9. August 2026, 18:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Wer regelmäßig Ski fährt, hat sie vielleicht schon mal bemerkt: Sportler, die im freien Gelände fahren und dort mit Ski oder Snowboard im unberührten Schnee springen und beeindruckende Tricks machen. Die Rede ist von „Freeride“. Das Off-Piste-Fahren wird ab 2030 offiziell Teil der Olympischen Winterspiele und feiert seine Premiere bei den Spielen 2030 in Frankreich. Im Juli 2026 hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Aufnahme der Disziplin in das olympische Programm bestätigt. Eine Sportlerin, die dabei wohl antreten wird, ist Jana Häusl. Die 17-jährige Österreicherin ist Doppelweltmeisterin der Junioren und hat FITBOOK im Interview Einblicke in ihr Training und ihre Vorbereitung gegeben.
FITBOOK: Freeride wird olympische Distanz. Wie fühlt sich das für dich an?
Jana Häusl: „Ich sehe das grundsätzlich sehr positiv. Dadurch, dass Freeride olympisch wird, bekommt der Sport jetzt eine völlig neue Aufmerksamkeit und die Sportler bekommen mehr Anerkennung für ihre Leistungen. Ich hoffe, dass dadurch der Sport auch mehr gefördert wird.“
Auch die Eltern waren Freerider
Deine Eltern, Geli und Stefan Häusl, waren selbst lange erfolgreich im Freeride. War dein Weg so gesehen vorgezeichnet?
„Das würde ich nicht sagen, nein. Natürlich bin ich in meinem sportlichen Umfeld aufgewachsen und kam schon sehr früh mit dem Skifahren in Berührung, aber da gab es nie Druck oder eine bestimmte Erwartungshaltung von meinen Eltern. Ursprünglich habe ich auch mit Alpin-Ski angefangen und war alpine Rennfahrerin, bis ich 15 Jahre alt war. Ich dachte eigentlich lange, dass ich diesen Weg einschlagen würde, aber dann habe ich Freeride für mich entdeckt. Die Community war da so positiv und familiär, dass ich mich gleich dort gut aufgehoben gefühlt habe, und so bin ich dann beim Freeride geblieben. Dass meine Eltern selbst Freeride-Sportler waren, spielt nur insofern eine Rolle, als dass ich von meinem Papa trainiert werde. Ich bin dazu am Schigymnasium Stams. Zusammen sind wir ein gutes Team.“
Wie sieht so ein typischer Tag am Schigymnasium aus?
„Im Winter haben wir zweimal die Woche Nachmittagsschule und am Vormittag Training. Das bedeutet, ich stehe in der Früh auf und bereite mich vor. Danach fahre ich an den Arlberg zum Trainieren, esse zu Mittag und gehe später zur Schule. So geht das ziemlich den ganzen Winter. Wenn guter Schnee ist, dann bleibe ich auch manchmal etwas länger am Arlberg, da ist das Schigymnasium sehr verständnisvoll.“
Welche Rolle spielt die Ernährung beim Freeride? Musst du auf etwas Bestimmtes achten?
„Ein gutes Frühstück kann Wunder bewirken. Ich esse am liebsten Eier oder Porridge in der Früh. Es gibt mir gute Energie und ich muss nicht sofort wieder etwas essen. Es mag vielleicht nicht so wichtig sein wie bei gewissen anderen Sportarten, aber unwichtig ist die Ernährung auf keinen Fall. Eine gesunde Ernährung, bei der alle Nährstoffbereiche abgedeckt werden, ist super!“
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Was Wintersport derzeit so gefährlich macht
So sieht das Training von Jana Häusl aus
Wie sieht dein Training im Sommer aus?
„Aktuell bin ich in Neuseeland. Da liegt jetzt Schnee, sodass ich neue Tricks üben und Ski fahren kann. Dafür eignet sich der Schnee hier perfekt, weil das ganze Skigebiet lawinengesichert ist. Zu Hause in Österreich ist es das nicht, da muss ich morgens immer erst mal die Lawinengefahr überprüfen. Hier ist gerade super viel Neuschnee, in dem man neue Sprünge und Tricks üben kann. Je älter der Schnee ist, desto härter wird er. Dann hat man vielleicht eine neue Idee im Kopf, aber kann die nicht umsetzen. Bei Neuschnee probieren wir einfach; da landet man nicht immer sauber, aber das gehört dazu. Ansonsten ist mein Trainingsplan so strukturiert, dass ich je nach Saison mal mehr Ski fahre, Tricks und Sprungtechnik übe, oder mehr Krafttraining einbaue.“
Wie sieht dein Training abseits der Piste aus?
„Das kann man nicht so einfach sagen. Spontan würde ich sagen: die Beine. Aber auch ohne einen starken Rumpf kannst du nicht gut springen und man braucht starke Arme, um die Tricks sauber auszuführen. Die Spannung beginnt schon oben im Körper. Wenn die nicht stimmt, bringen einem auch starke Beine und Sprungkraft nichts.“
Freeride ist für die Zuschauer ein echtes Spektakel. Eine falsche Bewegung und der Sportler stürzt. Wie schaltest du beim Freeride die Angst aus?
„Angst habe ich nicht. Ich spreche lieber von Respekt – und das ist völlig okay. Gerade wenn ich neue Tricks übe, habe ich großen Respekt davor. Deshalb arbeite ich mit einem Mentalcoach und habe mir ein paar kleine Rituale angewöhnt. Wenn ich vor einer Sache besonders großen Respekt habe, nehme ich meinen Zahnschutz in den Mund und sage mir: ‚Jetzt kann ich das!‘ Das hat bisher immer geholfen. Ich spreche die Worte laut aus, höre sie selbst und weiß: Ich kann das. Vor Wettkämpfen mache ich es ganz ähnlich. Da sage ich mir jedes Mal auf Englisch im Self-Talk: ‚I got this!‘.“
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Das rät die Freeriderin für alle, die sich für den Sport interessieren
Mit 17 bist du bereits zweifache Weltmeisterin der Junioren. Was rätst du anderen jungen Ridern, die jetzt durch die Olympia-Perspektive den Traum vom Profisport träumen?
„Ich würde ihnen erst mal zu einer guten und soliden Ski-Ausbildung raten. Die ist die Basis für alles Weitere. Man sollte natürlich fahren gehen, abseits der Piste. Ansonsten würde ich sagen: Pushen, an sich selbst glauben und dabei natürlich nichts Unüberlegtes machen. Ich würde mir einen Coach zum Üben nehmen, das ist sicherer, weil es so ein ‚geführtes Training‘ ist und der Trainer einschätzen kann, was man kann und was nicht. Wenn man noch nicht bereit für einen Trick ist, ist das sonst sehr gefährlich. Gerade kommen immer mehr Coaches im Feeride dazu – das finde ich toll!“
Hast du dir den 1. Februar 2030 – den Beginn der Olympischen Spiele – schon rot im Kalender markiert? Fall ja, ist da eher Druck oder Vorfreude?
„Wenn ich zurückdenke, wollte ich, seit ich klein war, bei den Olympischen Spielen mitmachen. Ein bisschen Druck ist da natürlich trotzdem. Als klar war, dass Freeride jetzt olympische Disziplin war, war ich direkt auf dem Titel einer österreichischen Zeitung mit der Zeile: ‚Jana Häusl ist Medaillen-Hoffnung‘. Da dachte ich mir schon erst mal ‚Oh!‘, aber dann wurde mir klar, dass das ein ganz schön großes Privileg ist, wenn andere Menschen mich so sehen und meine Arbeit anerkennen.“