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In puncto Krebsgefahr

Ist H-Milch weniger ungesund als Frischmilch?

Frau schenkt Mann Milch ein
H-Milch ist die bessere Milch – das behauptet zumindest ein deutscher Uni-Professor. Ob das stimmt? Oder ist Milch generell unbedenklich?Foto: Getty Images

Man hätte ja eigentlich meinen können, frische Milch sei das wertvollere Lebensmittel als die (irritierend lang) haltbare Variante. Hier darf nicht unerwähnt bleiben, dass Kuhmilch generell immer mehr in Verruf gerät. Ein deutscher Allgemeinmediziner behauptet nun: Wenn schon Milch, dann nur H-Milch – die sei nicht ganz so ungesund. FITBOOK verrät, welche Argumente er dafür hat, und was andere Fachleute von seinen Thesen halten.

Kaum ein Café oder Restaurant, das heutzutage keine Alternative zu „echter“ Milch anbietet! Soja-, Hafer- und Mandelmilch stehen nicht nur bei Veganern hoch im Kurs, sondern auch bei mehr und mehr Gesundheitsbewussten. Gründe gegen Kuhmilch soll es schließlich viele geben. FITBOOK berichtete HIER bereits ausführlicher über das, was gerade von einigen Wissenschaftlern vertreten wird: dass der wachstumsfördernde Effekt von Milchprotein auch ungewünschte (Krebs-)Zellen größer werden lässt und auf diese Weise verschiedene gefährliche Krankheiten fördert. Einer von ihnen ist Professor Bodo Melnik von der Universität Osnabrück. Er findet, dass auf jeder Milchtüte ein Warnhinweis stehen müsste.

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Arzt behauptet, Milch enthält hochwirksamen, gefährlichen Stoff

Melnik wird in einem Interview mit der „Welt“ folgendermaßen zitiert: „Mit der Milch hat die Evolution einen hochwirksamen Stoff entwickelt, der als Dauergabe gefährlich wird. Wir spielen hier mit einem hochbrisanten, genregulatorischen Cocktail herum, den wir kaum verstehen.“ Diese These hat er schon in zahlreichen Fachartikeln (teilweise in Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Kollegen) zu belegen versucht. Er ist davon überzeugt, dass Milch dem Körper die falschen Signale sendet – und zwar zu wachsen. Deshalb sei sie höchstens für Neugeborene und Kleinkinder wichtig. Bei Erwachsenen hingegen wirke Milchkonsum, wie bereits erwähnt, krebsfördernd.

Kind wird mit Trinkflasche gefüttert
Ein deutscher Professor ist sich sicher: Nur bei Kleinstkindern ist Milch (und NICHT schädlich)Foto: Getty Images

Wenn schon Milch, dann H-Milch?

Die Gefahren soll man aber minimieren können: wenn man nur haltbare Milch trinkt! Laut Melnik würde durch das starke Erhitzen, das zum Haltbarmachen nötig ist, eine Vielzahl der Exosome zerstört. Exosome sind virusgroße Transportbläschen, die unter Verdacht stehen, tumorunterdrückende Gene zu deaktivieren.

H-Milch vs. Frischmilch

Kurz zu dem, was wir eingangs sagten: dass Frischmilch das hochwertigere Lebensmittel zu sein scheint. Tatsächlich kann man das nicht so allgemein sagen, denn beide Varianten haben ihre Vorteile. Bei der Herstellung wird H-Milch auf etwa 135 Grad erhitzt – also stärker als Frischmilch, die bei nur etwa 72 bis 75 Grad pasteurisiert wird. Der frischen bleiben dadurch mehr Vitamine und etwa Milchsäurebakterien erhalten, also Probiotika, die bekanntlich Darmflora und Immunsystem stärken sollen. Davon sind in der H-Milch weniger übrig. Dafür läuft man hier weniger Gefahr auf ungewünschte Bakterien oder Salmonellen.

Professor Melniks Äußerungen sind auch schon dem Münchener Diplom-Ökotrophologen Herrn Professor Dr. Nicolai Worm zu Ohren gekommen. Seine Meinung zu dem Thema ist etwas anders. „Da frische Kuhmilch für die meisten Menschen nicht bedenklich ist, kann H-Milch nicht unbedenklicher sein“, sagt er gegenüber FITBOOK.

