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„Weil mein Traum vom Mallorca-Lauf platzte, lief ich halt einen Halbmarathon allein zu Hause“

Wie motiviert man sich, allein einen Halbmarathon zu laufen?
Statt wie geplant auf Mallorca lief FITBOOK-Autorin Nina Ponath einen Halbmarathon in Hamburg – allein, statt im Rahmen eines offiziellen Laufs. Foto: Getty Images, Nina Ponath; Collage: FITBOOK
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Nina Ponath
Freie Autorin

26. Oktober 2025, 17:10 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Wie motiviert ist man, einen Halbmarathon ganz allein zu laufen – ohne Startnummer, ohne Publikum, ohne Medaille? FITBOOK-Autorin Nina stellt sich dieser Herausforderung? Unfreiwillig, weil ihr geplanter Lauf auf Mallorca ausgebucht war.

Eigentlich wollte ich gern den TUI Halbmarathon in Palma laufen. Die Idee kam mir zugegeben relativ spontan, oder – konkreter – drei Wochen vor meinem Flug nach Palma. Ich konnte ja nicht wissen, dass jährlich über 10.000 Läufer aus rund 50 verschiedenen Ländern
dieselbe Idee haben wie ich. Der Halbmarathon war schon seit Monaten ausverkauft.
„Dann lauf doch einfach deinen eigenen Halbmarathon!“, schlug eine Freundin vor. Und je länger ich darüber nachdachte, desto besser klang das in meinen Ohren.

Ich bin keine Laufanfängerin. Seit 2012 nehme ich regelmäßig an Volksläufen teil – mein erster war ein 8-Kilometer-Frauenlauf. Damals lockten mich vor allem das pinkfarbene Shirt und die Goodie-Bag, aber dann hat mich das Lauffieber gepackt. Aus 8 wurden 10 Kilometer, dann 21,1.

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2015 – mein erster Halbmarathon

Für meinen ersten Halbmarathon 2015 betrieb ich noch relativ viel Aufwand und besuchte extra eine Freundin in Berlin, um an der „Berliner Generalprobe“ zu starten. Danach folgten diverse Halbmarathons in Hamburg, aber ganz so angefixt wie von meinem ersten Halbmarathon war ich nicht mehr. Vielleicht liegt es daran, dass man sich mit der Zeit immer mehr an die Distanz gewöhnt und sie nichts Besonderes mehr ist; immerhin muss man auch im Training gelegentlich mal an die zwei Stunden laufen.

Oft war es sogar so, dass, je näher der Halbmarathon rückte, die Lust immer geringer wurde. Ich mag den Rummel auf Wettkämpfen nicht, der Aufwand ist mir zu groß – früh aufstehen, lange Autofahrten, nein danke. Am Tag des Wettkampfs wache ich früher oft nervös auf und lerne die meisten Laufbekanntschaften auf der Dixitoilette kennen. Ein Halbmarathon in der sonnigen Mallorca-Stadt Palma hatte mich dann aber mal wieder gereizt. Schade, dass daraus nichts wurde.

Challenge: Allein zu Hause eine Halbmarathon-Distanz laufen

Eine neue Herausforderung hatte ich dank des Vorschlags meiner Freundin gefunden. Doch wie fühlt es sich an, nicht in Wettkampfathmosphäre und umgeben von anderen Läufern, sondern allein für sich einen Halbmarathon zu laufen? Vielleicht braucht man die Aufregung des offiziellen Wettkampfs, um Höchstleistung abzurufen? Nun, bald würde ich es wissen.

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Aufregung ohne Wettkampfbedingungen

Meinen kleinen Privat-Wettkampf plante ich für einen Samstag im Oktober. Je näher der Halbmarathon-Tag rückte, desto geringer wurde meine Motivation (hah, das kenne ich!). Während ich mich zwei Tage vorher noch freute, machte sich am Tag vor dem Lauf Aufregung in mir breit. So richtig Lust hatte ich nicht mehr und ich erinnerte mich daran, wie diese Last-Minute-Nervosität mir schon früher so manchen Strich durch die Rechnung machen wollte. Immerhin hatte ich da die Startgebühr als zwingendes Argument, den Lauf nicht sausen zu lassen. Dieses Mal musste ich mich ganz allein motivieren.

