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Das Gute steckt in der Schale

Diese Apfelsorten sind am gesündesten

Knallroter Apfel
Äpfel zählen zu den gesündesten Obstsorten. Aber nicht alle Apfelsorten sind deswegen gleich gesund
Foto: Getty Images

Jeder weiß, dass Äpfel sehr gesund sind. Doch woran liegt das genau? Kleiner Spoiler: in erster Linie nicht an ihren Vitaminen, denn da können andere Früchtchen deutlich mehr. Und hätten Sie gewusst, dass Apfel nicht gleich Apfel ist, was ihre Gesundheitswirkung betrifft?

Das englische Sprichwort „An apple a day keeps the doctor away“ ist selbst hierzulande den Meisten ein Begriff. Klar, Äpfel sind gesund, da gibt es keinen Zweifel. Andererseits: Kann es – Stichwort ausgewogene Ernährung – wirklich ausreichen, mit nur einem Apfel pro Tag seinen Obstbedarf zu decken? Natürlich nicht. Dennoch sind Äpfel wichtige Lieferanten von Vitaminen und – was nur wenige wissen – besonders wichtigen Pflanzenstoffen. Was sie im Detail so gesund macht, hat sich FITBOOK vom renommierten Ernährungsmediziner Dr. Matthias Riedl erklären lassen.

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Sind Äpfel das gesündeste Obst? 

Laut Dr. Riedl sei es nicht wirklich sinnvoll, von dem gesündesten Obst zu sprechen. Fest steht aber: Äpfel sind extrem gesund – ihren Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen sei Dank. Vor allem sekundäre Pflanzenstoffe sind in hohen Mengen enthalten, was den Apfel besonders wertvoll macht. Was aus Ernährungssicht ebenfalls sehr relevant ist: Sie gehören zu den nur mäßig zuckerreichen Obstsorten.

Kleiner Junge hält Korb mit Äpfeln

Der kleine Mann weiß einfach, was für ihn gut ist. Nur über die Lagerung müssen wir nochmal sprechen Foto: Getty Images

Gibt es eine besonders gesunde Apfelsorte?

Im Allgemeinen gilt: Alte Apfelsorten (wie „Berlepsch“, „Boskoop“, „Cox Orange“ und „Idared“) sind gesünder. Warum? Weil sie laut Dr. Riedl weniger verarbeitet sind und Polyphenole (= ein sekundärer Pflanzenstoff) in solchen Mengen enthalten, an die neue Apfelsorten (wie z.B. Jonagold, Granny Smith oder Pink Lady) aufgrund ihrer hohen Verarbeitung nicht herankommen. Bzw. gar nicht herankommen sollen. Denn bei neuen Apfelsorten werden die Polyphenole fast vollständig rausgezüchtet, weil sie Äpfel sauer machen und schneller braun werden lassen (blöd für Allergiker, weil gerade Polyphenole das Apfelallergen unschädlich machen). Und leider steht für Supermärkte – wie auch für die meisten Konsumenten – ein gutes Aussehen an erster Stelle.

Warum das so schade ist, ist schnell erklärt: Polyphenole sind der natürliche Schutz von Äpfeln gegenüber Insekten- und Pilzbefall. Wächst ein Apfel in einer steril gehaltenen Plantage auf und wird im schlimmsten Fall auch noch gespritzt, muss er nur wenige bis gar keine Polyphenole bilden – schließlich ist ein Selbstschutz gar nicht mehr nötig. Anders sieht die Situation bei alten Apfelsorten auf, die häufig noch auf Streuobstwiesen wachsen und sich selbst gegen äußere Einflüsse schützen müssen – eine hohe Anreicherung mit Polyphenolen ist garantiert.

Eine Ausnahme unter den alten Sorten bildet der Golden Delicious. Denn weil die Sorte sehr anfällig für Pilz- und Schädlingsbefall ist, wird sie fast immer gespritzt.

