten 2,1 Prozent die Erkrankung, bei den Patienten ohne nachweisbares braunes Fett waren es 5,1 Prozent.

Insgesamt fanden die Forscher bei 92 Diagnosegruppen einen Zusammenhang mit einer geringeren Krankheitshäufigkeit. Dazu gehörten neben Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen auch einige psychische Erkrankungen.

So wurde die Studie durchgeführt

Forscher der Rockefeller University, des Memorial Sloan Kettering Cancer Center und weiterer US-amerikanischer Forschungseinrichtungen wollten herausfinden, ob es Verbindungen zu anderen Erkrankungen gibt und welche Rolle die Aktivität des Fettgewebes dabei spielt.1

Dazu werteten sie medizinische Daten von mehr als 101.000 erwachsenen Patienten eines US-amerikanischen Krebszentrums aus. Bei rund 8900 Personen wurde braunes Fett nachgewiesen. Um verlässliche Ergebnisse zu erhalten, verglichen die Forscher diese Personen mit einer Kontrollgruppe und berücksichtigten Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index (BMI) und Außentemperatur.

Mithilfe künstlicher Intelligenz untersuchten die Wissenschaftler außerdem, wie aktiv das braune Fett an verschiedenen Körperstellen war. Ergänzend führten sie Versuche an Fettzellen und Mäusen durch, um herauszufinden, ob bestimmte Medikamente die Aktivität des Gewebes beeinflussen können.

Auch die Aktivität des Fettgewebes spielt eine Rolle

Bei der genaueren Untersuchung zeigte sich, dass die Aktivität des braunen Fetts eine wichtige Rolle spielen könnte. Je aktiver das Gewebe war, desto seltener waren unter anderem Herzinsuffizienz, bestimmte Herzrhythmusstörungen und Typ-2-Diabetes dokumentiert. Besonders auffällig war dabei das braune Fett in der Achselregion. Seine Aktivität war stärker als die anderer untersuchter Fettdepots mit günstigen Gesundheitsmerkmalen verbunden.

Auch bei verschiedenen Blutwerten zeigten sich Unterschiede. Patienten mit braunem Fett hatten im Durchschnitt niedrigere Blutzuckerwerte, weniger Triglyceride – eine bestimmte Form von Blutfetten – und geringere Entzündungswerte. Zudem waren ihre Werte des „guten“ HDL-Cholesterins höher. Zwar lagen Gesamt- und LDL-Cholesterin ebenfalls höher, das besonders schädliche Rest-Cholesterin (Remnant Cholesterol) im Blut war jedoch niedriger. Untersuchungen des Herzens mittels Echokardiografie (Ultraschall) ergaben ebenfalls einige günstigere Merkmale bei der Herzwandstruktur. Allerdings fanden die Forscher bei diesen Patienten auch niedrigere Werte bei bestimmten Messungen der Knochendichte an der Lendenwirbelsäule.

Psychische Erkrankungen und Medikamenteneinflüsse

Weitere Zusammenhänge entdeckten die Wissenschaftler bei psychischen Erkrankungen. So waren Angststörungen, depressive Episoden und Schlafstörungen bei Patienten mit braunem Fett seltener dokumentiert. Interessanterweise zeigten Medikamentenanalysen, dass gängige Antidepressiva (SSRI) mit einer geringeren Menge an braunem Fett einhergingen. Welche genauen molekularen Mechanismen dahinterstecken, ist bislang unklar.

Darüber hinaus identifizierten die Forscher einen möglichen Ansatz, um braunes Fett gezielt zu aktivieren. Patienten, die den Blutdrucksenker Losartan einnahmen, hatten häufiger nachweisbares braunes Fett. In anschließenden Versuchen an Fettzellen und Mäusen zeigte sich, dass der Wirkstoff Prozesse anregen kann, die für die Wärmeproduktion verantwortlich sind, und den Energieverbrauch steigert.

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Stärken und Schwächen der Studie

Eine Stärke der Studie ist die große Datenbasis. Zudem berücksichtigten die Forscher zahlreiche mögliche Einflussfaktoren und überprüften die Wirkung von Losartan zusätzlich in Zell- und Tierversuchen.

Die wichtigste Einschränkung ist, dass die Forscher bereits vorhandene Patientendaten auswerteten. Die Ergebnisse zeigen daher Zusammenhänge, können aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Da alle Patienten aus einem Krebszentrum stammten, ist außerdem unklar, inwieweit sich die Erkenntnisse auf die Allgemeinbevölkerung übertragen lassen.

Auch die Messung des braunen Fetts hat Grenzen: Die verwendete Methode erfasst den Zuckerstoffwechsel des Gewebes, nicht aber direkt dessen Wärmeproduktion. Zudem könnte die Menge an braunem Fett unterschätzt worden sein, da die Patienten vor der Untersuchung keiner gezielten Kältereizung ausgesetzt wurden.

Die Ergebnisse der Tierversuche sind ebenfalls nur eingeschränkt übertragbar, da ausschließlich männliche Mäuse untersucht wurden und die eingesetzte Losartan-Dosis vergleichsweise hoch war.

Auch interessant: Super für den Stoffwechsel – wie lassen sich braune Fettzellen aktivieren?

Was frühere Forschungen zeigen

Die Ergebnisse knüpfen an eine Untersuchung derselben Forschergruppe aus dem Jahr 2021 an. Damals hatten die Wissenschaftler PET-CT-Aufnahmen von mehr als 52.000 Krebspatienten ausgewertet. Auch hier hatten Menschen mit nachweisbarem braunem Fett seltener Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder koronare Herzkrankheit. Bemerkenswert: Der Zusammenhang zeigte sich auch bei Menschen mit starkem Übergewicht.2

Ob sich braunes Fett gezielt anregen lässt, haben niederländische Forscher untersucht. Acht Menschen mit Typ-2-Diabetes verbrachten zehn Tage lang mehrere Stunden täglich bei 14 bis 15 Grad.3 Danach reagierte ihr Körper um rund 43 Prozent besser auf Insulin. Überraschend war allerdings, dass dieser Effekt vor allem auf die Muskulatur zurückging – das braune Fett nahm nur wenig mehr Zucker auf. Die Studie war zudem sehr klein und hatte keine Kontrollgruppe.

Quellen

  1. Gómez-Banoy, N., Barrero, J.A., Pinheiro de Carvalho, L.R. et al. (2026). Artificial intelligence-enabled clinical phenotyping of human brown fat. Nature. ↩︎
  2. Becher, T., Palanisamy, S., Kramer, D.J. et al. (2021). Brown adipose tissue is associated with cardiometabolic health. Nature medicine. ↩︎
  3. Hanssen, M. J., Hoeks, J., et al. (2015). Short-term cold acclimation improves insulin sensitivity in patients with type 2 diabetes mellitus. Nature medicine. ↩︎

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