27. August 2025, 11:00 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Jeder weiß, dass Äpfel sehr gesund sind. Das liegt in erster Linie jedoch nicht an ihren Vitaminen, denn da können andere Früchte deutlich mehr. Doch hätten Sie gewusst, dass Apfel nicht gleich Apfel ist, verschiedene Apfelsorten also unterschiedlich gesund sind? Welche Power in dem Obst steckt und welche Sorte am gesündesten ist, haben wir bei einem Ernährungsmediziner nachgefragt.
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Sind Äpfel das gesündeste Obst?
„Es ist nicht sinnvoll, von DEM gesündesten Obst zu sprechen“, stellt der Hamburger Ernährungsmediziner und Internist Dr. Matthias Riedl im Gespräch mit FITBOOK richtig. Fest stehe aber: Äpfel sind extrem gesund – „ihren Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen sei Dank“. Vor allem sekundäre Pflanzenstoffe seien in hohen Mengen enthalten, was den Apfel besonders wertvoll mache. Aus Ernährungssicht ebenfalls relevant: Äpfel gehören zu den nur mäßig zuckerreichen Obstsorten.
Einfache Regel zeigt, welche Apfelsorten besonders gesund sind
„Alte Apfelsorten sind gesünder als vom Ursprung weggezüchtete“, so Dr. Riedl. Beispiele hierfür sind „Berlepsch“, „Boskoop“, „Cox Orange“ und „Idared“. Der Grund ist die Menge an enthaltenen Polyphenolen – sekundäre Pflanzenstoffe, die hochgezüchtete Sorten wie bsp. „Jonagold“, „Granny Smith“ oder „Pink Lady“ quasi nicht mehr enthalten. Warum ist das so? Polyphenole werden herausgezüchtet, weil sie Äpfel sauer machen und schneller braun werden lassen. Besonders viele Polyphenole enthalten laut Riedl die Apfelsorten „Idared“ und „Boskoop“. Übrigens: Polyphenole machen auch das Apfelallergen schädlich – deshalb sind die alten Apfelsorten auch für Allergiker die einzig richtige Wahl.
Alte und neue Apfelsorten (Beispiele)
Alte Apfelsorten sind beispielsweise
- „Berlepsch“
- „Boskoop“
- „Cox Orange“
- „Idared“
- „Alkmene“
- „Eifeler Rambur“
- „Goldparmäne“
Zu den neuen Apfelsorten zählen u. a.
- „Jonagold“
- „Golden Delicious“
- „Gala“
- „granny Smith“
- „Pink Lady“1
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Plantage vs. Streuobstwiese: Auch die Lage macht den Apfel gesund
Polyphenole sind der natürliche Schutz von Äpfeln gegenüber Insekten- und Pilzbefall. Wächst ein Apfel in einer steril gehaltenen Plantage auf und wird im schlimmsten Fall auch noch gespritzt, muss er nur wenige bis gar keine Polyphenole bilden – schließlich ist ein Selbstschutz gar nicht mehr nötig. Anders sieht die Situation bei alten Apfelsorten aus, die häufig noch auf Streuobstwiesen wachsen und sich selbst gegen äußere Einflüsse schützen müssen – eine hohe Anreicherung mit Polyphenolen ist garantiert.
Eine Ausnahme unter den alten Apfelsorten bildet der „Golden Delicious“. Da die Sorte sehr anfällig für Pilz- und Schädlingsbefall ist, wird sie fast immer gespritzt.
Flavonoidreiche Lebensmittel sind gut fürs Herz und senken den Blutdruck
Das Essen des Apfel-Kerngehäuses kann gut sein für den Darm
Welche Inhaltsstoffe machen Äpfel gesund?
Wenn man über Obst spricht, denken viele, dass ein hoher Vitamin-C-Gehalt das Maß aller Dinge ist. Darum schicken wir gleich mal vorweg: Sie können auch zu Zitrusfrüchten, Brokkoli, Paprika oder Sauerkraut, um Ihren täglichen Bedarf an Vitamin C zu decken, aber nicht unbedingt zu Äpfeln – auch wenn Hersteller neuerer Sorten gerne den ach so hohen Vitamin-C-Gehalt preisen. Die gute Nachricht: Was Obst zu einem so gesunden Nahrungsmittel macht, hat mitnichten immer mit seiner Menge an Vitamin C zu tun – oder überhaupt mit Vitaminen, was das betrifft.
