25. August 2026, 10:09 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Auf einem dünnen Bein, elegant in Rosa, stehen Flamingos oft stundenlang regungslos da. Selbst im Schlaf verlieren sie dabei nicht das Gleichgewicht. Uns Menschen sind sie damit deutlich überlegen. Dennoch lohnt es sich, den Selbstversuch zu wagen. Denn wie lange wir auf einem Bein stehen können, gilt in der Medizin als Marker für die sogenannte neuromuskuläre Fitness und möglicherweise sogar für gesundes Altern.
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So funktioniert der Flamingo-Test
Der Flamingo-Test („Flamingo-Challenge“) wurde vom britischen Gesundheitsdienst NHS gestartet. Ziel dieser Kampagne ist es, das Bewusstsein für Gleichgewicht und Sturzprävention zu schärfen. So geht die Flamingo-Challenge:
- Stellen Sie sich auf eine flache, stabile Oberfläche
- Heben Sie ein Bein an und stehen Sie auf dem anderen, ohne sich festzuhalten oder anderweitig zu stützen
- Halten Sie die Hände so bereit, dass Sie sich im Falle eines Gleichgewichtsverlusts schnell abstützen können
- Die Zeit wird gestoppt, sobald sich der Fuß vom Boden löst
- Ziel ist es, die für Ihre Altersgruppe vorgegebene Zeit zu erreichen1
Solange sollten Sie auf einem Bein stehen können
| Alter | Halten (in Sekunden) |
|---|---|
| 18- bis 49-Jährige | Eine Minute oder mehr |
| 50- bis 59-Jährige | 40 |
| 60- bis 69-Jährige | 35 |
| 70- bis 79-Jährige | 20 |
| > 80-jährige | > 5 |
Als Orientierung gelten altersabhängige Referenzwerte des NHS.1
Neuromuskuläre Fitness klingt zunächst einmal sehr sperrig, dabei ist sie das überhaupt nicht. Das griechische Wort „Neuro“ bedeutet „Nerven“, und „neuromuskulär“ beschreibt daher das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln. Je besser dieses Zusammenspiel trainiert ist, desto besser ist die neuromuskuläre Fitness. Und diese gibt laut diverser Studien wohl Aufschluss darüber, wie lange wir leben könnten.
10 Sekunden auf einem Bein stehen – Studien zeigen Zusammenhang mit Sterberisiko
2022 ordnete Harvard die Ergebnisse einer Studie, bei der die Teilnehmer zehn Sekunden auf einem Bein stehen mussten, als einen starken Marker für die allgemeine Gesundheit im mittleren Alter und eine höhere Lebenserwartung ein.2, 3An der Studie nahmen 1702 Menschen im Alter von 51 bis 75 Jahren teil.
Diejenigen, die die zehn Sekunden nicht halten konnten, hatten ein um 84 Prozent höheres Sterberisiko. Sieben Jahre nach dem Test waren 17,5 Prozent der Teilnehmer gestorben, die den Einbeinstand nicht geschafft hatten, gegenüber 4,6 Prozent derjenigen, die ihn bestanden hatten.
Wer auch den zehnsekündigen Test aus der Studie nachmachen möchte, der sollte sich barfuß auf ein Bein stellen. Das andere Bein wird angewinkelt, und der Fuß wird leicht hinter die Wade des Standbeins gelegt. Die Arme hängen seitlich am Körper, der Blick ist nach vorn gerichtet. In dieser Haltung zehn Sekunden verweilen und voilà – Sie haben den Test bestanden.
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Woran liegt’s? Menschen mit gutem Gleichgewicht sind häufig fitter
Harvard merkt jedoch an, dass die Ergebnisse lediglich einen Zusammenhang zeigen und keinen Beweis dafür liefern, dass besseres Gleichgewicht direkt das Leben verlängert. Die Studie selbst nennt als Schwachpunkt, dass die Sturzhistorie und das Ausmaß der körperlichen Aktivität nicht kontrolliert wurden: Die Forscher wussten nicht, wie sportlich die Leute sonst waren oder ob sie kurz zuvor schon mal gestürzt sind. Das könnte das Ergebnis beeinflusst haben. Menschen mit einem guten Gleichgewicht sind häufig auch fitter, treiben mehr Sport und ernähren sich gesünder. Darin könnte die eigentliche Erklärung liegen und nicht im Gleichgewicht selbst.
Ab 60 lässt Balance besonders schnell nach – so kann man gegenwirken
Corey Rovzar vom Stanford Prevention Research Center erklärt im Zusammenhang mit derselben Studie, dass Balance in den Trainingsroutinen vieler Menschen oft vernachlässigt werde, obwohl sie ab dem 60. Lebensjahr besonders schnell nachlasse.4
Die gute Nachricht: Das nachlassende Zusammenspiel von Nervensystem, Muskeln und Sinnen lässt sich in jedem Alter reaktivieren und trainieren. Gezieltes Gleichgewichtstraining kann helfen, Mobilität, Selbstständigkeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten. Ab 50 und 60 Jahren ist es essenziell, um die Selbstständigkeit zu bewahren, die Koordination zu stärken und Stürze im Alltag effektiv zu verhindern.
Laut Personal Trainerin Anna Rogalev sollte beim Training ab einem Alter von 60 Jahren der Fokus also auf der Prävention von Verletzungen, der Erhaltung der Muskelmasse und der Verbesserung von Balance und Beweglichkeit liegen, während das Training mit 50 oft noch ein wenig intensiver und vielseitiger gestaltet werden kann. Corey Rovzar empfiehlt insbesondere Einbeinübungen, Yoga, Tai-Chi oder Krafttraining.