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Laut Studie

Diese Auswirkungen hat es, wenn Ihr Kind schon früh einen Social-Media-Account hat

Neue Langzeitdaten zeigen, welche Auswirkungen ein früher Start in sozialen Medien auf Kinder haben könnte.
Neue Langzeitdaten zeigen, welche Auswirkungen ein früher Start in sozialen Medien auf Kinder haben könnte. Foto: Getty Images
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Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

6. August 2026, 9:47 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Kaum ein Thema wird heutzutage unter Eltern so intensiv diskutiert wie die Frage: Ab wann sollten Kinder einen eigenen Social-Media-Account haben? Ein EU-Land hat bereits Altersbeschränkungen für Social Media beschlossen. Doch wie sinnvoll ist ein späterer Einstieg tatsächlich? Eine neue Langzeitstudie liefert nun Hinweise darauf, welche Folgen ein früher Start für die schulische Entwicklung haben kann.

Je früher der erste Social-Media-Account, desto schlechter die Leistungen

Die aktuelle Auswertung der Universität Mailand-Bicocca und der Universität Brescia zeigte ein klares Bild: Jugendliche, die bereits in der 6. Klasse ihren ersten eigenen Social-Media-Account eröffneten, erzielten später im Durchschnitt schlechtere Leistungen in den Unterrichtsfächern Mathematik und Italienisch (es handelt sich um eine Studie aus Italien) als Jugendliche, die bis mindestens zur 9. Klasse warteten. Die Unterschiede zeigten sich bereits in der 8. Klasse und waren auch in der 10. Klasse noch vorhanden. In Mathematik fielen sie im Verlauf der Zeit sogar noch größer aus.1

Für das Fach Englisch fanden die Wissenschaftler dagegen keinen vergleichbaren Zusammenhang. Als mögliche Erklärung nennen sie, dass viele Kinder und Jugendliche über soziale Medien regelmäßig mit englischsprachigen Inhalten in Kontakt kommen. Ob das tatsächlich der Grund ist, konnte die Studie allerdings nicht belegen.

Was diese Studie auszeichnet

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die eigene Schulzeit: Wer kein Handy hatte, galt oft als uncool. Heute ist der Druck für viele Kinder noch größer. Neben dem Smartphone gehören für viele auch TikTok, Instagram oder Snapchat dazu. Wer keinen eigenen Account hat, fühlt sich schnell ausgeschlossen. Kein Wunder also, dass viele Eltern irgendwann nachgeben. Ob ein früher Einstieg in soziale Medien Folgen für die schulische Entwicklung hat, haben Forscher nun in einer großen Langzeitstudie untersucht.

Anders als viele frühere Untersuchungen ging es den Wissenschaftlern nicht darum, wie lange Kinder täglich Social Media nutzen.2,3 Stattdessen wollten sie herausfinden, ob bereits das Alter beim ersten eigenen Social-Media-Account einen Unterschied macht.

Mehr als 5200 Schüler über Jahre begleitet

Dafür werteten die Forscher Daten von 5227 Schülern aus Norditalien aus. Die Jugendlichen beantworteten zunächst einen ausführlichen Fragebogen. Darin gaben sie unter anderem an, wann sie ihr erstes Smartphone und ihren ersten Social-Media-Account erhalten hatten. Diese Angaben verknüpften die Wissenschaftler mit offiziellen Schulleistungstests, die die Schüler bereits seit der 2. Klasse regelmäßig absolviert hatten. So konnten sie ihre schulische Entwicklung bis zur 10. Klasse verfolgen.

Anschließend verglichen die Forscher Jugendliche, die bereits in der 6., 7. oder 8. Klasse einen eigenen Social-Media-Account eröffneten, mit Gleichaltrigen, die bis mindestens zur 9. Klasse warteten. Damit der Vergleich möglichst fair ausfiel, berücksichtigten sie außerdem frühere Schulleistungen, den Bildungsabschluss der Eltern, die familiäre Situation und weitere Faktoren, die den Lernerfolg beeinflussen können.

Nach Einschätzung der Studienautoren entsprach der Leistungsunterschied bei den Jugendlichen mit dem frühesten Einstieg ungefähr einem halben Schuljahr Lernfortschritt. Außerdem zeigte sich: Je früher der erste eigene Social-Media-Account eröffnet wurde, desto größer fielen die Unterschiede bei den schulischen Leistungen aus.

Die Forscher betrachteten nicht nur die Ergebnisse der Schulleistungstests. Jugendliche mit einem frühen Social-Media-Start erreichten seltener sehr gute Abschlussnoten am Ende der Mittelstufe, schätzten ihre eigenen schulischen Fähigkeiten häufiger schlechter ein und mussten öfter eine Klasse wiederholen als Jugendliche, die ihren ersten Account erst ab der 9. Klasse eröffneten. Auf die Wahl der späteren Schulform hatte der Zeitpunkt des ersten Social-Media-Accounts dagegen kaum Einfluss.

