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von FITBOOK

NACHGEFRAGT BEIM FITNESSPROF

Ist Krafttraining für Jugendliche schädlich oder sinnvoll?

Immer wieder begegnet Prof. Stephan Geisler die Frage, ob Krafttraining für Jugendliche schädlich sei. Darum will er nun mit dem „Zombie-Mythos“ aufräumen.
Immer wieder begegnet Prof. Stephan Geisler die Frage, ob Krafttraining für Jugendliche schädlich sei. Darum will er nun mit dem „Zombie-Mythos“ aufräumen.
Foto: Getty Images

Immer wieder begegnet unserem Fitnessprof – Prof. Dr. Stephan Geisler – die Frage, ob Krafttraining für Kinder oder Jugendliche in Wirklichkeit nicht schädlich sei. Aus diesem Grund will er an dieser Stelle ein für alle Mal mit einem beliebten Mythos aufräumen, den er liebevoll nur „Zombie-Mythos“ nennt.

Sie können sich nicht im Entferntesten vorstellen, wie oft ich schon die Frage gehört habe, ob Krafttraining für Kinder und Jugendliche nicht schädlich bis gefährlich sei.

Und egal wie oft man diesen Fragen mit wissenschaftlichen Fakten begegnet, dieser Mythos scheint sich ewig zu halten und immer wieder zu erwachen. Ich nenne ihn daher übrigens „Zombie-Mythos“!

Beeinflusst Krafttraining die Epiphysenfugen negativ? (Nein!)

Nun zu den Fakten:

Das wohl häufigste Vorurteil, welches immer wieder genannt wird, ist, dass angeblich die sogenannten Epiphysenfugen (Wachstumsfugen an den Knochenenden, die bis zum Abschluss des Wachstums geöffnet sind und somit ein Wachstum der Knochen ermöglichen) sich vorzeitig verschließen.

Tatsächlich gibt es nicht eine international veröffentlichte Studie, die ein solches Phänomen beobachtet hätte! Natürlich gibt es Situationen, wo dies eintreffen könnte, zum Beispiel bei einem Knochenbruch oder extremen und jahrelangen Überbelastungen (wie zum Beispiel beim professionellen Kunstturnen). Aber beim kontrollierten Krafttraining ist dies definitiv nicht der Fall.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Knochen durch entsprechende Belastung an Stabilität gewinnen und somit könnte ein kontrolliertes Krafttraining zu einem gesunden Knochenwachstum sogar beitragen.

Wie sollten Jugendliche Krafttraining am besten praktizieren?

Eine weitere Frage wäre, ob Kinder an Kraftmaschinen, mit Hanteln oder lieber „nur“ mit dem eigenen Körpergewicht trainieren sollten.

Dies kann man nicht so einfach beantworten: Es kommt darauf an…

Möglichkeit 1: Kraftgeräte

Wenn Kinder allein von der Körpergröße her nicht auf die Kraftgeräte passen, fällt diese Option schon einmal weg. Wenn ein Jugendlicher aber die entsprechende Größe mitbringt, spräche aus meiner Sicht nichts gegen ein gerätegestütztes Krafttraining. Ein Vorteil wäre hier sogar, dass die Bewegung mehr oder weniger vorgegeben ist und somit kaum abfälschende Bewegungen möglich sind.

Möglichkeit 2: Hanteln

Das Training mit Hanteln ist dagegen etwas anspruchsvoller und daher deutlich aufwendiger zu erlernen. Hier gilt der Leitspruch, du musst dir durch eine gute Technik „das Recht verdienen“, mit der Hantel arbeiten zu dürfen. Hier wäre also ein ausgiebiges Techniktraining mit sehr leichten Gewichten vorzuschalten und dann zu bewerten, wer ab wann womit trainieren darf/sollte.

Möglichkeit 3: Bodyweight

Das Training mit dem eigenen Körpergewicht ist natürlich immer ein Mittel der Wahl, allerdings auch abhängig vom jeweiligen Körpergewicht. Ein übergewichtiges Kind wird damit wohl mehr Probleme haben. Darum wäre hier ein Latzug wahrscheinlich sinnvoller als eine Klimmzugstange.

Ist Krafttraining bei Jugendlichen überhaupt effektiv? (Ja!)

Bleibt abschließend noch die Frage zu klären, ob Krafttraining vor der Pubertät auch effektiv ist, Stichwort: Hormone und Co.

Und auch diese Frage kann man ganz klar mit einem JA beantworten, da die hormonelle Situation in der Pubertät erstens günstig ist und Kraft zweitens durch eine verbesserte neuromuskuläre Zusammenarbeit aufgebaut wird. Und die kann in jüngeren Jahren vielleicht sogar noch effektiver trainiert werden.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein kontrolliertes und angeleitetes Krafttraining für Kinder und Jugendliche durchaus sinnvoll sein kann. Gemessen an der Gefahr, auf einem Fußballplatz verletzt zu werden, ist die Gefahr im Fitnessclub verschwindend gering.

Und für alle die, die mir immer noch nicht ganz glauben, in diesem Video interviewe ich zwei der bekanntesten Wissenschaftler (weltweit), die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Viel Spaß beim Zuschauen!

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Zur Person: Prof. Dr. Stephan Geisler ist Professor für Fitness und Gesundheit an der IST-Hochschule in Düsseldorf und Dozent für Olympisches Gewichtheben an der Deutschen Sporthochschule Köln. Dort promovierte er auch im Bereich der molekularen Sportmedizin. Sein Schwerpunkt in Forschung und Lehre liegt im Krafttraining. Er bildet seit über 15 Jahren Studenten und Fitnesstrainer aus und ist Autor verschiedener internationaler Fachpublikationen. Auf seinem YouTube-Kanal Fitnessprofessor und bei Facebook gibt er Tipps und Tricks für Sportler und Trainer. Mehr vom Fitnessprof finden Sie hier!