Äpfel sind vor allem so gesund, weil sie stark antioxidative Polyphenole, genauer Flavonoide, wie Catechin und Kaempferol enthalten. Antioxidantien wirken entzündungshemmend und schützen die Zellen vor freien Radikalen, die durch Stress und äußere Umwelteinflüsse hervorgerufen werden, und somit im besten Fall auch vor diversen Krankheiten. Eine Übersichtsarbeit zeigt auf, dass Äpfel im Vergleich zu anderen Obst- und Gemüsesorten sowie anderen Flavonoidquellen am häufigsten mit einem geringeren Risiko für Krebs, Herzerkrankungen, Asthma und Diabetes Typ 2 in Verbindung gebracht werden. Außerdem stand der regelmäßige Verzehr von Äpfeln positiv mit einer verbesserten Lungenfunktion und einer schnelleren Gewichtsabnahme in Verbindung.2
Zudem sind sie reich an Ballaststoffen. Die tun unserem Körper gleich in zweifacher Hinsicht gut. Einerseits sanieren sie die Darmflora, andererseits werden Ballaststoffe im Darm zu kurzkettigen Fettsäuren umgewandelt, die der Darmschleimhaut als Energielieferant dienen. Außerdem sagt man dem Ballaststoff Pektin nach, dass er den Blutzuckerspiegel konstant hält und somit unser Hungergefühl dämpft – was für Leute, die abnehmen wollen, sehr interessant sein kann. Überdies sind Äpfel ein wertvoller Kalium-Lieferant.
Äpfel als Hausmittel bei Verdauungsbeschwerden
„Nicht jeder hat immer die Hausapotheke gut bestückt – Äpfel hingegen sind als das meistverzehrte Obst in Deutschland schon eher griffbereit. Und das Praktische: Sie helfen bei Durchfall genauso wie bei Verstopfung. Das liegt an dem löslichen Ballaststoff Pektin. Bei Durchfall liefert der Apfel nicht nur verlorene wichtige Mineralstoffe, sondern auch Pektin, welches im Darm aufquillt und dabei überschüssige Flüssigkeit und ggf. Krankheitserreger bindet. So verdickt sich der Stuhl wieder. Am besten reiben Sie den Apfel dafür, denn durch die größere Oberfläche ist er leichter verdaulich für den angeschlagenen Darm. Einer Verstopfung wiederum kann Pektin vorbeugen, da der lösliche Ballaststoff ein beliebtes Futter der nützlichen Darmbakterien ist und auf diese Weise für eine gesunde Flora sorgt. Hinzu kommt, dass Pektin beim Aufquellen die Verdauung anregt und den Stuhl gleitfähiger macht.“
Sollte man die Schale mitessen?
Die meisten Vitamine, sekundären Pflanzenstoffe und Ballaststoffe sitzen in oder direkt unter der Schale. Äpfel sollten daher nicht geschält werden.
Ist auch das Kerngehäuse gesund?
Wer schon einmal hineingebissen hat, weiß: Das Kerngehäuse eines Apfels schmeckt äußerst bitter. Und unsere Sinne täuschen uns nicht: Kerne enthalten Bitterstoffe, die – wenn sie erst mal zerkaut werden – von unserem Körper zu Blausäure umgewandelt werden. Diese kann Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen. Darum kann man das Kerngehäuse ohne schlechtes Gewissen der Biotonne überlassen.
Obstschale oder Kühlschrank: Wie lagert man Äpfel idealerweise?
Auch an dieser Frage scheiden sich die Geister: Gehören Äpfel in die Obstschale oder in den Kühlschrank? Der Ernährungsmediziner tendiert zum Kühlschrank: Er empfiehlt, Äpfel bei zwei bis fünf Grad zu lagern. Wer allerdings einen Keller hat, sollte Äpfel wegen der hohen Luftfeuchtigkeit dort in einem Beutel mit kleinen Luftlöchern lagern. Auf diese Weise halten sie drei bis fünf Monate. Zu beachten gilt: Je länger die Lagerdauer, desto mehr sinkt der Vitamingehalt über die Zeit und die Äpfel werden mehlig.
Was übrigens auch gegen die Obstschale spricht: Äpfel reifen während der Lagerung weiter und versprühen das Reifungsgas Ethylen, welches die Alterung von Obst und Gemüse, welches in der Nähe der Äpfel liegt, beschleunigt.3