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Das Smartphone wird zum ständigen Begleiter

Warum genau ein früher Einstieg mit schlechteren Schulleistungen zusammenhängt, kann die Studie nicht eindeutig beantworten. Die Wissenschaftler fanden jedoch Hinweise darauf, dass die intensive Einbindung des Smartphones in den Alltag eine wichtige Rolle spielen könnte. Jugendliche mit einem frühen Social-Media-Start nutzten ihr Smartphone häufiger in Situationen, in denen es leicht ablenken kann – etwa direkt nach dem Aufwachen, vor dem Einschlafen oder während der Hausaufgaben. Gleichzeitig erzielten genau diese Jugendlichen im Durchschnitt schlechtere Leistungen in Mathematik und Italienisch.

Die Autoren sehen ihre Ergebnisse als weiteres Argument dafür, Kindern den Einstieg in soziale Medien möglichst nicht zu früh zu ermöglichen. Dabei geht es ihnen nicht darum, Social Media grundsätzlich abzulehnen. Ihre Daten zeigen vielmehr, dass Jugendliche, die mit dem ersten eigenen Social-Media-Account bis mindestens zur 9. Klasse warteten, im Durchschnitt bessere schulische Leistungen erzielten als Gleichaltrige, die bereits in der 6. oder 7. Klasse einstiegen.

Übrigens: Frankreich hat als erstes EU-Land ein Gesetz beschlossen, das soziale Medien für unter 15-Jährige verbieten soll. Neue Konten sollen ab dem 1. September nicht mehr möglich sein, für bestehende Accounts gilt eine Übergangsfrist bis zum 1. Januar 2027.4 In Italien, wo die Studie entstand, gibt es zwar kein solches Verbot. Allerdings können Jugendliche dort erst ab 14 Jahren selbst in die Nutzung entsprechender Online-Dienste einwilligen. An dieser Altersgrenze orientierten sich auch die Forscher.

Wie aussagekräftig ist die Studie?

Die Studie gehört zu den bislang umfangreichsten Untersuchungen zu diesem Thema. Die Wissenschaftler begleiteten mehr als 5200 Schüler über mehrere Jahre und konnten ihre schulischen Leistungen bereits vor dem ersten eigenen Social-Media-Account mit den späteren Ergebnissen vergleichen. Außerdem berücksichtigten sie Faktoren wie frühere Schulleistungen, den Bildungsabschluss der Eltern und die familiäre Situation. Dadurch gelten die Ergebnisse als belastbarer als viele frühere Studien.

Dennoch hat auch diese Studie Grenzen. Sämtliche Teilnehmer stammten aus Norditalien, sodass unklar ist, ob sich die Ergebnisse auf Deutschland oder andere Länder übertragen lassen. Zudem verändern sich soziale Netzwerke ständig. Die untersuchten Jugendlichen nutzten ihre ersten Accounts in einer Zeit, in der TikTok und Instagram besonders verbreitet waren. Künftige Generationen könnten daher andere Erfahrungen machen.

Außerdem können die Autoren trotz der aufwendigen Auswertung nicht ausschließen, dass weitere, nicht erfasste Faktoren die Ergebnisse beeinflusst haben. Die Studie liefert deshalb starke Hinweise auf einen Zusammenhang, kann ihn aber nicht eindeutig als Ursache belegen.

Interessenkonflikte wurden offengelegt:
Darüber hinaus legen die Autoren offen, dass zwei der Wissenschaftler dem Vorstand der italienischen Stiftung „Patti Digitali ETS“ angehören. Die Stiftung setzt sich dafür ein, Kinder schrittweise an digitale Medien heranzuführen und Eltern dabei zu unterstützen. Nach Angaben der Autoren hatte dies jedoch keinen Einfluss auf das Studiendesign, die Datenerhebung, die Auswertung oder die Entscheidung zur Veröffentlichung der Ergebnisse. Zudem wurde die Studie im Rahmen eines unabhängigen Begutachtungsverfahrens (Peer Review) geprüft und in der Fachzeitschrift „Nature Human Behaviour“ veröffentlicht.

Quellen

  1. Gui, M., Respi, C., Abbiati, G. et al. (2026). Longitudinal effect of early social media use on standardized learning outcomes during school career. Nat Hum Behav ↩︎
  2. Marker, C., Gnambs, T. & Appel, M. (2018). Active on Facebook and Failing at School? Meta-Analytic Findings on the Relationship Between Online Social Networking Activities and Academic Achievement. Educ Psychol Rev 30 ↩︎
  3. Gerosa T. et al. (2024). The Age of the Smartphone: An Analysis of Social Predictors of Children’s Age of Access and Potential Consequences Over Time. Sage Journals ↩︎
  4. Deutschlandfunk. Frankreich verbietet Soziale Medien für unter 15-Jährige. (aufgerufen am 04.08.2026) ↩︎

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