13. Juli 2026, 10:04 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Kann allein der Duft von Schokolade das Krafttraining beeinflussen? Dieser ungewöhnlichen Frage sind Forscher aus Malaysia in einer Studie nachgegangen. Sie wollten herausfinden, ob der Geruch von Schokolade die Trainingsleistung und das Hungergefühl verändern kann – ganz ohne dass die Teilnehmer etwas davon essen. Die Ergebnisse liefern interessante Hinweise.
Schokoladenduft könnte die Leistung beim Krafttraining verbessern
Die Forscher verglichen den Geruch von Zartbitter- und Milchschokolade mit einer geruchsneutralen Vergleichslösung. Dabei untersuchten sie, ob sich der Duft auf die Leistung beim Krafttraining sowie auf Hunger und Sättigungsgefühl auswirkt.
Das Ergebnis: Unter beiden Schokoladendüften erzielten die Teilnehmer bessere Trainingsergebnisse als in der Vergleichsbedingung. Am stärksten fiel der Effekt bei der Zartbitterschokolade aus. Deren Duft verringerte zudem das Hungergefühl und erhöhte das Sättigungsgefühl.
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Durchführung der Studie
An der Studie nahmen 23 gesunde Männer teil, die seit mindestens zwei Jahren im Kraftsport erfahren waren. Vor jedem Test aßen sie mindestens zehn Stunden lang nichts. Jeder Teilnehmer absolvierte das gleiche Training an drei verschiedenen Tagen. Dabei roch er entweder an 90-Prozent-Zartbitterschokolade, an 60-Prozent-Milchschokolade oder an einer geruchlosen Flüssigkeit.1
Vor dem Training und vor jedem neuen Satz atmeten die Teilnehmer den jeweiligen Geruch für 30 Sekunden ein. Anschließend führten sie eine Übung für die Oberschenkelmuskulatur so lange aus, bis keine weitere Wiederholung mehr möglich war. Die Forscher zählten, wie viele Wiederholungen und Trainingssätze die Männer schafften. Außerdem fragten sie nach Hunger, Appetit und dem persönlichen Anstrengungsempfinden.
Die Ergebnisse der Studie im Detail
Schon vor dem Training machte sich der Duft der Zartbitterschokolade bemerkbar. Die Teilnehmer fühlten sich weniger hungrig, hatten weniger Appetit und gaben an, schneller satt zu sein. Der Duft der Milchschokolade hatte auf das Hungergefühl dagegen kaum Einfluss.
Am deutlichsten waren die Unterschiede bei der Trainingsleistung: Nach dem Geruch von Zartbitterschokolade schafften die Teilnehmer im Durchschnitt 18 Wiederholungen mehr als nach der geruchlosen Vergleichslösung. Im Vergleich zur Milchschokolade waren es neun Wiederholungen mehr. Außerdem absolvierten sie im Schnitt einen zusätzlichen Trainingssatz.
Auch der Duft von Milchschokolade wirkte sich positiv aus. Im Vergleich zur geruchlosen Lösung schafften die Teilnehmer durchschnittlich neun Wiederholungen mehr. Obwohl sie insgesamt mehr leisteten, fühlte sich das Training für sie nicht anstrengender an als in den anderen Testdurchgängen.
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Was das nun bedeutet
Die Studie liefert erste Hinweise darauf, dass lebensmittelbezogene Gerüche das Krafttraining im nüchternen Zustand beeinflussen könnten. Warum der Schokoladenduft die Trainingsleistung verbesserte, konnte die Studie aber nicht gänzlich klären. Zwar fühlten sich die Teilnehmer unter dem Duft der Zartbitterschokolade weniger hungrig und satter, ein direkter Zusammenhang zwischen diesen Veränderungen und der besseren Leistung ließ sich jedoch nicht nachweisen.
Die Forscher vermuten, dass Gerüche über das Gehirn Prozesse beeinflussen könnten, die unter anderem mit Motivation, Belohnung und der Vorbereitung des Körpers auf die Nahrungsaufnahme zusammenhängen.
Dass Gerüche unser Essverhalten und unsere Motivation beeinflussen können, gilt grundsätzlich als plausibel. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 beschreibt, dass der Geruchssinn eng mit Hirnregionen verknüpft ist, die Hunger, Belohnung und Stoffwechsel steuern. Schon der Duft eines Lebensmittels kann dort Signale auslösen, die den Körper auf eine mögliche Nahrungsaufnahme vorbereiten. Ob genau diese Prozesse auch die bessere Trainingsleistung in der aktuellen Studie erklären, ist allerdings bislang nicht belegt.2
Stärken und Schwächen der Studie und wie sie einzuordnen ist
Die Studie hat einige Stärken. So absolvierte jeder Teilnehmer alle drei Testbedingungen, wodurch sich die Ergebnisse besser vergleichen lassen. Außerdem wussten weder die Teilnehmer noch die Untersuchenden, welche Schokoladenbedingung gerade getestet wurde. Das verringert das Risiko, dass Erwartungen die Ergebnisse beeinflussen.
Dennoch sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren. An der Studie nahmen nur 23 junge, gesunde Männer teil, die regelmäßig Krafttraining betrieben. Ob sich die Ergebnisse auch auf Frauen, ältere Menschen oder Untrainierte übertragen lassen, ist daher unklar. Außerdem wurde nur eine einzige Kraftübung untersucht.
Ein kritischer Punkt ist zudem, dass die Teilnehmer die geruchlose Kontrollflüssigkeit (Wasser) leicht erkennen konnten. Dies könnte ihre Erwartungen und damit unbewusst auch ihre Leistung beeinflusst haben.
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Die Studie zeigt zwar, dass die Teilnehmer unter dem Schokoladenduft besser abschnitten, sie kann jedoch nicht belegen, dass der Geruch tatsächlich die Ursache für die Leistungssteigerung war. Welche biologischen oder psychologischen Prozesse dahinterstecken, bleibt ebenfalls offen. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob sich die Ergebnisse bestätigen und auch auf andere Personengruppen oder Sportarten übertragen lassen.