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Laut großer Studie

Warum Männer langsamer in den Marathon starten sollten als Frauen

Laut einer Studie verausgaben sich Männer deutlich häufiger beim Marathon als Frauen
Laut einer Studie verausgaben sich Männer beim Marathon deutlich häufiger als Frauen Foto: Getty Images / Elena Popova
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Martin Lewicki
Freier Autor

9. Juli 2026, 13:05 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, weiß, dass besonders die zweite Hälfte kräftezehrend ist. Nun hat eine große Studie mit über 870.000 Marathonläufern gezeigt, dass Frauen mit der Beanspruchung in der zweiten Hälfte deutlich besser klarkommen als Männer. Dies könnte zwei Gründe haben. 

Beim Marathonlauf ist es besonders wichtig, die eigenen Kräfte richtig einzuteilen. Was viele unterschätzen, ist der Übergang zum Fettstoffwechsel, wenn die Kohlenhydratspeicher aufgebraucht sind.1 Dies geschieht in der Regel in der zweiten Hälfte der 42,195 Kilometer langen Distanz. Das heißt, der Körper greift nicht mehr hauptsächlich auf Kohlenhydrate, sondern auf die eigenen Fettreserven zur Energiegewinnung zurück. Gleichzeitig ist der Körper bereits erschöpft. Eine große Studie mit Berliner Marathonläufern hat nun gezeigt, dass Frauen in der zweiten Marathonhälfte offensichtlich deutlich besser zurechtkommen als Männer. Letztere haben viel häufiger einen deutlichen Leistungsabfall. Doch woran könnte das liegen, dass Männer und Frauen sich unterschiedlich beim Marathon verausgaben?

Was wurde in der Studie untersucht?

Internationale Forscher haben die Daten der Berliner Marathonläufer ausgewertet und verglichen.2 Hierzu analysierten sie die Laufzeiten des Berlin-Marathons aus dem Zeitraum von 1999 bis 2025, die von insgesamt 873.334 elektronischen Zeitmessgeräten erfasst wurden. Diese übermittelten alle fünf Kilometer die Zeiten für die zurückgelegte Distanz. Daraus konnten die Forscher die Geschwindigkeit für die jeweiligen Abschnitte ermitteln und die Pace der ersten mit der zweiten Marathonhälfte vergleichen. 

Im untersuchten Zeitraum waren 76 Prozent der Läufer männlich, mehr als die Hälfte von ihnen war zwischen 35 und 49 Jahre alt. In die Auswertung wurden nur diejenigen einbezogen, die den gesamten 42,195-Kilometer-Lauf absolvierten. Dabei kann es vorkommen, dass eine Person an mehreren Marathonläufen in Berlin teilnahm. Die Studie analysierte allerdings nur Läufer, die das Ziel erreichten. Wer wegen eines massiven Einbruchs aufgab (DNF), fehlt in der Statistik. Das Risiko für das „Gegen-die-Wand-Laufen“ könnte also insgesamt noch höher sein.

Übrigens wurden die Daten des Berliner Marathons für diese Studie ausgewählt, weil die Strecke im internationalen Vergleich als besonders flach gilt. Dadurch verfälschen keine An- und Abstiege die Daten. Außerdem sind es ideale Bedingungen für neue Rekordläufe, wie zuletzt Tigist Assefa mit dem neuen Frauenweltrekord (2:11:53 Stunden) im Jahr 2023 bewies (FITBOOK berichtete).

Was ist die Marathonwand?

Viele Marathonläufer sprechen von der sogenannten Marathonwand beziehungsweise von der Angst, gegen diese Wand zu laufen. Damit ist der Moment im Lauf gemeint, in dem Körper und Geist plötzlich schwächeln und man sich durch diese imaginäre Wand hindurchkämpfen muss. Dieser Moment entsteht oft durch eine Mischung aus leeren Energiereserven – also leeren Kohlenhydratspeichern – und Muskelermüdung. Beides schlägt auf die Stimmung, was sich in einem körperlichen und geistigen Tief widerspiegelt. 

