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Post-Vac-Studie zeigt

Die häufigsten anhaltenden Symptome nach Covid-Impfungen

Eine neue Studie kann ihnen helfen, die Post-Vac-Symptome besser einzuordnen.
Post-Vac-Betroffene leiden unter Symptomen, die nach einer Covid-19-Impfung auftreten. Eine neue Studie kann ihnen helfen, die Symptome besser einzuordnen. Foto: Erik Tham
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

24. März 2026, 13:14 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Das Post-Vac-Syndrom ist eine sehr seltene Folge nach Covid-19-Impfungen. Betroffene leiden oft unter Beschwerden, die mehrere Körpersysteme gleichzeitig betreffen. Forscher aus Japan haben 179 als definitiv eingestufte Fälle untersucht und festgestellt, dass sich ein großer Teil der Beschwerden auf drei Hauptbereiche konzentriert. Post-Vac-Betroffenen kann das helfen, ihre Symptome besser einzuordnen.

Fatigue, „Brain Fog“ und Schmerzen in Muskeln und Gliedmaßen

Die Studie wurde von Akinori Fujisawa und Kollegen im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlicht.1 Grundlage der Analyse war ein Register mit insgesamt 279 Fällen aus 14 medizinischen Einrichtungen in Japan. Für die zentralen Auswertungen konzentrierten sich die Forscher auf 179 Fälle, die als „klinisch definitiv“ im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung eingestuft wurden. Als häufigste Symptomgruppen stellten sich Erschöpfung (Fatigue), Erkrankungen des Nervensystems (etwa „Brain Fog“) sowie Schmerzen in Muskeln und Gliedmaßen heraus.

„Klinisch definitive“ Post-Vac-Fälle:
Das Post-Vac-Syndrom ist bislang nicht klar definiert. Mutmaßlich Impfgeschädigte verstehen darunter mutmaßliche Gesundheitsbeschwerden mehrere Wochen nach der Impfung. Die Symptome können denen von Long Covid ähneln. Die Forscher legten für die Auswahl ihrer Fälle drei Kriterien fest, die alle erfüllt werden mussten:

1. Vor der Impfung war die Person entweder völlig symptomfrei oder gesundheitlich stabil.
2. Nach der Impfung verschlechterte sich der Gesundheitszustand so stark, dass medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden musste.
3. Andere mögliche Ursachen für die Beschwerden wurden ausgeschlossen und die Symptome blieben über einen längeren Zeitraum bestehen

Auch interessant: 8 verschiedene Wege, die eine Long-Covid-Erkrankung einschlagen kann

So gingen die Forscher vor

Bei 179 eindeutigen PCVS-Fällen (66,5 Prozent waren Frauen) stellten die Forscher insgesamt 493 gesundheitliche Probleme oder Nebenwirkungen fest, die nach der Impfung aufgetreten sind. Die Bandbreite war groß: Während manche Teilnehmer nur ein Problem meldeten, gab es Patienten, bei denen sehr viel mehr verschiedene Beschwerdebilder festgestellt wurden.

Um die vielen verschiedenen Post-Vac-Beschwerden zu vergleichen (z. B. wenn eine Person eine Beschwerde als „Kopfschmerz“, eine andere als „Schädelbrummen“ beschrieb), nutzten die Forscher ein Sortiersystem und sortierten die Symptome in drei große Kategorien ein. Die Forscher stellten fest, dass sich die meisten Beschwerden (über 60 Prozent) auf drei Themen konzentrierten:

3 Symptomgruppen dominieren Beschwerden der Post-Vac-Patienten

  • Dinge wie extreme Erschöpfung (Fatigue) oder Fieber wurden Allgemeinerkrankungen zugeordnet.
  • Symptome wie „Brain Fog“ (Gehirnnebel), Schwindel oder Kopfschmerzen wurden in Erkrankungen des Nervensystems eingeordnet
  • Gliederschmerzen oder Gelenkprobleme kamen in die Kategorie Skelettmuskulatur- und Bindegewebserkrankungen

Post-Vac-Beschwerden: Ranking der häufigsten betroffenen Bereiche

  • 29,2 Prozent aller gemeldeten gesundheitlichen Probleme der Patienten aus der Studie fielen auf sehr starke Erschöpfung (Fatigue), Fieber oder Probleme beim Gehen.
  • 22,3 Prozent entfielen auf „Brain Fog“ (ein Gefühl von geistiger Vernebelung), Schwindel und Kopfschmerzen – also Probleme des Nervensystems.
  • 10,1 Prozent entfielen auf Schmerzen in den Armen und Beinen, Rückenschmerzen oder Gelenkprobleme.

