Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Nachgefragt beim Fitnessprof

Was ist eigentlich Laktat – und was bedeutet es für mein Training?

Laktat: Was ist das eigentlich?
Wer sich beim Laufen richtig verausgabt hat, kennt das Gefühl, wenn das Laktat „in die Beine schießt“Foto: Getty Images

Das Salz der Erde ... – äh, nee, eher des Sports. Und um genau zu sein: das Salz der Milchsäure. Der Begriff Laktat ist den meisten Sportlern und auch vielen Nichtsportlern durchaus geläufig. Doch was ist das überhaupt und was hat es für eine Bedeutung für den Sportler? Diesen Fragen werden wir im Folgenden auf den Grund gehen.

Laktat ist, wie oben erwähnt, das Salz der Milchsäure und wird im Muskel durch die Verstoffwechslung von Kohlenhydraten gebildet. Da wir immer eine gewisse Menge an Kohlenhydraten verbrauchen, wird auch immer Laktat produziert. Daher haben wir immer einen gewissen Lakatspiegel. Dieser liegt in Ruhe bei den Meisten ca. bei 1,0 mmol/Liter Blut (physikalische Einheit für Stoffmenge pro Liter Blut).

Wenn Sie jetzt anfangen zu laufen bzw. sich zu bewegen, wird der Körper mehr Kohlenhydrate zur Energiebereitstellung umsetzen und der Laktatwert steigt. Dieses Phänomen wird bereits seit den siebziger Jahren genutzt, um sogenannte Laktattests bei Sportlern durchzuführen. Dazu läuft der Sportler für eine definierte Zeit in einem definierten Tempo und am jeweiligen Ende der jeweiligen Zeit wird ihm ein Tropfen Blut aus dem Ohrläppchen oder der Fingerkuppe entnommen.

Bestimmung der anaeroben Schwelle

Daraus lesen die Wissenschaftler dann den Laktatwert und können zum Beispiel die sogenannte anaerobe Schwelle bestimmen. Hat der Läufer diese Schwelle erreicht (hier wird immer wieder die 4 mmol/l Schwelle erwähnt, dies kann aber individuell stark abweichen), kommt es zu einer „Übersäuerung“ im Muskel und der Sportler kann nicht mehr lange in diesem Tempo weiterlaufen. Um biologisch korrekt zu bleiben, sollte erwähnt werden, dass nicht Laktat direkt an der Ermüdung des Muskels schuld ist, sondern Wasserstoffionen, die quasi als Begleiterscheinung bezeichnet werden können.

Auch interessant: Wie bestimme ich meinen Maximalpuls?

Nichtsdestotrotz werden solche Tests seit vielen Jahrzehnten angewandt, um die Leistungsfähigkeit von Ausdauersportlern zu bestimmen und entsprechende Trainingsempfehlungen auszusprechen. Viele Jahre hatte Laktat den Ruf des „Bad-Guy“ im Sport. Da man früher dachte, dass die Ermüdung durch das Laktat zustande kam, schrieb man hohen Laktatwerten sowohl schädigende Wirkung für unsere Mitochondrien (kleine Kraftwerke in den Muskeln, wo Energie bereitgestellt wird) zu, als auch eine Hauptrolle beim sogenannten Muskelkater. Beides ist mittlerweile längst widerlegt und man könnte Laktat sogar als „Good-Guy“ bezeichnen. Es wird unter anderem zur Energiegewinnung, und sogar als Stimulus zur Wundheilung bzw. Gefäßneubildung diskutiert und somit könnten hohe Laktatwerte quasi eine Art „Höhentraining“ bewirken.

Auch interessant: Ab wie viel Metern ist es eigentlich Höhentraining?

Wenn Sie also noch mal jemanden sagen hören, dass Laktat schlecht sei und man am Ende eines Dauerlaufes auf keinen Fall einen Sprint machen sollte: belehren Sie ihn gern eine Besseren!

Letztlich bleibt die Frage, wer profitiert von solchen Laktattests?

Dies Frage kann man ganz leicht beantworten: Ausdauersportler!

Wenn Sie sich zum Beispiel mal auf einen Marathon vorbereiten wollen, würde ein solcher Test (unbedingt durchgeführt von einem Fachmann) durchaus Sinn machen. Damit könnte man nicht nur bestimmen, wie fit Sie im Moment sind, sondern auch ein adäquates Trainingstempo für Sie definieren und bei erneuter Testung Ihren Fortschritt beurteilen.

Auch interessant: Krafttraining für ältere Menschen – Sinn oder Unsinn?

Zur Person: Prof. Dr. Stephan Geisler ist Professor für Fitness & Health Management an der IST-Hochschule in Düsseldorf und Dozent für Olympisches Gewichtheben an der Deutschen Sporthochschule Köln. Dort promovierte er auch im Bereich der molekularen Sportmedizin. Sein Schwerpunkt in Forschung und Lehre liegt im Krafttraining. Er bildet seit über 15 Jahren Studenten und Fitnesstrainer aus und ist Autor verschiedener internationaler Fachpublikationen. Auf seinem YouTube-Kanal Fitnessprofessor und bei Facebook gibt er Tipps und Tricks für Sportler und Trainer.