17. Mai 2026, 17:54 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Das sogenannte „Brain Endurance Training“ (BET) wurde speziell für Spitzensportler entwickelt. Es zielt auf eine gleichzeitige Verbesserung der körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit ab. Hinter der Methode steckt jahrelange wissenschaftliche Forschung, die nun auch zunehmend in den Bereich des gesunden Alterns rückt. FITBOOK geht näher auf das Thema ein und hat auch bei einem Experten nachgefragt.
Brain Endurance Training steigert mentale und körperliche Leistung
„Brain Endurance Training“ (BET) lässt sich als „Gehirnausdauertraining“ übersetzen. Die ursprünglich für Spitzensportler entwickelte Methode kombiniert körperliche Belastung mit kognitiven Aufgaben, um sowohl die sportliche als auch die geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern. Ziel ist es, das Gehirn darin zu trainieren, besser mit Ermüdung umzugehen.1
Dass körperliches Training die Hirnfunktion positiv beeinflussen kann, gilt inzwischen als gut belegt. BET geht jedoch einen Schritt weiter: Neben sportlichen Übungen kommen spezielle kognitive Aufgaben zum Einsatz, etwa Reaktionstests oder Übungen zum schnellen Erkennen und Zuordnen von Farben und Formen. Auch Gedächtnis-, Konzentrations- und Problemlösungsaufgaben gehören dazu.
Sportwissenschaftler und Fitnesscoach Markus Bremen erklärt bei FITBOOK: „Das Ziel von BET ist es, unter mentaler Vorermüdung zu trainieren. Die kognitive Aufgabe erschöpft den präfrontalen Kortex – also die Region, die für Entscheidungen, Impulskontrolle und die Wahrnehmung von Anstrengung zuständig ist. Wer danach körperlich trainiert, trainiert explizit die Fähigkeit, Leistung zu erbringen, obwohl sich das Gehirn bereits angestrengt anfühlt.“
So sieht eine BET-Einheit aus
In einer BET-Einheit kommt der kognitive vor dem körperlichen Teil. Er ist meist kurz und intensiv, wodurch Teilnehmer unter Druck agieren müssen und sich ein Zustand geistiger Ermüdung einstellen soll. Durch die anschließende physische Belastung soll das kombinierte BET gleichzeitig die kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit verbessern.
Bremen erklärt, wie eine BET-Einheit aussehen könnte: zunächst 20 Minuten kognitive Aufgaben am Laptop, direkt gefolgt von 30 bis 40 Minuten moderatem Ausdauertraining – etwa Laufen oder Radfahren bei 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Der Schlüssel liege darin, mit dem körperlichen Training zu beginnen, wenn das Gehirn bereits ermüdet ist.
Warum mentale Erschöpfung die Leistung beeinträchtigt
Das Thema mentale Erschöpfung bei Sportlern beschäftigt die Forschung schon seit Längerem.2 Anders als körperliche Erschöpfungserscheinungen (z. B. der Muskulatur), die relativ eindeutig erkennbar und schwerer zu ignorieren sind, bleibt mentale Ermüdung häufig unbemerkt. Dabei ist sie nicht weniger ernst zu nehmen.
Mentale Erschöpfung kann vielfältige Auswirkungen haben: Sie kann unter anderem das Schmerzempfinden beeinflussen sowie zu Unkonzentriertheit und Unaufmerksamkeit führen, was wiederum Fehler und damit ein erhöhtes Verletzungsrisiko begünstigt. Manche Betroffene verlieren infolgedessen sogar die Freude am Sport.
BET setzt genau hier an: Ziel ist es, das Gehirn darauf zu trainieren, besser mit Ermüdung umzugehen bzw. die mentale Belastbarkeit zu erhöhen – letztlich mit dem Ziel, dauerhaft höhere sportliche Leistungen zu ermöglichen.
Inwiefern kann BET helfen, Verletzungen zu vermeiden
Laut Bremen beeinträchtigt mentale Ermüdung nachweislich Reaktionszeit, Koordination und Bewegungsqualität. Wer unter kognitiver Belastung trainiere und dabei lerne, Technik und Körperwahrnehmung aufrechtzuerhalten, trainiere zugleich die neuromuskuläre Robustheit. Gerade im Alltag und im Wettkampf – wenn die Konzentration nachlässt und Fehler häufiger werden – sei diese Fähigkeit entscheidend. „BET schult, im Zustand der Ermüdung bewusst und kontrolliert zu bleiben, statt in Automatismen zu verfallen, die zu Fehlbelastungen führen“, fügt er hinzu.