Kernergebnisse: Hohe Rate an Langzeitfolgen und schwere Beeinträchtigungen

Das wichtigste Ergebnis der Studie ist, dass das Post-Vac-Syndrom (auch Post-Covid-Impfsyndrom oder PACVS) sehr hartnäckig sein kann. Zwar verbesserten sich etwa 65 Prozent der knapp 500 Beschwerden (zumindest teilweise), aber bei fast 30 Prozent änderte sich gar nichts. In bestimmten Risikogruppen innerhalb der untersuchten Patientengruppe lag die Rate derer, die nicht gesund wurden, sogar bei über 60 Prozent.

Etwa 15 Prozent der Patienten hatten schwere unerwünschte Symptome. Bei 179 Patienten entspricht das etwa 27 Personen. Sie waren so krank, dass sie zum Beispiel für längere Zeit nicht arbeiten konnten oder sogar in der Klinik behandelt werden mussten.

Späte Probleme, Frauen häufiger betroffen

Die meisten Probleme traten innerhalb der ersten drei Monate nach der Impfung auf. Überraschend war jedoch, dass bei etwa 12 Prozent der Betroffenen die Symptome erst nach einem Jahr oder noch später begannen. Frauen waren insgesamt häufiger vom Post-Vac-Syndrom betroffen (rund 67 Prozent): Das Durchschnittsalter lag bei 59 Jahren. Im Untersuchungszeitraum wurden zudem sechs Todesfälle verzeichnet.

Kein Beweis, dass Impfung alleinige Ursache für alle Beschwerden war

Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie an einer kleinen Gruppe. Die Forscher weisen deshalb darauf hin, dass ihre Studie nicht sicher beweisen kann, dass die Impfung die alleinige Ursache für alle Beschwerden war. Besonders bei Symptomen, die erst sehr spät (nach über einem Jahr) auftraten, betonen die Autoren, dass eine eindeutige Zuordnung zur Impfung schwierig bleibt.

Laut dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurden seit dem Beginn der Schutzimpfungen gegen das Coronavirus bis zum 19. Mai 2023 weltweit 2.817 Verdachtsfälle auf ein „Post-Vac-Syn­dro­m“ registriert. Etwa die Hälfte dieser Fälle wurde demnach aus Deutschland berichtet. Dabei sei zu beachten, dass in Deutschland keineswegs 50 Prozent aller Impfdosen weltweit verabreicht wurden.2

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Forscher: Betroffene benötigen mehr Unterstützung

Was die Studie aber sehr wohl verdeutlicht: Es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die komplexe, lang anhaltende Symptome entwickelt. Dies unterstreicht laut der Studie die weltweite Notwendigkeit, bessere Überwachungssysteme und spezialisierte Versorgungsangebote für PCVS-Patienten zu schaffen.

Deshalb sprechen sich die Forscher sehr deutlich dafür aus, dass die Betroffenen mehr Unterstützung benötigen. Viele Patienten würden unter erheblichen beruflichen Einschränkungen leiden und eine hohe Rate der Betroffenen würde nicht genesen. Daher sei eine gezielte Unterstützung der Betroffenen notwendig. Die Forscher betonen, dass PCVS bisher medizinisch unzureichend definiert sei und Betroffene oft nur eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung hätten.

Diese Maßnahmen fordern die Wissenschaftler konkret

Konkret fordern die Wissenschaftler spezielle Behandlungsnetzwerke und Rahmenbedingungen, die auf die vielfältigen und lang anhaltenden Beschwerden der Patienten zugeschnitten sind. Weiterhin fordern sie klare medizinische Leitlinien für Diagnose und Behandlung sowie die Schaffung von Entschädigungssystemen für Betroffene. Laut den Forschern sollen die Ergebnisse als wichtige Datengrundlage für die künftige Impfpolitik dienen.

Fazit: Lässt sich das Ergebnis auf Deutschland übertragen?

Für Deutschland fehlen vergleichbare große Registerdaten. Die Ergebnisse der Studie lassen sich nicht eins zu eins statistisch auf Deutschland übertragen, liefern aber wichtige medizinische Hinweise. Die Studie untersuchte nur 179 Fälle aus einigen japanischen Ambulanzen. Das heißt, es ergibt sich daraus keine Aussage darüber, wie häufig diese Beschwerden insgesamt sind – weder in Japan noch in Deutschland. Auch Gesundheitssystem, Meldewege und Diagnosestandards unterscheiden sich.

Hier wie dort können die Studienergebnisse Menschen, die unter dem Post-Vac-Syndrom leiden, jedoch helfen, ihre Symptome besser einzuordnen. Dies ersetzt selbstverständlich keine Diagnose.

Quellen

  1. Fujisawa A., Kodama S., Konishi N. et al. (2026): Characterizing persistent Post-COVID-19 vaccination symptoms using MedDRA system organ class and preferred term classifications. Scientific Reports. ↩︎
  2. Paul-Ehrlich-Institut: Stellungnahme des Paul-Ehrlich-Instituts zum Thema
    „Post-Vac-Syndrom“ nach COVID-19-Impfung
    (2023, aufgerufen am 25.03.2026)
    ↩︎

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