 „Unbedenklicher als unbedenklich geht nicht“

Für Worm stellt sich also gar nicht erst die Frage, ob H-Milch die weniger schädliche Option ist. Melniks Äußerungen sind seiner Meinung nach „nur Thesen, die durch keine seriösen Studien am Menschen in ihrer Berechtigung überprüft wurden. Er schafft es damit aber immer wieder, mit Schlagzeilen in die Medien zu gelangen.“

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Natürlich verfolgt der Ernährungswissenschaftler die Milch-Diskussion schon lange. Und eine Weile lang hätte auch er nicht bestritten, dass Milch die Gefahr auf zumindest Prostatakrebs erhöhen können soll. Hierzu sagte im FITBOOK-Interview vor einigen Monaten auch Ernährungs- und Gesundheitsberaterin Helena Ahonen, dass das in Kuhmilch enthaltene tierische Östrogen die Größenentwicklung der Prostata fördern kann, und ebenso „bei Frauen erwiesenermaßen die Entstehung von Gebärmutter- und Brustkrebs“.

Inzwischen besteht laut Worm Entwarnung. „Vor wenigen Wochen sind die umfassendsten Meta-Analysen aller Langzeitstudien zum Einfluss von Milchkonsum auf die Gesundheit veröffentlicht worden und darin ist das Risiko für Prostatakrebs NICHT bestätigt worden.“ Außer, dass Milch bei Hautproblemen (wie Akne) nicht so günstig sein soll, weil ihr Hormongehalt den Ausbruch von Pickeln begünstigen kann – das hat auch Hautarzt Dr. med. Timm Golüke einst gegenüber FITBOOK bestätigt.

Aber: „In verschiedenen Untersuchungen konnte durch einen höheren Milchkonsum vielmehr ein gemindertes Risiko auf Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen festgestellt werden“, berichtet er uns. Dies hat er ausführlicher in seinem Buch „Flexi-Carb: Mediterran genießen, Lebensstil beachten“ behandelt.

Kurzum: Der Wissenschaftler hält Milch und Milchprodukte für „nährstoffreiche, kostengünstige und traditionelle Nahrungsmittel, die für die meisten Menschen gut verträglich sind.“ Ausnahmen seien vielleicht die mit einer Milchzuckerunverträglichkeit, die jedoch auf die laktosefreien Varianten zurückgreifen können. Wenn keine Intoleranz oder ähnliches dagegen spricht, rät Professor Worm zum weiterhin reuelosen Konsum. „Aus wissenschaftlicher Sicht scheinen die fermentierten Milchprodukte besonders gesundheitsförderlich zu sein“, fügt er hinzu, und außerdem jene mit natürlichem Fettgehalt.

Frau trinkt Cappuccino
Wenn Sie gerne Milchkaffee und Co. mit normaler Milch trinken, dann spricht (unseren Experten zufolge) nichts dagegenFoto: Getty Images

Und was sagt ein Ernährungsmediziner?

Dr. med. Matthias Riedl, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologe, formuliert es vorsichtiger als der Diplom-Ökotrophologe, würde ihm aber noch eher zustimmen. „Es ist absolut zu früh, den Stab über die Milch zu brechen“, sagt er FITBOOK. Aktuelle Studien jedenfalls sprächen gegen Melniks These, die auch er als rein theoretischen Ansatz bezeichnet, welche sich in Studien nicht wirklich wiederfinde.

WENN man bei Milch Einschränkungen machen will, dann…

Dr. Riedl räumt ein, dass man es mit dem Milchkonsum ja nicht übertreiben muss. Denn: „Ab einem Liter kann eine Häufung von Prostatakrebs statisch angenommen werden.“ Doch selbst leidenschaftliche Milch-(Kaffee-)Trinker dürften auf diese Menge nur mit Mühe und Not kommen.

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Ansonsten rät auch Riedl zur möglichst naturbelassenen Milch, also genau dem Gegenteil von Professor Melnik. „Je weniger verarbeitet die Milch, desto weniger Allergieneigung“, sagt er uns. Und glaubt man Professor Worm, tritt eine solche „echte Kuhmilch-Allergie“ ohnehin nur im Säuglings- und Kleinkindalter vor und wachse sich bis zum Erwachsenenalter in der Regel aus.