24. März 2026, 18:03 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl – anfangs ähneln die Symptome einer Bornavirus-Infektion denen einer normalen Erkältung. Doch der Schein trügt. Innerhalb weniger Tage können die Betroffenen eine schwere Gehirnentzündung entwickeln – die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Welche Symptome es gibt und worauf man achten muss, lesen Sie hier.
Ein rätselhafter Erreger, kaum bekannte Übertragungswege und eine hohe Sterblichkeitsrate: Das Bornavirus wirft trotz wissenschaftlicher Fortschritte viele Fragen auf. Zwar kommen Infektionen beim Menschen selten vor, doch ein aktueller Fall aus Bayern im Landkreis Erdingen zeigt, wie ernst die Gefahr ist – besonders in bestimmten Risikogebieten.1
Jetzt dem FITBOOK-Kanal bei Whatsapp folgen!
Was ist das Bornavirus?
Das Borna Disease Virus 1 (BoDV-1), auch als „klassisches Bornavirus“ bekannt, ist ein Erreger, das ursprünglich nur bei Tieren bekannt war – vor allem bei Pferden und Schafen, die daran schwer erkrankten. Die Krankheit wurde bereits im 19. Jahrhundert erstmals beschrieben, ihren Namen erhielt sie nach der Stadt Borna in Sachsen, wo 1885 ein Massensterben unter Pferden auftrat.
Lange Zeit galt BoDV-1 ausschließlich als Tierseuche. Erst im Jahr 2018 entdeckten Forscher, dass das Virus auch beim Menschen eine schwere Entzündung des Gehirns – eine sogenannte Enzephalitis – verursachen kann. Seitdem zählt es zu den sogenannten Zoonosen: Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergehen können.
Besonders heimtückisch: Für die Infektion gibt es bis heute keine gezielte Behandlung und auch keinen Impfstoff. Die Krankheit verläuft in den meisten Fällen tödlich. Nur wenige Betroffene überlebten bislang – teilweise mit schweren bleibenden Schäden.2
Abgrenzung zum Bunthörnchen-Bornavirus
Neben dem klassischen Bornavirus (BoDV-1) gibt es noch eine zweite Variante, die ebenfalls gefährlich für den Menschen sein kann: das sogenannte Bunthörnchen-Bornavirus (VSBV-1). Dieses Virus wurde bei exotischen Hörnchenarten gefunden – meist bei Tieren, die in Europa als Haustiere gehalten wurden. Auch VSBV-1 kann beim Menschen eine tödliche Gehirnentzündung auslösen, hat aber einen anderen Ursprung und kommt nur sehr selten vor. Im Gegensatz dazu ist BoDV-1 in der heimischen Natur verbreitet, vor allem in Süd- und Ostdeutschland.3
Feldspitzmaus als Überträger
Die Feldspitzmaus ist das einzige bekannte Tier, das das Bornavirus dauerhaft in sich trägt, ohne selbst krank zu werden. Sie kann das Virus über Speichel, Kot, Urin und sogar über ihre Haut weitergeben – und so unbemerkt ihre Umgebung infizieren.
Die Tiere leben meist im ländlichen Raum, verlassen ihr Revier kaum und kommen besonders häufig in bestimmten Regionen Deutschlands vor – vor allem in Bayern, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. Auch in Nachbarländern wie Österreich oder der Schweiz wurde das Virus schon entdeckt. In anderen Teilen Europas wurde es beim Menschen bisher noch nicht gefunden.
Wie man sich mit dem Erreger anstecken kann
Trotz intensiver Forschung ist nicht genau geklärt, wie das Virus von der Spitzmaus auf den Menschen übergeht. Möglich ist eine Infektion durch:
- das Einatmen von kontaminiertem Staub (z. B. bei Gartenarbeit oder im Schuppen),
- den Kontakt mit verseuchtem Boden, Wasser oder Lebensmitteln,
- oder durch den direkten Biss einer Spitzmaus.
Auch wenn Haustiere wie Katzen Spitzmäuse jagen, könnte dies ein indirekter Übertragungsweg sein. Bewiesen ist das bisher aber nicht. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist bislang nicht bekannt, mit Ausnahme einzelner Fälle im Zusammenhang mit Organtransplantationen.4
Symptome anfangs grippeähnlich
Die Infektion beginnt oft harmlos: Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Doch schon wenige Tage später verschlechtert sich der Zustand rapide. Typische Folgeerscheinungen sind:
- Sprachstörungen
- Gangunsicherheit
- auffällige Wesensveränderungen
- Krampfanfälle
Im weiteren Verlauf kommt es zu einer schweren Gehirnentzündung. Innerhalb weniger Tage bis Wochen können die Betroffenen ins Koma fallen. Unbehandelt verläuft die Infektion tödlich.
Wie häufig ist eine Bornavirus-Infektion?
Laut Robert Koch-Institut (RKI) zählt die BoDV-1-Infektion zu den seltensten Erkrankungen in Deutschland. Pro Jahr werden etwa fünf bis zehn akute Fälle gemeldet. Zum Vergleich: Rund 200 Menschen werden jährlich vom Blitz getroffen – eine BoDV-1-Erkrankung ist also extrem selten. Eine hohe Dunkelziffer wird vom RKI nicht vermutet.5
Die meisten bekannten Fälle traten bislang in ländlichen Regionen Bayerns auf. Auch wenn in anderen Ländern Europas bislang keine Infektionen beim Menschen nachgewiesen wurden, gehen Fachleute davon aus, dass das Virus theoretisch überall dort gefährlich werden kann, wo es in Feldspitzmauspopulationen vorkommt.