Der Apfel als Hausmittel

Bei Durchfall verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch wichtige Mineralstoffe. Ein geriebener Apfel liefert neben Flüssigkeit vor allem den Ballaststoff Pektin. Pektin quillt im Darm auf, bindet die Flüssigkeit und verdickt so den dünnen Stuhl. (Quelle: Bundeszentrum für Ernährung)

Übrigens: Vor allem die knallroten Äpfel der Sorte „Idared“ oder „Boskoop“ sollen laut unserem Experten besonders viele Polyphenole enthalten, was sie für Verbraucher sehr empfehlenswert macht.

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Welche Inhaltsstoffe und welchen gesundheitlichen Nutzen haben Äpfel?

Wenn man über Obst spricht, denken viele, dass ein hoher Vitamin-C-Gehalt das Maß aller Dinge ist. Darum schicken wir gleich mal vorweg: Greifen Sie zu Zitrusfrüchten, Brokkoli, Paprika oder sogar Sauerkraut, um Ihren täglichen Bedarf an Vitamin C zu decken, aber nicht unbedingt zu Äpfeln (auch wenn Hersteller neuerer Sorten gerne den ach so hohen Vitamin-C-Gehalt preisen). Die gute Nachricht: Was Obst zu einem so gesunden Nahrungsmittel macht, hat mitnichten immer mit seiner Menge an Vitamin C zu tun – oder überhaupt mit Vitaminen, was das betrifft.

Äpfel sind vor allem so gesund, weil sie – wie bereits erwähnt – in großen Mengen sekundäre Pflanzenstoffe („Phytochemikalien“) wie Polyphenole enthalten – aber auch Flavonoide, Catechin und Kaempferol, um nur einige zu nennen. Deren Gesundheitseffekt beruht auf einer starken antioxidativen Eigenschaft. Antioxidantien wirken entzündungshemmend und schützen uns vor freien Radikalen (die durch Stress und äußere Umwelteinflüsse hervorgerufen werden) und somit im besten Fall auch vor Herzkreislauf-Erkrankungen, Krebs und Arthritis, wie mehrere Studien nahelegen.

Zudem sind sie reich an Ballaststoffen. Die tun unserem Körper gleich in zweifacher Hinsicht gut. Einerseits sanieren sie die Darmflora (und ein gesunder Darm ist aus medizinischer Sicht goldwert), andererseits werden Ballaststoffe im Darm zu kurzkettigen Fettsäuren umgewandelt, die der Darmschleimhaut als Energielieferant dienen. Außerdem sagt man dem Ballaststoff Pektin nach, dass er den Blutzuckerspiegel konstant hält und somit unser Hungergefühl dämpft – was für Leute, die abnehmen wollen, sehr interessant sein kann.

Außerdem sind Äpfel ein wertvoller Kalium-Lieferant.

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Sollte man die Schale mitessen?

Halb geschälter Apfel

Wie Sie Ihren Apfel NICHT behandeln sollten
Foto: Getty Images

Auch wenn es vor allem viele Kinderohren nicht hören wollen: Ja, ein Apfel sollte nicht geschält werden. Denn die meisten Vitamine, sekundären Pflanzenstoffe und Ballaststoffe sitzen in oder direkt unter der Schale. 

Sollte man auch das Kerngehäuse mitessen?

Wer sich ganz besonders gesundheitsbewusst fühlt, verputzt den Apfel auch gerne mal komplett. Ist man erstmal beim Kerngehäuse angekommen, bekommt selbst der süßeste Apfel einen bitteren Beigeschmack. Und unsere Sinne täuschen uns nicht. Denn Kerne enthalten Bitterstoffe, die – wenn sie erstmal zerkaut werden – von unserem Körper zu Blausäure umgewandelt werden. Diese kann Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen. Darum kann man das Kerngehäuse ohne schlechtes Gewissen der Biotonne überlassen.

Wie sollte man Äpfel lagern?

Auch an dieser Frage scheiden sich die Geister – die in der Regel in einer weiteren Frage mündet: im Kühlschrank oder in der Obstschüssel? Dr. Riedl tendiert zum Kühlschrank: Er empfiehlt, Äpfel bei zwei bis fünf Grad zu lagern. Am besten übrigens im Keller, weil man auch auf eine hohe Luftfeuchtigkeit achten sollte. Und noch ein Profi-Tipp, der gegen die Obstschale spricht: Früchte sollten sich am besten nicht gegenseitig berühren.

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