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Food-Trend verspricht

Alles essen und trotzdem abnehmen

Pizza essen und dennoch abnehmen
Abnehmen ohne großen Verzicht? Mit „intueat“ soll das möglich sein
Foto: Getty Images

Diäten und Ernährungspläne versprechen viel und halten oft wenig. Dabei ist der Weg zum Idealgewicht im wahrsten Sinne des Wortes kinderleicht. FITBOOK erklärt, warum wir wieder essen sollten wie unser zweijähriges Ich.

Achtsames Essen statt strenge Diät heißt die Formel, die auch Mareike Awe mit dem von ihr entwickelten Ernährungsprogramm „intueat“ (vom Englischen „intuitive” und „eating“) verfolgt. Wir haben mit der Expertin über Hunger, Fast Food und den Jojo-Effekt gesprochen.

Medizinerin Mareike Awe entwickelte 2015 das intueat-Programm zusammen mit Mit-Gründer Marc Reinbach
Foto: https://www.intueat.de/

Wie sind sie auf die Idee zu „intueat“ gekommen?

„Als Jugendliche war ich sehr schlank, nahm dann aber etwas zu, als ich mit dem Leistungsschwimmen aufhörte. Um gegenzusteuern, fing ich an, Diät zu halten. Das hatte leider nicht den gewünschten Effekt, sondern führte dazu, dass ich noch mehr zunahm. Irgendwann entschloss ich mich, die Notbremse zu ziehen und etwas zu verändern. Ich fing an zu recherchieren und stieß auf den Ansatz des ‘intuitiven Essens‘, der mich sofort überzeugte. Mir wurde einfach klar, dass Diäten gar nicht funktionieren konnten und ich eignete mir das intuitive Essen im Selbstversuch an. Dabei merkte ich, dass Gewohnheitsumstellungen im Kopf beginnen und dass mentales Training der Schlüssel zum Erfolg war. Im Endeffekt konnte ich so mein Essverhalten normalisieren, ich spürte endlich wieder echten körperlichen Hunger und die entsprechende Sättigung. So nahm ich wie von selbst in nur drei Monaten zehn Kilo ab und hatte endlich wieder mein Wohlfühlgewicht. Ich halte mein Gewicht bis heute und bin sehr glücklich mit meiner neu erlangten Freiheit. Ich wusste damals direkt: Dieses Wissen muss ich mit so vielen Menschen wie möglich teilen. Alle sollten so ein befreites Essverhalten haben wie ich und dabei auch noch ihr Wohlfühlgewicht haben. Mit meinem Partner Marc Reinbach, der ebenfalls Medizin studiert, gründete ich dann intueat.“

Intuitiv Essen

Kinder können uns bei unserer Ernährung als Vorbild dienen
Foto: Getty Images

Was heißt denn überhaupt „intuitiv essen“?

„Es bedeutet vor allem, wieder auf die körpereigenen Signale zu hören. Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens – begünstigt durch quälende Diäten, ­– völlig verlernt, wie sich körperlicher Hunger und ein angenehmes Sättigungsgefühl anfühlen. Intuitive Esser wählen Lebensmittel aus, die ihnen schmecken und guttun. Dabei geht es nicht darum, ob sie besonders kalorienarm sind oder Diätregeln entsprechen.

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Und was sind die Vorteile?

„Zum einen ist es so, dass intuitive Esser ein entspanntes Essverhalten haben und sich ihre Gedanken nicht ständig ums Essen drehen. Viele Diätgeplagte leiden sehr darunter, ständig darüber nachdenken zu müssen, wann sie was gegessen haben, wann sie sich die nächste Mahlzeit erlauben und wie groß sie ausfallen darf. Das gibt es beim intuitiven Essen nicht. Hier kann jeder essen, was er möchte. Eine Einteilung von Lebensmitteln in Kategorien wie ‘gut‘ und gesund‘ oder ‘böse und ungesund‘ findet nicht statt. Und dadurch, dass man sich nichts mehr verbietet, werden Lebensmittel wie Chips, Schokolade, Eis oder Pizza auch nicht mehr zur verbotenen Frucht. Meistens merkt man dann, dass einem Süßigkeiten und Fast Food gar nicht unbedingt gut bekommen und greift zu gesünderen Lebensmitteln.“

Warum wissen Kinder so genau, wann sie satt sind und warum fällt uns Erwachsenen das so schwer?

„Kinder haben den Vorteil, dass ihr Essverhalten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt noch nicht von außen beeinflusst wurde. Sie können ihr intuitives Essverhalten bewahren – bis ihnen eingetrichtert wird, sie müssten aufessen, damit die Sonne morgens scheint. Oder sie müssten frühstücken, obwohl sie keinen Hunger haben. So wird das Hunger- und Sättigungsgefühl missachtet und irgendwann verlernt. Später kommen dann noch Ernährungsmythen hinzu und sie fangen an, sich über Nährwerte und Co. Gedanken zu machen, statt weiter intuitiv zu wählen, was ihnen schmeckt und guttut.“

Kinder essen intuitiv nicht mehr als sie brauchen
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In ihrem Programm unterteilen sie verschiedene Arten von Hunger und sagen, dass unser größter Feind der so genannte „Geisthunger“ ist. Was heißt denn das?

