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Angeblich supergesund

Sollten wir ab jetzt Wassermelonenkerne kauen?

Frau hält ein Stück Melone
Aus Geschmacksgründen könnten die meisten auf die Kerne im Melonenfruchtfleisch wohl verzichten. Angeblich sollen genau die aber gesund sein.
Foto: Getty Images

Pulen Sie penibelst auch den letzten Kern aus jedem Melonenschnitz? Damit verschwenden Sie angeblich nicht nur viel Zeit und Mühe, sondern auch wertvolle Vitamine und Mineralstoffe. Richtig gelesen: Ausgerechnet die Samen der Wassermelone werden gerade als supergesundes Lebensmittel gehypt. FITBOOK weiß, wie man sie essen soll – und was ein Ernährungswissenschaftler dazu sagt.

Die Kerne der Wassermelone sollen also sehr gesund sein. Wie aktuell verschiedene Medien berichten, enthalten sie reichlich Vitamin A, B und C, außerdem Magnesium, Eisen und Kalzium. Angeblich steckt in 100 Gramm Wassermelonenkernen so viel Eiweiß wie in Nüssen.

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Es werden verschiedene Darreichungsformen empfohlen.

Getrocknete Wassermelonenkerne

Der Snack der Stunde? Getrocknete Wassermelonenkerne gelten als sehr gesund.
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Interessant, eigentlich. Eben waren ihre Kerne noch eine lästige Begleiterscheinung, streng genommen Abfall – und nun sollen ausgerechnet sie das Gesunde in der Wassermelone sein. Uns erinnert das ein wenig an vergangenes Jahr: als plötzlich der Avocadokern über den grünen Klee gelobt wurde. Man sollte ihn bloß nicht wegschmeißen, sondern weichkochen oder über den Salat raspeln, was – neben einem herb-bitteren Geschmack – viele, viele Nährstoffe ins Essen befördern sollte. Etwas Recherche zeigte dann auf, dass das angebliche Superfood im Superfood nicht wirklich so gesund ist, wie auf Foodblogs und Webseiten behauptet, und für den Menschen (und Tiere) sogar giftig. Ist das bei den Wassermelonenkernen vielleicht genauso?

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Sind Wassermelonenkerne wirklich so gesund?

FITBOOK hat im Netz verschiedene Angaben zu Nährwerten und Nährstoffen von Wassermelonenkernen gefunden. Ob davon auch nur eine einzige ernst zu nehmen ist, wagt zumindest Diplom-Ernährungswissenschaftler Uwe Knop zu bezweifeln. Er kenne keine seriöse Quelle, die den Vitamin- und Mineralstoffgehalt von Melonenkernen mehrfach gesichert gemessen hat – „und auch eine offiziell anerkannte ‚Nährwertangabe‘ ist mir nicht bekannt“. Ob Melonenkerne wirklich so gesund sind – diese Frage stellt sich für ihn gar nicht.

Der Ernährungsexperte sieht’s pragmatisch: „Wenn Melonenkerne schmecken würden, würde man sie intuitiv mitessen. Der Mensch pult oder spuckt sie nicht grundlos aus, sondern weil sie den unbeschwerten Genuss der Wassermelone stören.“ Und das stimmt schon, die Kerne schmecken bitter. Glaubt man Knop, braucht man sich glücklicherweise auch nicht zu zwingen, sie trotzdem runterzuwürgen.

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„Kein Mensch braucht auch nur einen einzigen Melonenkern in seinem Leben“

Die vielen Nährstoffe, die in die Melonenkerne hineingdichtet werden, seien auch in anderen Lebensmitteln enthalten – und zwar solchen, die besser schmecken. Der Buchautor (u.a. „Ernährungswahn: Warum wir keine Angst vorm Essen haben müssen“) ist sich sicher: „Kein Mensch braucht auch nur einen einzigen Melonenkern in seinem Leben, um sich gesund zu ernähren.“ Im Gegenteil…

Wassermelone

So richtig scharf ist niemand auf die Kerne in der Wassermelone, oder? Es gibt auch kernlose Züchtungen…
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Knop berichtet uns von einer Untersuchung durch das Landesamt für Verbraucherschutz, die zwar bereits einige Jahre zurückliegt, deshalb aber nicht weniger Unappetitliches ans Licht gebracht hat: 2008 sollen in getrockneten Melonenkernen Aflatoxine gefunden worden sein, und zwar in Grenzwert überschreitenden Mengen. Aflatoxine sind sogenannte Mykotoxine, sprich potentiell giftige Stoffwechselprodukte, die etwa in bestimmten Schimmelpilzen vorkommen.

Jene Aflatoxine kamen auch in verschiedenen Trockenobstsorten vor, allerdings weniger als in den Kernen. Dies dürfte auf das Herstellungsverfahren zurückzuführen sein. Doch selbst wenn solch lästiges Beiwerk nicht mehr unbedingt zu erwarten sein muss – auf FITBOOK-Nachfrage bestätigt Uwe Knop, dass je nach Höhe der angewendeten Hitze beim Trockenverfahren einige der gefeierten Vitamine zerstört werden können. „Zumindest die hitzelabilen Vitamine wie C überstehen die Trocknung definitiv nicht“, erklärt er. „Die Vitamine A und B vielleicht schon.“

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Fazit

„Wem es schmeckt, Melonenkerne zu kauen, der soll sie mitessen“, sagt Knop. Damit bezieht er sich auf die frischen im Fruchtfleisch, die getrockneten könne man sich ohnehin sparen. Munden die Dinger Ihnen nicht, lassen Sie es einfach bleiben – „völlig egal, welche tollen Vitalstoffe enthalten sein sollen“. Was nicht schmeckt, kann laut Knop nicht gesund sein. Sonst würde es der Körper nicht ablehnen.

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