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Wer nicht in die Norm passt, hat Pech

Brustschmerzen im Fitnessstudio – weil Maschinen nicht für Frauen designt werden?

Frauen haben mit manchen Maschinen im Fitnessstudio eher zu kämpfen, als dass sie sie beim Training unterstützen
Im Gym gibt es oft einen Ansturm auf die Maschinen, für manche Menschen können sie aber auch Frust bedeuten Foto: GettyImages/ Mongkolchon Akesin, Melanie Hoffmann; Collage: FITBOOK
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30. November 2025, 18:02 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Ich gehe seit rund 25 Jahren ins Fitnessstudio und freue mich, dass sich seit der Jahrtausendwende viel an Ausstattung und Design sowie Ambiente in den Gyms getan hat. Sie hat sich definitiv von der Muckibude, in der Mädels sich oft nur in Aerobic-Kurse oder in den Cardio-Raum trauten, weiterentwickelt. Klar ist mittlerweile zum Glück nämlich: Auch Frauen dürfen und sollten ihrer Gesundheit zuliebe Krafttraining machen. Und das nicht nur in separaten Frauen-Gyms. Aber kann es sein, dass das bei der Entwicklung der Maschinen für Fitnessstudios noch nicht bedacht wird? Dieses Gefühl beschleicht mich jedenfalls gelegentlich bei der Benutzung einiger Geräte.

Mein Krafttraining besteht aus einer Mischung aus Home-Workouts und Fitnessstudio. Zu Hause trainiere ich mit Hanteln und Bändern. Das Gym bietet mir den Vorteil, neben dem Freihantelbereich auch Maschinen zur Abwechslung zur Verfügung zu haben. Entsprechend frustriert es mich, wenn ich dies nicht optimal ausnutzen kann. Das ist besonders der Fall, wenn dies daran zu liegen scheint, dass beim Design der Maschine offenbar nicht an die Anatomie einer Frau gedacht wurde.

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Herausforderung: Crunch-Maschine

Als Beispiel dafür fällt mir die Crunch-Maschine ein, mit der man effektiv den Bauch trainieren kann. Statt die Crunch-Übung klassisch auf dem Boden auszuführen, macht man sie auf dem Gerät mit zusätzlichem Gewicht, das man je nach Bedarf einstellen kann. Die Maschine hält dafür eine Art Bank bzw. eine leicht schräge Sitzfläche bereit. Diese ist zumeist noch verstellbar, sodass man die Übung entweder mehr liegend oder mehr sitzend absolvieren kann. Hat man sich in die Maschine gesetzt, lehnt man sich mit der Brust auf ein dafür vorgesehenes Polster, das man bei der Crunch-Bewegung hinunter in Richtung Beine drückt. Für diese Drückbewegung muss umso mehr Bauchmuskelkraft bzw. Rumpfmuskelkraft genutzt werden, je mehr Gewicht man drücken möchte.

Nur mit Brustschmerzen durchführbar

Vielleicht geht es nicht allen Frauen so und vielleicht kennen auch manche Männer das Problem. Der Brustbereich ist schließlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich sensibel. Aber ich glaube, es sind wohl doch eher Frauen, die damit zu kämpfen haben: Die Brust schmerzt durch den Druck, den das Polster auf sie ausübt. Es ist nun mal nicht von der Hand zu weisen, dass bei uns Frauen in diesem Körperbereich im Durchschnitt etwas mehr „im Weg“ steht bzw. durch das Polster gequetscht werden kann als bei einem Mann. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich habe schon mal auf das Polster geschaut und mich gefragt: Warum ist da nicht innen eine Aussparung, sodass Menschen – egal ob mit großer oder kleiner Brust – dieses unangenehme bis schmerzhafte Gefühl erspart bleibt? Aber mal Scherz beiseite: Es muss doch möglich sein, eine Form zu designen oder ein Material zu nutzen, die angenehmer sind.

FITBOOK-Redakteurin Julia Freiberger an der Crunch-Maschine
FITBOOK-Redakteurin Julia Freiberger an der Crunch-Maschine Foto: FITBOOK

Zu klein für den Crunch an der Maschine?

Die Maschine, so erklärte mir eine Kollegin, hält noch eine weitere Tücke parat: Sie lässt sich für kleine Personen nicht optimal einstellen. Wenn sie die Crunch-Maschine benutzt, kann sie mit ihrem Oberkörper gar nicht effektiv das Polster herunterdrücken. Um dies zu schaffen, muss sie die saubere Ausführungstechnik aufgeben, was einerseits die Verletzungsgefahr erhöht und zum anderen die Effektivität der Übung beeinträchtigt.