In der Studie definieren die Forscher diese Phase als den Zeitpunkt, an dem ein Läufer in der zweiten Marathonhälfte einen Leistungsabfall von mindestens 20 Prozent im Vergleich zur ersten Hälfte hat.

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Männer laufen deutlich häufiger gegen die Wand, im Vergleich zu Frauen

Die Auswertung der Daten ergab zunächst, dass Männer Marathonläufe im Durchschnitt schneller absolvierten als Frauen. So betrug die durchschnittliche Laufzeit bei Männern 4:02 Stunden, bei Frauen hingegen 4:29 Stunden. Interessanterweise sind Männer jedoch in der zweiten Marathonhälfte etwa doppelt so häufig „gegen die Wand“ gelaufen. Das heißt, sie hatten einen deutlichen Leistungsabfall im Vergleich zur ersten Marathonhälfte. Noch überraschender ist, dass bei den schnellsten Läufern (mit einer Laufzeit unter drei Stunden) Männer sechsmal häufiger von einem Leistungseinbruch betroffen waren als Frauen. 

Zudem zeigte sich, dass das Tempo männlicher Läufer tendenziell weniger gleichmäßig war als das der Läuferinnen. Männer neigten dazu, erst später im Lauf, bei etwa Kilometer 25, deutlich langsamer zu werden. Frauen hingegen schon bei Kilometer 20.

Außerdem hielten 52 Prozent der Frauen, aber nur 36 Prozent der Männer während des gesamten Marathonlaufs ein gleichmäßiges Tempo bei. Das heißt, sie waren von keinem Leistungseinbruch betroffen. Und auf den letzten fünf Kilometern des Rennens reduzierten Männer ihr Tempo um rund 18 Prozent, Frauen hingegen nur um 13 Prozent.

Mögliche Erklärungsversuche für die Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Marathon

Die Forscher nennen zwei mögliche Gründe, warum Männer stärker vom Leistungsabfall beim Marathon betroffen sind als Frauen. So hätten frühere Untersuchungen bereits gezeigt, dass Frauen beim Laufen möglicherweise besser in der Lage sind, ihren Glykogenspiegel aufrechtzuerhalten.3

Das bedeutet, dass der weibliche Körper womöglich kontinuierlicher mit Energie versorgt wird, was vor einem Leistungsabfall schützt. 

Zum anderen können Frauen ihre Pace wahrscheinlich realistischer einschätzen und sie bereits zu Beginn des Laufs an ihre persönliche Leistungsfähigkeit anpassen. Männer hingegen starten oft selbstüberschätzend in einen Lauf, sodass ihnen in der zweiten Hälfte die Luft ausgeht. Das könnte damit zusammenhängen, dass Männer ein anderes Wettkampfverhalten haben als Frauen, wie in einem wissenschaftlichen Beitrag untersucht wurde.4

Ob das tatsächlich auch auf Marathonläufe zutrifft, müssten jedoch weitere Studien explizit untersuchen. Dennoch lässt sich aus den Daten ablesen, dass Männer davon profitieren könnten, wenn sie einen Marathon etwas langsamer angehen und sich die Kräfte für die zweite Hälfte aufsparen. So müssten viel seltener Männer gegen die imaginäre Marathonwand laufen.

Quellen

  1. Sportambulatiorium Wien: Der Long Jog (aufgerufen am 8.7.2026) ↩︎
  2. Seffrin, A., Villiger, E., Andrade, M.S., et. al. (2026). Sex differences in marathon pacing: analysis of 873,000 Berlin marathon runners reveals men are twice as likely to "hit the wall". Scientific Reports. ↩︎
  3. Hearris, M.A., Hammond, K.M., Fell, J.M., et. al. (2026). Regulation of Muscle Glycogen Metabolism during Exercise: Implications for Endurance Performance and Training Adaptations. Nutrients. ↩︎
  4. Niederle, M., Vesterlund, L. (2007). Do women shy away from competition? Do men compete too much? The Quarterly Journal of Economics. ↩︎

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