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Nachgefragt beim Urologen

Was bringt eine therapeutische Prostatamassage für die Gesundheit?

Mann auf einer Liege
FITBOOK weiß, ob Prostatamassagen zu Therapiezwecken sinnvoll sind – oder nichtFoto: Getty Images

Prostatamassagen kennt man aus der Diagnostik von Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane. Mitunter werden sie aber auch zu Therapiezwecken eingesetzt – etwa bei Erektionsstörungen oder Problemen beim Wasserlassen. Ist das sinnvoll? FITBOOK hat sich informiert.

Prostatamassage beschreibt eine gezielte Manipulation der Prostata. Die Maßnahme erfolgt in der Regel zur medizinischen Untersuchung auf Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane. Daneben finden Prostatamassagen auch zu verschiedenen therapeutischen Zwecken Anwendung.

Prostatamassage bzw. Tastuntersuchung zur Diagnostik

Die Prostata (auch: Vorsteherdrüse) ist ein männliches Fortpflanzungsorgan. Ein darin gebildetes Sekret ist maßgeblich an der Spermaproduktion beteiligt. In manchen Fällen soll eine Prostatamassage den Austritt besagter Flüssigkeit bewirken, um diese z. B. auf Bakterien untersuchen zu können. Mediziner gehen so dem Verdacht auf eine chronische Prostataentzündung (Fachbegriff: Prostatitis) nach.

Ebenso kann die Untersuchung auf ertastbare Anomalien abzielen. Größen- oder Formveränderungen der Prostata weisen womöglich auf eine Erkrankung (z. B. einen Tumor) hin.

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Therapeutische Prostatamassage

Mitunter sollen Prostatamassage auch Therapiezwecke erfüllen. Ein Beitrag zu dem Thema ist aktuell beim Gesundheitsportal „Healthline“ erschienen.

Demnach kann eine Prostatamassage dabei helfen, den paarweise angelegten Spritzkanal (welcher durch die Prostata verläuft) zu reinigen. Mithilfe einer so provozierten Sekretion verspreche man sich die Linderung verschiedener Beschwerden.

Behandlung erektiler Dysfunktionen

Laut „Healthline“ haben sich Männer früher, bevor es dafür arzneiliche Hilfsmittel gab, bei Erektionsstörungen per Prostatamassage selbst zu behandeln versucht. Und so gebe es auch heute noch die Möglichkeit, sich kurzfristig durch händische Stimulation über das Rektum einen Lustgewinn zu verschaffen, der zu einer Erektion führen kann.

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Linderung von Schmerzen beim Ejakulieren

Zudem soll eine Prostatamassage gegen wiederkehrenden Schmerzen beim Ejakulieren helfen. Diese können bspw. aus einer gutartigen Vergrößerung der Prostata oder einer Entzündung im Bereich der Blase resultieren.

Für leichteres Wasserlassen

Die Prostata liegt unterhalb der Blase. Deshalb können Schwellungen der Prostata das Wasserlassen erschweren. Vor allem im Bereich der Heilpraktik glaubt man, per Prostatamassage den Rückgang etwaiger Schwellungen fördern und somit den Urinfluss verbessern zu können.

Hinweis: Sollten Sie von einer oder mehreren der genannten Beschwerden betroffen sein, bitte keinesfalls versuchen, selbst eine Prostatamassage durchzuführen! Bei jeder Art von Veränderungen oder dem Verdacht einer Erkrankung empfiehlt sich dringend die gründliche Untersuchung durch einen Urologen.

Wie funktioniert eine Prostatamassage?

Für gewöhnlich erfolgt eine Prostatamassage durch Einführen eines Fingers in den Darmausgang und Druckausübung. Dafür verwendet man idealerweise einen Einmalhandschuh, z. B. aus Kunststoff.

Im erotischen Kontext gibt es zum Zweck der Prostatastimulation auch spezielle Tools (u. a. Vibratoren). Aber auch hier sind händische Massagen durchaus gängig.

Massagetherapie wirklich sinnvoll? Das sagt der Arzt

Mediziner sehen Prostatamassagen zu gesundheitlichen Therapiezwecken offenbar eher kritisch. Es gebe dadurch keinerlei wissenschaftlich nachgewiesenen Vorteile. Das erklärt auf FITBOOK-Nachfrage der Urologe Dr. med. Christoph Pies, dessen neues Fachbuch zum Thema Prostata („Fokus Prostata“, Herbig Verlag) im März erscheinen wird.

Keine eindeutige Datenlage

Pies verweist auf Analysen durch die renommierte Cochrane-Organisation. Diese haben die Wirksamkeit von Prostatamassagen bei u. a. chronischer Prostatitis untersucht – und seien zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Um es in den Worten der Studienautoren zu sagen: Es lasse sich abschließend nicht sicher beurteilen, ob Prostatamassagen die Symptome einer Prostatitis verringert – oder im Vergleich zur Kontrollgruppe womöglich gar verstärkt haben.

Alle Details dazu sind im Abstract der Untersuchung nachzulesen. Für Pies ist jedenfalls klar: „Auf dieser Basis können wir Urologen Prostatamassagen nicht als Standard für eine Therapie empfehlen.“

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Warnung vor Verletzungen – und Schlimmerem

Auch „Healthline“ sieht das Ganze nicht unkritisch. Ohne medizinisches Grundwissen bestehe durch Prostatamassagen die Gefahr, etwaige Symptome zu verschlimmern sowie sich zu verletzen.

Selbst Urologen nehmen unter bestimmten Umständen Abstand von der Untersuchungsmethode. Falls etwa eine akute Prostataentzündung vorliegen könnte, berge eine Manipulation das Risiko, Bakterien ins umliegende Gewebe zu drücken.

Weniger gefährlich: eine Dammmassage

Folglich ist Vorsicht auch bei der Verwendung von Prostatamassagegeräten aus dem Sexspielzeug-Handel geboten. Eine weniger verletzungsverdächtige Stimulationsmethode ist die Massage des Damms (Fachbegriff: Perineum), die Region zwischen After und Hodensack.