Butzen, Griebsch, Kitsche – je nach Region gibt es unterschiedliche Namen für das Kerngehäuse vom Apfel. Doch nicht nur bei der Bezeichnung scheiden sich die Geister, sondern auch bei der Frage: Kann man das Kerngehäuse vom Apfel mitessen? FITBOOK-Ernährungsexpertin Sophie Brünke klärt auf.
Die einen essen das Kerngehäuse, ohne mit der Wimper zu zucken. Die anderen schüttelt es bereits beim Zusehen. Ob man das Kerngehäuse vom Apfel überhaupt essen möchte, ist Geschmackssache. Aber was ist mit der Gesundheit? Apfelkernen wird nachgesagt, dass sie giftig seien. Das stimmt aber nur bedingt, heißt es laut der dpa auf der Website des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE).
Ist das Kerngehäuse vom Apfel ungesund oder nicht?
Tatsächlich enthalten Apfelkerne Amygdalin, ein Stoff, welcher im Körper während der Verdauung in Blausäure umgewandelt wird. Und diese Säure kann bei Menschen laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schwere akute Vergiftungen mit Krämpfen, Erbrechen und Atemnot auslösen. In hohen Dosen kann solch eine Vergiftung sogar zur Atemlähmung und damit zum Tod führen.1
Doch jetzt kommt das große Aber: Die Blausäure wird nur freigesetzt, wenn man die Apfelkerne gründlich zerbeißt und noch dazu in hohen Mengen verzehrt. Aufgrund der Tatsache, dass die Kerne zerkaut unangenehm bitter schmecken, ist bereits aus diesem Grund eine Vergiftung recht unwahrscheinlich. Und unzerkaut werden sie am Ende genauso wieder ausgeschieden.
Das Gehäuse an sich ist aber sehr gesund, denn es enthält viele Ballaststoffe, die gut für die Verdauung sind. So sättigt ein Apfel länger und liefert den „gesunden“ Darmbakterien nützliches Futter.
Allen, denen das Kerngehäuse schmeckt, können es also bedenkenlos mitessen und tun dem Darm etwas Gutes. Auch aus ökologischer Sicht ist es sinnvoll, alle Teile des Obsts zu verzehren. Die einzige Ausnahme besteht dann, wenn Äpfel von einer Kernhausfäule befallen sind. Diese ist jedoch selten. Und da sie bereits während der Blüte entsteht, ist sie beim Aufschneiden der Frucht sofort sichtbar.
Amygdalin wird teils auf dubiosen Internetseiten als Pseudovitamin B17 angepriesen. Es wird fälschlicherweise empfohlen, es über im Handel erhältliche Aprikosenkerne oder Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen. Versprochen wird, dass es gegen Krebserkrankungen wirksam wäre. Das BfR betont, dass diese Aussage irreführend ist, weil die Wirkung wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist.
Zwar dürfen im Lebensmittelhandel bittere Aprikosenkerne angeboten werden, z. B. als Knabberartikel, jedoch mit einem Maximalgehalt von 20 Milligramm Blausäure pro Kilogramm roher Kerne – so die Verbraucherzentrale. Größere Packungen sollten mit einem Warnhinweis versehrt sein.2 Laut BfR sollten Erwachsene nicht mehr als zwei bittere Aprikosenkerne pro Tag essen.
Und was ist mit der Apfelschale? Expertin antwortet
Auch die Schale können Sie mitessen – unter einer Bedingung
„Die Frage mit den Apfelkernen ist also geklärt. Doch wie sieht es mit der Schale aus? Sicherlich haben Sie schon einmal gehört, dass ein Apfel mit Schale mehr Nährstoffe liefert also ohne. Und das stimmt auch. Der Gehalt an Vitamin C ist sogar doppelt so hoch! Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen konventionellen und biologisch erzeugten Äpfeln: Bei den konventionellen Früchten ist die Schale beim Kauf mit Rückständen von Pestiziden verunreinigt. Für Bio-Äpfel dürfen keine chemischen Pflanzenschutzmittel angewandt werden. Deshalb gilt: Die konventionellen Äpfel nicht nur gründlich abwaschen, sondern auch mit einem Geschirrtuch sorgfältig abrubbeln. So entfernen Sie effektiv unliebsame Chemikalien von Ihrem Obst und können es sich schmecken lassen.“– Sophie Brünke, Redakteurin bei FITBOOK
*mit Material von dpa
Quellen
Quellen
Bundesinstitut für Risikobewertung. Amygdalin. (aufgerufen am 21.02.2024)↩︎
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