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Günstig, robust, klimaschonend

Hirse – hilft das gesunde Mittelalter-Getreide beim Abnehmen?

Hirse
Woman hands holding bowl with uncooked millet on dark concrete background. Food composition with ingredients and rustic cooking utensils. Healthy and fresh cooking preparation at home, Top view (Woman hands holding bowl with uncooked millet on dark coFoto: Getty Images

Im Mittelalter versorgte Hirse den Großteil der Bevölkerung mit Energie und Nährstoffen, geriet aber nach Einführung der Kartoffel fast in Vergessenheit. Gesundheitsbewusste haben das kleine Powerkorn schon lange auf dem Schirm. Aktueller Forschung zeigt, dass Hirse gar ein Hebel für den globalen Kampf gegen Übergewicht sein könnte – und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen minimiert.

Hirse ist wahrlich ein sagenumwobenes Lebensmittel. So spielt das Getreide in dem berühmten Volksmärchen „Der süße Brei“ eine tragende Rolle, gilt traditionell als Symbol für Fruchtbarkeit und soll alter Heilkunde zufolge gegen Gelenkbeschwerden, Müdigkeit und Haarausfall helfen. Laut neusten Analysen hilft Hirse beim Abnehmen und bringt gleichzeitig ungesunde Cholesterinwerte wieder auf ein normales Niveau.

Hirse mach Hoffnung im globalen Kampf gegen Übergewicht

Übergewicht und die weltweite Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind ein immer gravierender werdendes Problem. So suchen Mediziner wie Ernährungswissenschaftler nach Lösungsansätzen, wie sich das Phänomen kostengünstig und leicht umsetzbar in den Griff bekommen lässt. Eine Antwort könnte in der Hirse stecken. Eine Analyse von 19 Studien, bei der zusammen über 900 übergewichtige Personen beteiligt waren, offenbarte, dass sich bereits nach 21 Tagen erstaunliche positive körperliche Veränderungen bemerkbar machen. Der komplette Forschungsbericht, bei dem fünf internationale sowie nationale Ernährungs- und Gesundheitsorganisationen samt der Universität Kobe (Japan) beteiligt waren, wurde im Fachmagazin „Frontiers in Nutrition“ veröffentlicht.1

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Nachweislich positive Wirkung auf Cholesterin und Blutdruck

Die Studie zeigte, dass der Verzehr von Hirse das Gesamtcholesterin um acht Prozent senkte und sich die Werte bei allen untersuchten Personen von einem hohen auf einem normalen Niveau einpendelten. Gleichzeitig regulierte sich der Blutdruck, wobei der diastolische Blutdruck um fünf Prozent abnahm. „Wir waren sehr überrascht von der Anzahl der bereits durchgeführten Studien zum Einfluss von Hirse auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies ist das allererste Mal, dass jemand all diese Studien zusammengetragen und ihre Daten analysiert hat“, erklärt Studienleiterin Dr. Seetha Anitha in einer Medienmitteilung.2 „Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass Hirse das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen minimieren kann.“

Hirse punktet mit hohem Gehalt an gesättigten Fettsäuren – sie helfen beim Abnehmen

Kommt das Herz-Kreislauf-System wieder in einen gesunden Takt, gehört Gewichtsverlust quasi zur natürlichen Begleiterscheinung. So senkte die neu gewonnene Hirse-Liebe den Body-Mass-Index (BMI) nach nur drei Wochen (50 bis 200 Gramm täglich) bei übergewichtigen Probanden um 7 Prozent (von durchschnittlich 28,5 auf 26,7). Die Forscher vermuten, dass der Gewichtsverlust dem besonders hohen Gehalt gesättigter Fettsäuren zu verdanken ist, welcher bei Hirse – verglichen mit Reis oder Weizen – bis zu zehnmal höher ausfällt.

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Glykämischer Index, Kalorien und Nährstoffe

Hirse ist und glutenfrei und hat einen niedrigen glykämischen Index. Das heißt, das Getreide lässt den Blutzuckerspiegel nicht in die Höhe schnellen. Hirse ist mit 11 Gramm Proteinen pro 100 Gramm zudem sehr eiweißreich und liefert im gekochten Zustand magere 119 Kalorien bei angenehmer Sättigung. Hirse enthält außerdem beachtliche Mengen an Magnesium, Phosphor und Eisen.3 Letzteres könnte zum Ruf von Hirse als Muntermacher beigetragen haben, denn Eisenmangel macht sich vor allem durch Müdigkeit bemerkbar.

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Günstig, robust, klimaschonend – Hirse hat das Zeug zum neuen Food-Star

Hirse ist ein günstiger, klimaschonender und gesunder Sattmacher, der beim Abnehmen unterstützen kann, heißt es im Studienbericht. Für die Autoren alles Gründe genug, Hirse weltweit noch populärer zu machen. „Adipositas und Übergewicht nehmen global sowohl in wohlhabenden als auch in ärmeren Ländern zu. Wir betrachten die Rückkehr zu diesem traditionellen Grundnahrungsmittel als sehr sinnvoll. Es könnte den Wendepunkt einiger wichtiger Gesundheitsprobleme darstellen“, erhofft sich Studienleiterin Anitha abschließend. Abwechslung auf den Speiseplan bringt das besondere Getreide allemal.

Quellen

  1. Anitha S, Botha R, Kane-Potaka J, et al. Can Millet Consumption Help Manage Hyperlipidemia and Obesity?: A Systematic Review and Meta-Analysis. Frontiers Nutrition. (2021)
  2. International Crops Research Institute for the Semi-Arid Tropics ICRISAT. Study shows millets can reduce risk of developing cardiovascular disease. (2021)
  3. Nutrition Data. Millet, cocked. Nutrition Facts and Calories. (aufgerufen am 19. August 2021)