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Studie liefert Hinweise

Ist es vielleicht gar nicht so gesund, Vitamin D2 zu supplementieren?

Vitamin D richtig ergänzen: D2 vs. D3 im Check
Vitamin D richtig ergänzen: D2 vs. D3 im Check Foto: Getty Images/500px
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24. Oktober 2025, 12:59 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Vitamin D gehört zu den am häufigsten supplementierten Vitaminen – insbesondere in Regionen und während Jahreszeiten mit wenig Sonnenlicht. Es unterstützt zahlreiche Prozesse im Körper, darunter den Knochenstoffwechsel, das Immunsystem und die Zellteilung. Was viele nicht wissen: Es gibt zwei verschiedene Formen, die über Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden können: Vitamin D2 und Vitamin D3. Obwohl beide Varianten seit Langem verwendet werden, ist ihre Wirkung im Körper nicht vollständig gleich. Eine neue Auswertung aktueller Studien liefert nun genauere Erkenntnisse.

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Vitamin-D-Aufnahme

Der menschliche Körper kann Vitamin D selbst herstellen, wenn die Haut der Sonne ausgesetzt ist. Genauer gesagt, wird Vitamin D3 unter dem Einfluss von UVB-Strahlen in der Haut gebildet. Zusätzlich kann Vitamin D über die Ernährung aufgenommen werden – entweder durch natürliche Quellen wie fetten Fisch, Eigelb oder Leber, oder durch angereicherte Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel.

Dabei ist wichtig zu wissen: Es gibt zwei Hauptformen von Vitamin D, die im Körper unterschiedlich verarbeitet werden:

  • Vitamin D2 (Ergocalciferol): Diese Form stammt aus pflanzlichen Quellen, etwa Pilzen, die UV-Licht ausgesetzt waren. Sie wird häufig in veganen Nahrungsergänzungsmitteln verwendet.
  • Vitamin D3 (Cholecalciferol) bildet der Körper selbst, sobald Sonnenlicht auf die Haut trifft. Zusätzlich steckt es in tierischen Lebensmitteln wie Fisch, Eiern oder Leber. Da der Körper diese Form besonders effizient verwertet, gilt Vitamin D3 heute als die wirksamere Variante.

Beide Formen werden im Körper zunächst in eine Speicherform umgewandelt – das sogenannte 25-Hydroxyvitamin D. Diese Zwischenform, vor allem 25(OH)D3, ist die wichtigste Messgröße im Blut, um den Vitamin-D-Status einer Person zu bestimmen.

Auch interessant: Wie man einen Vitamin-D-Mangel erkennt und vorbeugt

Ist Vitamin-D2-Nahrungsergänzung vielleicht gar nicht so gut?

In einigen früheren Studien wurde beobachtet, dass die Einnahme von Vitamin D2 zu einem Rückgang des 25(OH)D3-Spiegels im Blut führen kann.1 Diese Hinweise waren jedoch meist Nebenbefunde in Studien mit anderen Schwerpunkten. Eine gezielte, systematische Untersuchung dieser Wechselwirkung fehlte bislang.

Die jetzt veröffentlichte Meta-Analyse wollte diese Lücke schließen. Sie untersuchte, ob und wie stark Vitamin D2 den Spiegel von Vitamin D3 im Blut beeinflusste – und zwar anhand von Daten aus hochwertigen klinischen Studien.2

20 Vitamin-D-Studien im Fokus

Das Forschungsteam durchsuchte die medizinische Datenbank PubMed gezielt nach Studien aus dem Zeitraum 1975 bis Anfang 2023. Aus über 200 Treffern wählten die Forscher 20 Studien aus, die zentrale Kriterien erfüllten – etwa die Messung des 25(OH)D3-Spiegels vor und nach der Einnahme von Vitamin D2.

Von diesen 20 Studien konnten elf in die eigentliche Meta-Analyse aufgenommen werden. Das bedeutet: Die Ergebnisse dieser Studien wurden statistisch zusammengefasst, um ein möglichst genaues Bild zu erhalten. Die weiteren acht flossen mit in die Übersichtsarbeit ein, wurden aber nicht noch mal neu statistisch analysiert.

Die untersuchten Studien waren sogenannte randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs) – das ist der Goldstandard in der medizinischen Forschung. Insgesamt nahmen über 650 Personen an diesen Studien teil. Die Forschenden verglichen, wie sich der Vitamin-D3-Spiegel bei Menschen entwickelte, die Vitamin D2 einnahmen – im Vergleich zu Personen, die ein Placebo erhielten oder gar keine Supplemente bekamen.

Vitamin D2 senkt nachweislich den Vitamin-D3-Spiegel im Blut

Die wichtigste Erkenntnis: Menschen, die Vitamin D2 einnehmen, haben im Durchschnitt weniger Vitamin D3 im Blut als Personen ohne D2-Supplementierung.

