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8 verschiedene Wege, die eine Long-Covid-Erkrankung einschlagen kann

Die Verläufe von Long Covid können sehr unterschiedlich sein, wie eine neue Studie zeigt
Bein den Verläufen von Long Covid kommt es häufig zu Konzentrationsschwierigkeiten und Erschöpfungszuständen Foto: Olga Pankova / Getty Images
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Martin Lewicki
Freier Autor

19. November 2025, 20:02 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Wie eine aktuelle Studie Zeigt, leiden rund zehn Prozent von Corona-Patienten anschließend monatelang an Long Covid. Doch die Forscher haben auch acht verschiedene Verläufe ausgemacht, die Long Covid einschlagen kann.

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US-Studie mit über 3500 Corona-Infizierten

Long Covid ist eine Erkrankung, die als Folge einer Corona-Infektion entstehen kann. Über Monate plagen Betroffene Symptome wie Erschöpfung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme (sogenannter Brain Fog), Schwindel, Herzrasen und Schlaflosigkeit.1 Laut einer aktuellen US-Studie mit mehr als 3.500 Probanden zeigten 10,3 Prozent der vorher mit Corona-Patienten noch drei Monate nach der Infektion Long-Covid-Symptome.2 81 Prozent der Long-Covid-Patienten litten noch ein Jahr später daran. Aber die Forscher fanden noch mehr heraus: Offenbar gibt es acht verschiedene Verläufe, die Long Covid einschlagen kann.

So haben die Forscher die Long-Covid-Verläufe untersucht

Im Rahmen der Initiative „Researching COVID to Enhance Recovery (RECOVER)“ (zu Deutsch: COVID-Forschung zur Verbesserung der Genesung“) haben Forscher der US-Krankenhausvereinigung „Mass General Brigham“ die unterschiedlichen Verläufe von Long Covid untersucht. Hierfür nutzten sie Kriterien wie den Schweregrad, die Dauer und den Genesungsverlauf der Symptome.

Für die Studie hat man 3.659 Erwachsene aus der RECOVER-Initiative rekrutiert. All diese Studienteilnehmer hatten sich erstmals mit der Omicron-Variante des Corona-Virus (nach dem 1. Dezember 2021) infiziert. Anschließend mussten die Teilnehmer drei, sechs, neun, 12 und 15 Monate nach der Infektion einen umfangreichen Symptom-Fragebogen ausfüllen. So konnten die Forscher den Verlauf der Symptome über einen langen Zeitraum beobachten.

Anhand der Daten identifizierte man Patienten mit Long Covid, indem man den sogenannten „Long COVID Research Index“ heranzog. Dieser Index überträgt die vorliegenden Beschwerden der Personen in einen Punktwert. Anhand dieses Werts können dann eine wahrscheinliche und eine mögliche Erkrankung abgegrenzt werden.3 

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Das hat die Datenauswertung ergeben

Wie bereits oben erwähnt, entwickelten rund zehn Prozent der Corona-Infizierten eine Long-Covid-Erkrankung, die in 80 Prozent der Fälle noch nach einem Jahr bestand. Und so sehen die Zahlen im Detail aus:

  • Insgesamt hatten 195 Patienten (fünf Prozent) anhaltend starke Long-Covid-Symptome.
  • 443 Patienten (12 Prozent) hatten nicht abklingende, zeitweise starke Symptome.
  • 526 Patienten (14 Prozent) erfüllten nach drei Monaten nicht mehr die Kriterien für Long Covid, hatten jedoch nach 15 Monaten zunehmende Symptome.
  • Nach drei Monaten erfüllten 377 Patienten (10 Prozent) die Kriterien für Long-Covid. Von diesen hatten 175 (46 Prozent) anhaltendes Long Covid, 132 (35 Prozent) hatten moderate Symptome und 70 (19 Prozent) schienen sich zu erholen.

Zudem haben die Daten ergeben, dass weibliche Patienten und jene, die mit einer akuten Corona-Infektion ins Krankenhaus kamen, mit höherer Wahrscheinlichkeit anhaltend schwere Long-Covid-Symptome entwickelten.

Außerdem konnten die Forscher acht verschiedene Long-Covid-Verläufe identifizieren. Diese haben sie wie folgt klassifiziert:

  • anhaltend schwere Symptome
  • zeitweise schwere Symptome
  • sich allmählich verbessernde mäßige Symptome
  • sich allmählich verbessernde leichte Symptome
  • sich allmählich verschlechternde, mäßige Symptome
  • leichte Symptome, die erst nach 15 Monaten auftraten
  • konstant minimale bis nicht vorhandene Symptome
  • konstant leichte Symptome

Die Ergebnisse können bei der Behandlung von Long Covid helfen

Die verantwortlichen Forscher hoffen, mit der Studie zu einer besseren Behandlung betroffener Patienten beitragen zu können. „Unsere Ergebnisse werden dazu beitragen, zu bestimmen, welche Ressourcen für die klinische und gesundheitspolitische Unterstützung von Menschen mit Long Covid erforderlich sind, und sie werden auch zu den Bemühungen beitragen, die biologischen Grundlagen von Long Covid zu verstehen“, sagt der leitende Autor Bruce Levy in einer Pressemitteilung des Mass General Brigham Department of Medicine.4

Dennoch brauche es noch weitere Studien, um zu verstehen, warum einige Patienten schwere Long-Covid-Verläufe entwickeln und andere nicht. „Die von uns festgestellten Unterschiede werden es zukünftigen Studien ermöglichen, Risikofaktoren und Biomarker zu bewerten, die erklären könnten, warum Patienten unterschiedliche Genesungszeiten haben, und dabei helfen, potenzielle therapeutische Ansatzpunkte zu identifizieren“, kommentiert der Erstautor der Studie Dr. Tanayott Thaweethai das Ergebnis.

Wie Betroffenen geholfen werden kann, zeigen bereits frühere Studien. Erst kürzlich hat FITBOOK darüber berichtet, wie Krafttraining gegen Long-Covid-Symptome hilft.

Quellen

  1. Infektionsschutz.de: Long COVID - Langzeitfolgen von COVID-19 (aufgerufen am 19.11.2025) ↩︎
  2. Thaweethai, T., Donohue, S.E., Martin, J.N., et. al. (2025). Long COVID trajectories in the prospectively followed RECOVER-Adult US cohort. Nature Communications. ↩︎
  3. BMG Initiative Long Covid: Neue Forschungsdefinition für Long COVID (aufgerufen am 19.11.2025) ↩︎
  4. Mass General Brigham: Study Reveals Insights into Long COVID Trajectories in Adults (aufgerufen am 19.11.2025) ↩︎

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