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Früchte des Affenbrotbaums

Warum wir besser auf Baobab verzichten sollten

Baobab-Baum
Die Samen der Baobab-Früchte sind besonders nährstoffreich
Foto: Collage: Getty Images

Die Früchte des Affenbrotbaumes gelten als besonders nährstoffreich und werden traditionell gegen viele Krankheiten und Mangelerscheinungen eingesetzt. Vor einigen Jahren schwappten Baobab-Pulver und Baobab-Extrakte in europäische Superfood-Regale und Kosmetikprodukte. Doch brauchen wir wirklich die Erzeugnisse eines afrikanischen Baumes, dessen Bestände auf erschreckende Weise zurückgehen?

Seine bloße Erscheinung hat schon etwas Majestätisches, auch wenn er wirkt wie nicht von dieser Welt: Der Affenbrotbaum sieht aus, als hätte ihn ein Riese umgedreht und mit der Wurzel nach oben in die Savanne gesteckt. Das ist übrigens auch die Geschichte, die sich die Einheimischen über ihren bis zu 20 Meter hohen Baum erzählen, der 2000 Jahre alt werden kann. Und sie nennen ihn seit jeher Wunderbaum, Zauberbaum oder auch Baum des Lebens. In der traditionellen Volksmedizin werden seine zu Pulver verarbeiteten Samen, Baobab genannt, gegen Infektionskrankheiten, Fieber, Mangelernährung, Entzündungen, Verdauungsbeschwerden oder Malaria eingesetzt. Die Blätter und Fasern werden genutzt, um daraus Material für Kleidung, zum Dachdecken, Halsschmuck, Seile oder Netze zu verarbeiten. Die Afrikaner glauben auch, dass Streitereien besser beigelegt werden, wenn man zusammen unter einem Affenbrotbaum sitzt. Für ihre Gemeinschaft ist er derart wichtig, dass ein kompletter Umzug in Erwägung gezogen wird, sobald der dorfeigene Baum stirbt. Und nicht zuletzt bietet der gigantische Baum Unterschlupf, Nahrung und Nistplatz für viele Tiere. Es ist daher kein Wunder, dass Baobab für die Einheimischen als heilig gilt.

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Was die Wissenschaft über Baobab weiß

In Europa ist Baobab seit 2008 als Lebensmittel zugelassen, meist kommt er in seiner pulverisierten Form in den Handel. Das süß-säuerlich, etwas pelzig schmeckende Fruchtpulver kann in Smoothies, Säfte, Joghurt oder Brei eingerührt werden. Die Öle werden vor allem für Kosmetika genutzt. Studien ergaben, dass Baobab nicht nur einen hohen Vitamin-C-, Kalium- und Eisengehalt aufweist, es gibt auch Hinweise auf entzündungshemmende und fiebersenkende Eigenschaften. Und auch in Sachen Antioxidantien macht Bobab eine vergleichsweise gute Figur. Nur: Müssen wir, also die westliche Welt, das alles ausgerechnet vom afrikanischen Affenbrotbaum beziehen? „Nein!“, sagt auch Ernährungsexperte Sven-David Müller. „Diese Inhaltsstoffe haben wir auch im heimischen Obst und Gemüse. Da ist sogar die Heidelbeere dem Baobab noch überlegen. Ebenso in puncto Ballaststoffe gebe es eine großartige, regionale und vor allem günstige Quelle: „Leinensamen. Die wirken genauso gut.“ Ohnehin betrachtet Müller den Superfood-Trend als problematisch. „Man sollte niemals ein Heilsversprechen nur an einem Lebensmittel festmachen, das kann sogar gefährlich werden.“ Baobab sei ohne Zweifel gesund, räumt der Ernährungsexperte ein, „aber das ist eine Birne auch.“

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Das rätselhafte Sterben des Affenbrotbaums

Hinzu kommt natürlich die Frage: Sollte man Raubbau bei einer Pflanze betreiben, die im Leben der noch traditionell lebenden einheimischen Bevölkerung eine so zentrale Rolle spielt – nur damit wir Europäer ein weiteres Nahrungsergänzungsmittel haben? Zumal der Affenbrotbaum extrem langsam wächst und erst ab einem Alter von 25 Jahren überhaupt Früchte trägt. Deshalb gibt es auch noch keine Baobab-Plantagen. Die steigende weltweite Nachfrage sorgt vor allem dafür, dass die Einheimischen, die darauf weit mehr angewiesen sind als wir, sich Baobab immer weniger leisten können. Obendrein stellten Wissenschaftler vor knapp einem Jahr Erschreckendes fest: Immer mehr der majestätischen Bäume sterben ohne einen erkennbaren Grund ab. Besonders sind die älteren Exemplare davon betroffen, aber auch jüngere Bäume kollabieren regelrecht. Die Forscher vermuten, dass dieses Phänomen im Zusammenhang mit dem Klimawandel steht.

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Wenn schon Baobab, dann nachhaltig

Doch Baobab-Erzeugnisse deshalb komplett zu verteufeln, wird der Sache ebenfalls nicht gerecht. Denn tatsächlich sorgt die gestiegene Nachfrage auf der anderen Seite auch dafür, dass weniger Bäume gefällt werden. Immer mehr Farmer setzen auf Baobab und verdienen so ihren Lebensunterhalt, wie der Deutschlandfunk Kultur in einem Feature berichtet. Deshalb ist es gerade bei diesem Produkt wichtig, genau darauf zu achten, unter welchen Bedingungen es produziert wurde, ob das Geld auch bei der einheimischen Bevölkerung ankommt und ob mit dem Gewinn nachhaltige Projekte ermöglicht werden. Ein gutes Beispiel dafür: die südafrikanische Frauen-Initiative „Hüterinnen des Baobabs“. Dort verfolgt man das Ziel, die Umwelt zu bewahren, neue Bäume zu pflanzen und so die Farmerinnen und Farmer zu stärken. Was allerdings die Eigenschaft als Superfood betrifft, ist Baobab „zu Hause“ vermutlich besser aufgehoben als bei uns, findet auch Ernährungsprofi Sven-David Müller. Da gehört Baobab hin, da hat es Tradition, da wird der Baum mit all seinen Eigenschaften gebraucht. Denn für Deutschland gelte schließlich: „Wir haben hierzulande keinen Nährstoffmangel!“

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