Rückenmaschine – wieder schmerzhaftes Brustpolster

Ein weiteres Beispiel für Inkompatibilität von weiblicher Brust und Fitnessstudiomaschine? Eine Rückenmaschine. Bei diesem Gerät, das noch recht neu in dem speziellen Gym war, in dem ich an diesem Tag trainierte, beobachtete ich Interessantes. Eine Frau wollte die neue Maschine ausprobieren und holte sich dafür Rat von einem Trainer. Gemeinsam versuchten sie, die für sie optimalen Einstellungen, Gewichte und Ausführungen zu identifizieren. Die Maschine ist so designt, dass man sich stehend schräg mit dem gesamten Körper auf ein Polster lehnt. Die ausgestreckten Arme greifen die Hebel und ziehen diese und damit das eingestellte Gewicht hoch zum Körper. Das klingt nicht kompliziert, aber noch bevor die Frau ihre Trainingssätze absolviert hatte, hörte ich sie sagen: „Das tut weh an meiner Brust.“

Als ich das Gerät selbst ausprobierte, kam ich zu dem Schluss, dass die Schmerzen nichts damit zu tun hatten, dass sie zu viel Gewicht eingestellt hatte. Es ging also nicht um Schmerzen im Brustmuskel. Die Schmerzen waren auch hier eher wieder auf den Druck des Polsters auf die Brust zurückzuführen. Ich selbst empfand nämlich genau das als unangenehm, als ich mich mit meinem gesamten Körpergewicht in die Maschine lehnte.

Der Trainer erzählte mir, dass er häufiger von Kundinnen höre, dass sie manche Maschinen mieden, weil sie unangenehm im Brustbereich drückten oder sich nicht optimal auf ihre Körpergröße einstellen ließen. Er zeige ihnen dann gerne Alternativübungen mit Freihanteln, bedaure es aber, dass die Fitnessstudiomaschinen in dem Sinne nicht inklusiv seien.

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Es ist doch schade, Maschinen aus anatomischen Gründen nicht nutzen zu können

Natürlich gibt es Schlimmeres, als von vielleicht 20 Maschinen drei aufgrund von Brustschmerzen nicht nutzen zu können. Wobei, wäre ich eine kleine Frau, kämen da sicherlich noch einige Geräte dazu, für die ich zu klein wäre. Und, wenn wir den Gedanken mal weiterspinnen: Zu groß darf man für die meisten Geräte wahrscheinlich auch nicht sein. Auch mit „zu viel“ Körpermasse bekäme man sicherlich Probleme. Und das wiederum gilt für Frauen und Männer wohl gleichermaßen.

Normen überdenken

Sicherlich: Für die Massenproduktion von Produkten benötigt man eine Norm, an der man sich orientiert. Aber sollte man nicht wenigstens diese Norm gelegentlich noch auf Mehrheitstauglichkeit überprüfen? Wenn als Beispiel im Jahr 2000 noch 90 Prozent Männer die Maschinen in Fitnessstudios benutzten, mag ein „Durchschnittsmann“ als Richtwert noch weitgehend getaugt haben (sorry an alle „zu kleinen“, „zu großen“ und „mehrgewichtigen“ Männer). Doch wenn jetzt das Verhältnis womöglich 60 Prozent Männer und 40 Prozent Frauen sind – dann muss doch auch die Norm angepasst werden? Vielleicht würde eine solche Anpassung dann auch schnell dafür sorgen, dass das Geschlechterverhältnis im Gym ganz schnell 50 zu 50 betrüge.

Und noch ein weiterer Gedanke: Soll nicht alles individueller werden? Individuelle Trainingspläne, individuelle Präventionsstrategien, personalisierte Ernährung u. Ä. zielen darauf ab, für die einzelne Person Optimierungsmöglichkeiten zu bieten. Weg von „one size fits all“ (dt. „Eine Größe passt allen“). Wie passen in dieses Denken Fitnessstudiomaschinen, die nicht alle gleichwertig nutzen können? Vielleicht sollte das „Fitnessstudio der Zukunft“ mehr umfassen als individuelle Beratung von Trainerinnen und Trainern – nämlich Maschinen, die allen Menschen den gleichen Trainingseffekt und -spaß bieten. Wie diese aussehen könnten, ja, darauf bin ich dann ehrlicherweise selbst gespannt.

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