Studien belegen Effekt auf Sportler
Der Effekt von BET auf Sportler gilt als belegt – sowohl in Bezug auf kognitive als auch auf körperliche Fähigkeiten. Eine Studie konnte beispielsweise zeigen, dass sich die Leistung von Padelspielern unter mentaler Ermüdung durch BET verbessert.3 Laut Studienergebnissen waren unter anderem die Schläge derjenigen Teilnehmer, die zuvor ein BET absolviert hatten, schneller und präziser als die der Kontrollgruppe.
Auch in einer weiteren Studie stellten die Forscher fest, dass sich die Ausdauerleistung in der BET-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich stärker verbesserte.4 Zudem wurde bei den Teilnehmern der BET-Gruppe nach dem Training ein höherer Sauerstoffgehalt im präfrontalen Kortex gemessen. Dieser Bereich des Gehirns ist unter anderem für zentrale kognitive Funktionen wie Entscheidungsfindung, Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit verantwortlich.
Eine Meta-Analyse von mehreren Studien zeigt zudem, dass BET sowohl die Ausdauerleistung als auch die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern kann. Besonders unter Ermüdung profitieren Trainierende von einer gesteigerten Leistungsfähigkeit, während gleichzeitig Reaktionszeit und Aufmerksamkeit zunehmen. Zudem erhöht BET die Widerstandsfähigkeit gegenüber mentaler Erschöpfung. Hinweise deuten darauf hin, dass vor allem Untrainierte profitieren und längere Trainingszeiträume besonders wirksam sind.5
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Auch ältere Erwachsene und Freizeitsportler profitieren von BET
Die positiven Effekte von BET sind offenbar nicht nur (Spitzen-)Sportlern vorbehalten. In einer aktuellen Pilotstudie untersuchten Forscher die Methode bei älteren Erwachsenen.6 An der Untersuchung nahmen 24 allgemein gesunde Frauen im Alter von 65 bis 78 Jahren teil, die sich im Alltag nur wenig bewegten. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die über einen Zeitraum von acht Wochen jeweils dreimal pro Woche trainierten. Die Einheiten bestanden aus 20 Minuten Kraft- und 25 Minuten Ausdauertraining. Nur eine der Gruppen – die sogenannte BET-Gruppe – absolvierte zusätzlich einen 20-minütigen kognitiven Teil.
Die Auswertung zeigte: In der BET-Gruppe verbesserte sich die kognitive Leistungsfähigkeit um rund 7,8 Prozent, in der Vergleichsgruppe lediglich um 4,5 Prozent. Ähnlich deutlich fiel der Unterschied bei der körperlichen Leistungsfähigkeit aus: Diese stieg in der BET-Gruppe um knapp 30 Prozent, verglichen mit 22,4 Prozent in der reinen Trainingsgruppe.
Auch Fitnesscoach Bremen betont, dass BET keineswegs nur für Leistungssportler geeignet sei, auch Freizeitsportler könnten davon profitieren. „Gerade für Menschen, die beruflich stark mental beansprucht sind, etwa Führungskräfte, Schichtarbeiter oder Eltern kleiner Kinder, kann BET hochrelevant sein. Sie trainieren ohnehin häufig in einem Zustand mentaler Ermüdung, oft nach langen Arbeitstagen. BET macht diesen Umstand nicht zum Problem, sondern zum Trainingsprinzip“, sagt er.
So oft sollte man BET machen
Die Forschungslage deutet darauf hin, dass Konsistenz wichtiger ist als das Trainingsvolumen. „Zwei bis drei BET-Einheiten pro Woche über einen Zeitraum von mindestens sechs bis acht Wochen zeigen messbare Effekte auf die mentale Ermüdungsresistenz und die Ausdauerleistung“, sagt Fitnesscoach Bremen. Außerdem erwähnt er, dass die kognitive Vorbelastung dabei etwa 20 bis 30 Minuten dauern sollte. Länger sei nicht zwingend besser, da es nicht um maximale geistige Erschöpfung um jeden Preis gehe, sondern um die gezielte Belastung eines bestimmten Systems. Wichtig sei zudem eine progressive Steigerung: Wer mit BET beginnen möchte, sollte die Intensität der kognitiven Aufgaben schrittweise erhöhen – ähnlich wie beim körperlichen Training.