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Halbmarathon allein für mich – los geht’s!

„Ist man beim Laufen nicht ohnehin allein?“, dachte ich, als ich mir morgens um sechs die Laufschuhe schnürte, mir zwei Toast mit Banane zwischen die Zähne klemmte und mich ins Auto setzte. Es geht los Richtung Hamburger Alster.

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Startschwierigkeiten

Viel Lust hatte ich nicht, als ich im Dunkeln parkte und die Alster vor mir liegen sah, aber was soll’s: „Du hast es dir selbst versprochen, ziehe es durch!“ Auf meiner Runde kam ich schleppend in Fahrt. Mein Puls schoss, aus welchen Gründen auch immer, stark nach oben, weshalb ich langsamer laufen musste, als ich wollte – 5:30 pro Kilometer. Vielleicht war es die Aufregung. Erst nach 20 Minuten pendelte sich mein Puls wieder ein. Wäre das ein offizieller Lauf gewesen, hätte es mich geärgert, dass ich meine Leistung nicht wie gewohnt abrufen konnte. So aber war ich gnädig mit mir und dachte mir: „Okay, wenn es gleich nicht besser ist, breche ich halt nach 10 Kilometern ab. Das ist doch immer noch besser als nichts.“ Zum Glück ging es nach dem ersten Einlaufen aber richtig gut. Nach einer Stunde ist klar, dass ich definitiv unter zwei Stunden bleibe – selbst wenn ich das Tempo extrem drossele. Vor Freude fühlt sich die Bewegung jetzt noch leichter an.

Meine persönliche Cheer-Zone mit Wasser-Stopp

Nach 16 Kilometern war ich mit meiner Freundin verabredet, die mich mit Wasser versorgen sollte. Ich schickte ihr eine Viertelstunde vor unserem vereinbarten Treffpunkt meinen Standort und freute mich, als ich sie in Eppendorf um die Ecke biegen sah. „Ich würde gern anhalten, aber ich habe Angst, dass ich dann rauskomme“, rief ich ihr mit einer kurzen Umarmung zu und öffnete meine Wasserflasche im Lauf.

Das kurze Treffen wirkte wie ein Booster (danke noch mal an dieser Stelle!) und ich fühlte mich wieder richtig aufgetankt. Die Cheer-Zone beim Wettkampf scheint also ihre Daseinsberechtigung zu haben.

Lauf mit mir und nicht gegen mich

Mein Lauf war nun spürbar leichter. Meine Beine fühlten sich leicht an und mein Puls war konstant im anaeroben Bereich. An ihm orientierte ich mich – ich hörte auf meinen Körper, nicht auf die Pace. Ziel war unter zwei Stunden zu bleiben, aber nicht um jeden Preis.

Vielleicht ist das beim offiziellen Wettkampf anders, da ordnet man den Körper auch mal kurz der Leistung unter. Das gefällt mir als Yogalehrerin aber ohnehin. Ich halte es für wichtig, achtsam mit sich selbst umzugehen. Allein den Halbmarathon laufend bekam ich einen besseren Zugang zum eigenen Befinden. Man kann besser in sich hineinspüren, als wenn alles laut ist und man in einer Traube von Menschen läuft. Ich mag das, laufe deshalb auch gern ohne Kopfhörer.

Ah, deshalb werden Strecken offiziell ausgemessen

Die Wettbewerbslaufstrecken werden von Hamburg bis nach Berlin offiziell vermessen. So ist sicher, dass die Distanz auch wirklich ein Halbmarathon, Marathon, oder was für ein Lauf auch gerade auf dem Plan steht, ist. Dass ich die Distanz vorab nur grob geschätzt hatte, merkte ich, nachdem meine zweite Alsterrunde beendet war. Eigentlich dachte ich, dass die 20 Kilometer geschafft wären, stattdessen fehlten mir aber noch rund drei Kilometer, bis ich mein Ziel „Halbmarathon“ erreicht hätte. Mist! Relativ unmotiviert baute ich zwei weitere Schlenker um einen Zulauf der Alster ein.

Halbmarathon allein: meine Zeit

Nach 1:53 kam ich schließlich ans Ziel – etwas langsamer als bei meinem letzten Halbmarathon, aber hey, es hat im Großen und Ganzen doch Spaß gemacht!

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