In der Analyse zeigte sich:

  • Am Ende der Studien lag der 25(OH)D3-Spiegel bei den D2-Nutzer im Durchschnitt um 17,99 Nanomol pro Liter (nmol/L) niedriger als in der Kontrollgruppe. (Diese Maßeinheit wird verwendet, um Konzentrationen von Substanzen im Blut anzugeben.)
  • Auch über den Verlauf der Studien hinweg zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Der Vitamin-D3-Spiegel sank bei den D2-Gruppen im Schnitt um 9,25 nmol/L stärker als bei den Vergleichsgruppen.

Beide Unterschiede waren statistisch signifikant, das heißt: Sie sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht zufällig entstanden. In der Forschung wird hierfür der sogenannte P-Wert verwendet – in dieser Analyse lag er unter 0,0001, was als sehr deutlich gilt.

Von den 20 ausgewerteten Studien berichteten 18 über einen Rückgang des D3-Spiegels nach D2-Einnahme. In 16 davon war der Rückgang sogar stärker als in den Kontrollgruppen. Nur zwei Studien zeigten einen leichten Anstieg, doch auch dort blieb der D3-Wert unter dem Niveau der Vergleichsgruppe.

Vitamin D2 senkt im Körper den Vitamin-D3-Spiegel, also die Form von Vitamin D, die der Körper besonders effizient verwertet.

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Was bedeutet das für die Supplementierung?

Viele Menschen nehmen Vitamin D ein, um ihre Gesundheit zu unterstützen – besonders in den Wintermonaten oder wenn ein Mangel festgestellt wurde. Dabei greifen einige bewusst zu Vitamin D2, zum Beispiel aus veganen Gründen, weil D3 meist aus tierischen Quellen stammt.

Die Ergebnisse dieser Analyse zeigen nun, dass Vitamin D2 nicht nur weniger effektiv darin ist, den Vitamin-D-Spiegel zu erhöhen – es könnte sogar den Spiegel von Vitamin D3 absenken. Und das ist relevant, weil gerade dieser Wert (25(OH)D3) entscheidend für viele der positiven Wirkungen im Körper ist.

Woran könnte das liegen?

Forscher vermuten, dass der Körper den Gesamtspiegel an Vitamin D regulieren will. Wenn durch die Einnahme von D2 mehr Vitamin D ins System gelangt, reagiert der Körper möglicherweise mit einem verstärkten Abbau von D3, um das Gleichgewicht zu halten. Es wird auch diskutiert, ob sich D2 und D3 gegenseitig im Stoffwechsel verdrängen.

Ob ein sinkender D3-Spiegel auch negative gesundheitliche Folgen hat, ist noch nicht abschließend geklärt – vor allem dann, wenn der Gesamtspeicherwert an Vitamin D (also 25(OH)D insgesamt) noch im Normalbereich liegt. Trotzdem ist klar: Wer seinen Vitamin-D-Spiegel gezielt verbessern möchte, sollte – wenn möglich – auf Vitamin D3 zurückgreifen, da es vom Körper besser verwertet wird, besonders bei erhöhtem Bedarf.

Gibt es Einschränkungen?

Wie bei jeder wissenschaftlichen Arbeit gibt es auch hier einige Punkte, die man beachten sollte:

  • Die in der Review untersuchten Studien unterschieden sich teils deutlich in Design, Dauer, Dosierung und Messmethoden – das kann die Vergleichbarkeit erschweren.
  • Nicht alle Studien berichteten darüber, wie viele Teilnehmende abgebrochen hatten – das kann die Aussagekraft etwas verringern.
  • Die Forscher verzichteten auf eine systematische Analyse möglicher Publikationsverzerrungen – es standen nicht genug Studien zur Verfügung.

Trotz verschiedener Prüfungen blieben die Ergebnisse stabil: Selbst wenn die Forscher einzelne Studien herausnahmen, zeigte sich weiterhin derselbe Trend: Vitamin D2 senkt den Vitamin-D3-Spiegel.

Die Forscher untersuchten den Effekt fast ausschließlich bei gesunden Erwachsenen. Ob auch ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen ähnlich reagieren, müssen künftige Studien klären.

Quellen

  1. Hammami, M.M., Abuhdeeb, K., Hammami, S. et al. (2019). Vitamin-D2 treatment-associated decrease in 25(OH)D3 level is a reciprocal phenomenon: a randomized controlled trial. BMC Endocr Disord. ↩︎
  2. Emily, I, G, Brown., Andrea, L, Darling., Tracey, M, Robertson. et al. (2025). Effect of Vitamin D2 Supplementation on 25-Hydroxyvitamin D3 Status: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Nutrition Reviews. ↩︎

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