„Der Geisthunger ist das Gegenteil von echtem Körperhunger. Geisthunger, bei intueat auch Kopfhunger genannt, kann sowohl durch äußere, als auch durch innere Essensanreize ausgelöst werden. Ein solcher Essensanreiz wäre beispielsweise zu essen, um Stress zu bewältigen. Oder zu essen, weil es acht Uhr morgens ist und man morgens nun mal frühstückt – obwohl man vielleicht gerade gar keinen Hunger hat.“

Weshalb funktionieren die meisten Diäten nicht?

„Diäten bringen meist nicht das gewünschte Ergebnis. Stattdessen gehen sie mit vielen negativen Begleiterscheinungen einher. Es beginnt damit, dass sie ein hohes Maß an Disziplin erfordern. Kann man das nicht aufbringen, stellt sich schnell ein Gefühl des Versagens ein. Die bei Diäten oft einseitige Ernährung führt nicht selten zu Mangelversorgungen und Verdauungsbeschwerden. Durch den ständigen Verzicht wird außerdem die Gefahr von Heißhungerattacken deutlich gesteigert. So kommt es auch, dass die meisten Diäten zum Scheitern verurteilt sind und es schlussendlich zum berühmten Jojo-Effekt kommt.“

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Apropos: Was ist eigentlich mit dem Jojo-Effekt?

„Wer seine Gewohnheiten langfristig umstellt, wirklich ein intuitiver Esser wird und dadurch sein Gewicht reduziert, muss sich um den Jojo-Effekt keine Sorgen machen. Ein Jojo-Effekt tritt ein, wenn man eine Diät beendet und wieder in alte Verhaltensmuster zurückfällt. Intueat ist aber keine Diät, die irgendwann einfach endet – sondern eine Einstellung, die man sein Leben lang behalten und genießen kann.“

Heißhungerattacken sind meist das größte Problem. Haben sie einen Notfalltipp?

„Wichtig ist, zu ergründen, wodurch die Heißhungerattacke ausgelöst wurde. Die meisten Heißhungerattacken entstehen dadurch, dass man dem Körper zu wenige Kalorien zuführt. Irgendwann schreit der Körper aber nach Energie und holt sie sich durch Heißhungerattacken in zu hohen Mengen. Wer seinen Körper angemessen versorgt, wird auf Dauer immer weniger Heißhungerattacken erleiden.“

Heißhunger

Wenn der Heißhunger kommt, ist es meist schon zu spät
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Wie sieht die ideale Ernährung konkret aus?

„Es ist wichtig, die körpereigenen Hunger- und Sättigungssignale richtig zu deuten. Denn der Körper zeigt so, welche Nahrungsmenge er gerade benötigt. Wer diese Signale beachtet, braucht sich keine Sorgen darüber zu machen, ob er zu viel oder zu wenig isst. Jeder Körper funktioniert außerdem anders, jeder Mensch hat andere Bedürfnisse. Daher gibt es bei intueat nicht die eine richtige und ideale Ernährung. Jeder muss selbst für sich herausfinden, welche Lebensmittel ihm in welcher Menge guttun.“

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Nimmt jeder durch intuitives Essen automatisch ab?

„Kein Körper möchte freiwillig übergewichtig sein. Wer intuitiv isst, gibt seinem Körper genau das, was er braucht. Nicht mehr und nicht weniger. Ich selbst habe vor einiger Zeit zehn Kilo mit dieser Methode abgenommen und mein persönliches Wohlfühlgewicht erreicht, die Teilnehmer bei intueat nahmen bisher in 12 Wochen bis zu 21 Kilo ab. Auch, wenn viele Normalgewichtige bei uns abnehmen, kann ich für niemanden, der bereits normalgewichtig ist, eine Abnahme garantieren. Durch unseren Ansatz erreicht man das sogenannte ‘genetische Idealgewicht‘, das häufig im unteren Normalgewichtsbereich liegt. Mit dem genetischen Idealgewicht kann der menschliche Körper ideal funktionieren. Der Stoffwechsel läuft rund und die Verteilung von Fett, Muskeln und Wasser im Körper ist optimal.“

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Ist jegliche Art von Essen erlaubt? Was ist mit Fast Food und Co.?

„Es gibt keine Verbote. Wer seinen Cheeseburger mit Pommes langsam und mit Genuss isst, wird mehr davon haben als derjenige, den schon beim Essen das schlechte Gewissen plagt. Wenn man sich wirklich alles erlaubt, dann verschwindet nach einer Weile der Reiz, jedes Mal zu Fast Food zu greifen, und man wählt irgendwann automatisch das, was der Körper gerade wirklich benötigt. Das kann mal ein frischer Salat mit einem mageren Stück Hähnchenfilet sein. Durchaus aber auch mal der altbewährte Burger.“

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