24. Juli 2026, 18:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer sich regelmäßig bewegt, tut seinem Gehirn etwas Gutes. Doch möglicherweise kommt es nicht nur darauf an, wie viel man sich bewegt, sondern auch darauf, wie die Bewegung über den Tag verteilt ist. Eine große Studie mit mehr als 66.000 Erwachsenen legt nahe, dass längere zusammenhängende Bewegung und weniger häufige Unterbrechungen mit einem geringeren Risiko für Demenz, Depressionen und Angststörungen verbunden sein könnten.
Nicht nur die Menge der Bewegung zählt
Menschen, die ihre körperliche Aktivität in längeren, zusammenhängenden Einheiten absolvierten und insgesamt ein weniger unterbrochenes Bewegungsmuster hatten, entwickelten im Verlauf der Nachbeobachtung seltener Demenz, Depressionen oder Angststörungen. Dieser Zusammenhang zeigte sich unabhängig davon, wie viel Bewegung die Teilnehmer insgesamt pro Tag erreichten.
Besonders deutlich fielen die Ergebnisse für längere Phasen moderater bis intensiver körperlicher Aktivität (MVPA) aus. Im Vergleich zu Personen ohne solche Aktivitätsphasen war das niedrigste beobachtete Demenzrisiko bei etwa 13 Minuten zusammenhängender MVPA zu sehen. Für Depressionen und Angststörungen lagen die günstigsten Werte bei rund 36 Minuten.
So wurde die Studie durchgeführt
Forscher der City University of Hong Kong untersuchten, ob neben der gesamten Bewegungsmenge auch die Struktur der körperlichen Aktivität für die Gehirn- und psychische Gesundheit bedeutsam ist. Dafür werteten sie Daten von 66.483 Teilnehmern der UK Biobank aus. Die Teilnehmer trugen zwischen 2013 und 2015 eine Woche lang einen Aktivitätssensor am Handgelenk, der ihre Bewegungen objektiv erfasste. Anschließend wurden sie im Durchschnitt rund 7,5 Jahre nachbeobachtet.1
Im Mittelpunkt standen zwei Merkmale: die Dauer zusammenhängender Bewegungsphasen und die sogenannte Aktivitätsfragmentierung. Letztere beschreibt, wie häufig jemand zwischen Bewegung und Inaktivität wechselt. Viele kurze Aktivitätseinheiten mit häufigen Unterbrechungen gelten als stark fragmentiert, längere Bewegungsphasen als wenig fragmentiert.
Zusätzlich analysierten die Wissenschaftler bei mehr als 13.000 Teilnehmern MRT-Aufnahmen des Gehirns, um mögliche Zusammenhänge zwischen Bewegungsmustern und Hirnstrukturen zu untersuchen.
Zusammenhänge zwischen Bewegung und Hirnstruktur
Während der Nachbeobachtungszeit erhielten 425 Teilnehmer eine Demenzdiagnose, 1101 eine Depressionsdiagnose und 1290 Personen eine Angstdiagnose. Längere Phasen körperlicher Aktivität niedriger Intensität waren dabei statistisch nicht eindeutig mit einem geringeren Depressionsrisiko verbunden.
Darüber hinaus fanden die Forscher Hinweise auf Zusammenhänge mit der Hirnstruktur. Längere Phasen moderater bis intensiver körperlicher Aktivität (MVPA) waren mit einem größeren Hippocampusvolumen verknüpft, einer Hirnregion, die für Gedächtnis und Lernen wichtig ist. Weniger fragmentierte Bewegungsmuster gingen zudem mit geringeren Veränderungen der weißen Hirnsubstanz einher, was als Hinweis auf eine bessere Gehirngesundheit gilt.
Mehr Licht, geringeres Demenzrisiko? Studie liefert Hinweise
In welcher Lebensphase Bewegung das Risiko für Demenz deutlich senkt
Was das konkret bedeutet
Die Ergebnisse sprechen dafür, dass nicht nur die gesamte Bewegungsmenge, sondern auch ihre Verteilung über den Tag mit dem Risiko für Demenz, Depressionen und Angststörungen zusammenhängt. Besonders ausgeprägt waren die Verhältnisse für längere, zusammenhängende Phasen moderater bis intensiver körperlicher Aktivität sowie für wenig fragmentierte Bewegungsmuster. Bei Demenz fielen diese Zusammenhänge bei Trägern des genetischen Risikofaktors APOE4 noch stärker aus.
Die Zahlen hinter diesen Befunden sind interessant: Im Vergleich zu Menschen mit sehr zerstückelten Bewegungsmustern hatten diejenigen mit der höchsten Kontinuität ein um 82 Prozent geringeres Risiko für Demenz sowie ein um etwa 50 bis 57 Prozent geringeres Risiko für Depressionen und Angststörungen.
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Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen
Zu den Stärken der Studie zählen die große Teilnehmerzahl, die objektive Erfassung der körperlichen Aktivität per Sensor, die lange Nachbeobachtungszeit von durchschnittlich 7,5 Jahren sowie die Berücksichtigung zahlreicher möglicher Einflussfaktoren.
Einschränkend weisen die Autoren darauf hin, dass bestimmte Bewegungsformen wie Krafttraining möglicherweise nicht vollständig erfasst wurden. Auch bereits unerkannte Vorstadien von Demenz, Depressionen oder Angststörungen könnten das Bewegungsverhalten beeinflusst haben.
Zudem erlauben die Hirnanalysen keine Aussagen über Ursache und Wirkung, die Studiengruppe bestand überwiegend aus weißen Teilnehmern aus Großbritannien und die Erfassung einer erhöhten Anfälligkeit für Depressionen und Angststörungen beruhte teilweise auf Selbstauskünften.
Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich insgesamt nur Zusammenhänge, aber keine ursächlichen Schutzeffekte längerer Bewegungsphasen nachweisen.