Neuer Borna-Virus-Fall im Landkreis Erding
Im Landkreis Erding ist im März 2026 ein neuer Fall einer Infektion mit dem seltenen Bornavirus bestätigt worden. Wie das Landratsamt mitteilte, wurde die Erkrankung dort nachgewiesen. Das Gesundheitsamt Erding steht bei der Untersuchung zur Ursache der Infektion in engem Austausch mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).
Infektionen mit dem Bornavirus gelten als selten, können jedoch lebensbedrohlich verlaufen. Bereits im Juni 2025 waren zwei Fälle im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm bekannt geworden.6
Auch interessant: Die häufigsten anhaltenden Symptome nach Covid-Impfungen
Wie lässt sich das Virus nachweisen?
Eine Infektion mit dem Bornavirus ist schwer zu erkennen, weil die ersten Beschwerden wie Fieber und Kopfschmerzen sehr allgemein sind. Erst wenn zusätzlich auffällige Symptome wie Sprachprobleme, unsicheres Gehen oder ungewöhnliches Verhalten auftreten, denken Ärzte an seltenere Ursachen wie BoDV-1.
Ein Verdachtsfall – etwa eine ungeklärte Gehirnentzündung bei einem Menschen aus einem bekannten Risikogebiet – wird durch spezielle Labortests untersucht. Dabei kommen im Wesentlichen zwei Methoden zum Einsatz:
- Antikörpernachweis: Wenn sich das Immunsystem bereits mit dem Virus auseinandergesetzt hat, lassen sich spezifische Antikörper im Blut oder im Liquor nachweisen. Diese Untersuchung ist bei lebenden Patienten der wichtigste Baustein zur Diagnosesicherung.
- PCR-Test: Dabei wird das Erbgut des Virus nachgewiesen – entweder im Nervenwasser (Liquor), das durch eine Lumbalpunktion entnommen wird, oder im Gehirngewebe. Letzteres ist allerdings nur nach dem Tod möglich. Diese Methode ist besonders zuverlässig, aber technisch aufwendig.
Seit dem 1. März 2020 müssen Bornavirus-Infektionen beim Menschen in Deutschland offiziell gemeldet werden. Wird das Virus im Labor nachgewiesen, ist das Gesundheitsamt sofort zu informieren – damit die Fälle bundesweit erfasst und besser überwacht werden können.7
Erste Symptome einer Infektion mit dem Mpox-Virus
Immer mehr West-Nil-Virus-Fälle in Deutschland
Schutzmaßnahmen: So kann man sich vor dem Bornavirus schützen
Auch wenn die Gefahr einer Ansteckung mit dem Bornavirus sehr gering ist, lohnt sich in betroffenen Regionen ein bewusster und vorsichtiger Umgang mit potenziellen Übertragungsquellen – insbesondere bei Arbeiten im Freien oder im ländlichen Umfeld.
Um das Risiko so gering wie möglich zu halten, sollten folgende Verhaltensregeln beachtet werden:
- Spitzmäusen und deren Hinterlassenschaften aus dem Weg gehen, besonders bei Garten- oder Aufräumarbeiten, im Schuppen, auf Dachböden oder in Kompostnähe.
- Verendete Tiere nicht direkt anfassen – der Einsatz von Handschuhen ist Pflicht.
- Bevor tote Spitzmäuse oder deren Ausscheidungen beseitigt werden, diese gründlich mit einem Reinigungsmittel besprühen. So kann verhindert werden, dass möglicherweise belasteter Staub in die Atemluft gelangt.
- Bei der Entsorgung auf geeigneten Schutz achten: Handschuhe, eine eng anliegende Maske (z. B. FFP2 oder FFP3) und bei Bedarf auch eine Schutzbrille können zusätzlichen Schutz bieten.
- Den Tierkörper mit einer Plastiktüte aufnehmen, diese gut verschließen und über den Hausmüll entsorgen.
- Wer staubigen Arbeiten ausgesetzt war, sollte anschließend gründlich duschen, Haare waschen und die Kleidung direkt in die Wäsche geben.
Diese einfachen Maßnahmen helfen dabei, eine mögliche Virusübertragung auf den Menschen effektiv zu verhindern – auch wenn das Risiko insgesamt sehr gering ist.
Forschung und Aufklärung: Noch viele offene Fragen
Trotz vieler Erkenntnisse gibt es beim Bornavirus noch offene Fragen – etwa, wie genau sich Menschen infizieren und warum nur so wenige Fälle auftreten. Forschende in Deutschland untersuchen weiterhin mögliche Übertragungswege und Risikofaktoren. Auch Tierärzte sind wichtig: Auffällige Krankheitsverläufe bei Tieren sollen gemeldet werden, um weitere Hinweise zu bekommen. In betroffenen Regionen informieren Gesundheitsämter online über Schutzmaßnahmen und bieten teilweise Sprechstunden an, in denen Fragen direkt beantwortet werden.