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Nicht nur für Fruchtbarkeit

Warum Männer regelmäßig Tomatenmark essen sollten

Dose mit Tomatenmark
Konzentriertes Tomatenmark ist die einfachste Lycopin-Quelle, um Spermienqualität und Prostatagesundheit zu unterstützen Foto: annick vanderschelden photography
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30. Januar 2026, 4:33 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Tomatenmark und Dosentomaten stehen im Supermarktregal meist neben den Nudeln. Letztere sind bekanntermaßen Sattmacher, die obendrein nicht besonders gesund sind. Von den Nachbarn im Regal kann man das nun wirklich nicht behaupten. Studien zeigen, dass verarbeitete Tomatenprodukte die männliche Zeugungsfähigkeit unterstützen können. Doch Vorsicht: Die gesunde Wirkung wird massiv ausgebremst, wenn das Tomatenmark zusammen mit einem sehr beliebten Nahrungsergänzungsmittel kombiniert wird.

Das Wirkprinzip – warum Tomatenmark und nicht die frischen Tomaten?

Das Geheimnis verarbeiteter Tomaten ist das reichlich enthaltene Lycopin. Der Pflanzenstoff gehört zur Gruppe der Carotinoide und ist als fettlösliches Pigment für die rote Farbe der Früchte verantwortlich, in denen er enthalten ist. Je intensiver die Färbung der Frucht, desto mehr Lycopin enthält sie. Besonders reich an dem gesunden Pflanzenstoff sind Hagebutten, Guaven, Wassermelone, rote Grapefruits – und eben reife Tomaten.

Und damit ganz besonders solche, die industriell verarbeitet werden – denn Tomaten, die für Dose und Tube (Mark) vorgesehen sind, lässt man länger reifen.

Ein weiterer Grund, der für verarbeitete Tomaten spricht: Erst Hitze macht das Lycopin für den Körper richtig verfügbar. Der Körper kann den Wirkstoff durch das Erhitzen besser aufnehmen.

2 EL Tomatenmark liefern rund 14 Milligramm Lycopin

Welche Tomatenprodukte enthalten die höchste Lycopin-Konzentration? Zwei Esslöffel konzentriertes Tomatenmark liefern etwa 14 Milligramm Lycopin. Für diese Menge müsste man alternativ zwei Kilogramm gekochte Tomaten essen.

Speziell für Männer ergeben sich daraus hilfreiche Einsatzgebiete für Tomatenmark und Co.!

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Tomatenmark und Männergesundheit – Studie zur Spermienqualität mit 14 Milligramm Lycopin

Einen Hinweis auf ein einfaches und risikoarmes Potenzial zur Unterstützung der Zeugungsfähigkeit durch Lycopin lieferten 2019 Forscher der University of Sheffield. Sie setzten damals eine Studie auf, die eine direkte Brücke zwischen einer spezifischen Lycopin-Dosis und der Verbesserung der Spermienqualität schlägt. Sie lief drei Monate und beinhaltete 60 gesunde Männer zwischen 19 und 30 Jahren.

Die eine Hälfte erhielt täglich zwei Kapseln, die jeweils sieben Milligramm Lactolycopin enthielten. Lactolycopin ist Lycopin in einer Form, die für den Körper besser aufzunehmen ist. Die Menge an Lycopin, die den Männern verabreicht wurde, entsprach mit 14 Milligramm dem täglichen Verzehr von zwei Kilogramm gekochten Tomaten oder zwei Esslöffeln konzentriertem Tomatenmark. Die Studie wurde im „European Journal of Nutrition“ veröffentlicht.1

Der andere Teil der Gruppe erhielt Placebo-Präparate. In welcher Gruppe sie sich jeweils befanden, wussten die Männer nicht. Davor und danach entnahmen die Forscher Sperma- und Blutproben; u. a. vermaßen sie die Spermien mit einem Computerprogramm.

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Verbesserungen bei Form und Beweglichkeit der Spermien

Ergebnis: Nach zwölf Wochen zeigte sich eine signifikante Verbesserung der Spermienmorphologie (Form) und der Beweglichkeit der Spermien bei jüngeren, gesunden Männern. Die Gesamtkonzentration beweglicher Spermien wurde durch das verabreichte Lycopin allerdings nicht wie erwartet signifikant verbessert, schreiben die Studienautoren.

Die Forscher gingen damals davon aus, dass die Antioxidantien der entscheidende Faktor im Lycopin seien, und mit ihnen – neben anderen positiven Eigenschaften für die Gesundheit – auch die Verbesserung der Spermienqualität einhergehe. Ihre Studie hat jedoch einen kleinen Makel: Um wirklich verlässliche Aussagekraft zu entfalten, müsste sie mit mehr Probanden wiederholt werden. Und: Die Autoren weisen darauf hin, dass die klinischen Auswirkungen auf die tatsächliche Fruchtbarkeit noch unbekannt sind.

Die Sheffield-Studie war kein „Zufallstreffer“ – sie bestätigte eine langjährige Forschungslinie durch modernere Messmethoden. Bereits 2017 hatten weitere Forscher speziell Tomatensaft (30 mg Lycopin täglich) untersucht und ebenfalls eine Verbesserung der Spermienbeweglichkeit festgestellt. Und zwar nicht bei gesunden Männern, sondern bei Männern mit geringer Spermienkonzentration – und damit eingeschränkter Fruchtbarkeit.2

Studie zeigt: Eisenpräparate hemmen Lycopin-Aufnahme im Blut

Die bloße Menge an Tomatenmark ist jedoch nicht alles: Auch die Kombination mit anderen Stoffen ist entscheidend für die Männergesundheit. Es gibt einen „Saboteur“ für die Lycopin-Aufnahme, wie eine Studie der Ohio State University zeigte.

Die Forscher fanden heraus, dass die gleichzeitige Einnahme von Eisen (als Nahrungsergänzungsmittel) die Aufnahme von Lycopin massiv stört. Bei den Probanden sank die Lycopin-Konzentration im Blut um fast die Hälfte, wenn Eisen im Spiel war. Einschränkung: Allerdings war die Probandenzahl mit sieben Männern sehr klein. Die Studie wurde 2019 im Fachmagazin „Molecular Nutrition & Food Research“ publiziert. 3

Auch wenn die Forschenden nicht ganz genau sagen konnten, woran das liegt, vermuten sie, dass sich das Eisen zwischen Lycopin und Nahrungsfette schaltet. Diese transportieren den Pflanzenstoff in die Blutbahn. Der Makronährstoff schaltet den Pflanzenstoff mit der krebshemmenden Wirkung also regelrecht aus. Wer Tomatenmark oder Dosentomaten für die Gesundheit nutzt, sollte Eisenpräparate zeitlich versetzt einnehmen. Das gilt ganz besonders für Männer, die ein Kind zeugen wollen.

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Schutz der Prostata: Metaanalyse zur vorbeugenden Wirkung von Tomatenprodukten

Zuletzt: Lycopin und der Verzehr von Tomaten bzw. Tomatenprodukten könnten eine „bescheidene Rolle“ bei der Prävention von Prostatakrebs spielen. Zu diesem Schluss gelangen Autoren einer Metaanalyse, für die Ergebnisse aus insgesamt 17 hochwertigen Studien zusammengeführt wurden. Sie wurde 2013 im „Journal of Nutritional Science and Vitaminology“ veröffentlicht.4

Offenbar kein Vorteil bei diagnostiziertem Prostatakarzinom

Ob Lycopin in Tomaten und Tomatenprodukten das Sterberisiko bei Prostatakrebs senken kann, wurde auch schon untersucht – 2016 in einer großen US-amerikanischen Langzeitstudie. Im Ergebnis konnte hier jedoch für die breite Mehrheit kein Vorteil durch eine höhere Lycopin-Aufnahme nachgewiesen werden. Bei wenigen Fällen, Männer mit Hochrisiko-Tumoren, zeigte sich ein möglicher positiver Zusammenhang.5

Fazit – ideale Formel für maximale Wirkung von Tomatenmark

Tomatenmark ist ein einfaches und risikoarmes Mittel zur Unterstützung der Gesundheit – speziell für Männer. Die Wirkung des Lycopins ist jedoch stark von der richtigen Zubereitung und der Kombination mit anderen Stoffen abhängig. Insgesamt gibt es positive Tendenzen aus den Studien – mit allerdings moderaten Teilnehmerzahlen. Für medizinische Heilaussagen müssen weitere großangelegte Studien abgewartet werden.

Was Männern sicher nicht schadet, ist, Tomaten – speziell Tomatenmark oder Dosentomaten, also verarbeitete Tomatenprodukte – als wertvollen Bestandteil ihrer Ernährung zu betrachten. Faustformel: Zwei Esslöffel täglich, am besten erhitzt und zusammen mit einer Fettquelle verzehrt, aber unbedingt zeitlich versetzt zu Eisenpräparaten eingenommen – so lässt sich die ideale Formel für die maximale Wirkung von Tomatenmark auf die Männergesundheit zusammenfassen.

Quellen

  1. Williams E.A., Parker M., Pacey A.A. et al. (2019): A randomized placebo-controlled trial to investigate the effect of lactolycopene on semen quality in healthy males. European Journal of Nutrition. ↩︎
  2. Yamamoto Y., Aizawa K., Mieno M. et al. (2017): The effects of tomato juice on male infertility. Asia Pacific Journal of Clinical Nutrition. ↩︎
  3. Kopek R.E., Caris-Veyrat C., Nowicki M. et al. (2019): The Effect of an Iron Supplement on Lycopene Metabolism and Absorption During Digestion in Healthy Humans. Molecular Nutrition. ↩︎
  4. Chen J., Song Y., Zhang L. (2013): Lycopene/Tomato Consumption and the Risk of Prostate Cancer: A Systematic Review and Meta-Analysis of Prospective Studies. Journal of Nutritional Science and Vitaminology. ↩︎
  5. Wang Y., Jacobs E. J., Newton C. C. et al. (2016): Lycopene, tomato products and prostate cancer-specific mortality among men diagnosed with nonmetastatic prostate cancer in the Cancer Prevention Study II Nutrition Cohort. Int. J. Cancer. ↩︎

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