17. Mai 2026, 17:54 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Das sogenannte „Brain Endurance Training“ (BET) wurde speziell für Spitzensportler entwickelt. Es zielt auf eine gleichzeitige Verbesserung der körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit ab. Hinter der Methode steckt jahrelange wissenschaftliche Forschung, die nun auch zunehmend in den Bereich des gesunden Alterns rückt. FITBOOK geht näher auf das Thema ein.
Brain Endurance Training steigert mentale und körperliche Leistung
„Brain Endurance Training“ (BET) lässt sich als „Gehirnausdauertraining“ übersetzen. Die Methode soll die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern. Sie wurde ursprünglich für Spitzensportler entwickelt, mit dem Ziel, deren Ausdauer und sportliche Leistung zu steigern und gleichzeitig das Gehirn darin zu trainieren, besser mit Ermüdung umzugehen.1
Dass sich körperliches Training auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns auswirken kann, ist inzwischen gut belegt. Schon reine sportliche Aktivität wirkt sich demnach positiv auf den Erhalt der Hirnfunktion aus. Das „Brain Endurance Training“ geht da noch einen Schritt weiter. Denn es beinhaltet neben den körperlichen auch spezielle Übungen, die die kognitive Leistungsfähigkeit fordern. Üblich sind etwa Reaktionstests und Aufgaben, bei denen z. B. Farben oder Formen schnell erkannt und zugeordnet werden müssen. Weiterhin zählen zu den gängigen kognitiven Tests Gedächtnis-, Problemlösungs- und Konzentrationsaufgaben.
In einer BET-Einheit kommt der kognitive vor dem körperlichen Teil. Er ist meist kurz und intensiv, wodurch Teilnehmer unter Druck agieren müssen und sich ein Zustand geistiger Ermüdung einstellen soll. Durch die anschließende physische Belastung soll das kombinierte BET gleichzeitig die kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit verbessern.
Warum mentale Erschöpfung die Leistung beeinträchtigt
Das Thema mentale Erschöpfung bei Sportlern beschäftigt die Forschung schon seit Längerem.2 Anders als körperliche Erschöpfungserscheinungen (z. B. der Muskulatur), die relativ eindeutig erkennbar und schwerer zu ignorieren sind, bleibt mentale Ermüdung häufig unbemerkt. Dabei ist sie nicht weniger ernst zu nehmen.
Mentale Erschöpfung kann vielfältige Auswirkungen haben: Sie kann unter anderem das Schmerzempfinden beeinflussen sowie zu Unkonzentriertheit und Unaufmerksamkeit führen, was wiederum Fehler und damit ein erhöhtes Verletzungsrisiko begünstigt. Manche Betroffene verlieren infolgedessen sogar die Freude am Sport.
BET setzt genau hier an: Ziel ist es, das Gehirn darauf zu trainieren, besser mit Ermüdung umzugehen bzw. die mentale Belastbarkeit zu erhöhen – letztlich mit dem Ziel, dauerhaft höhere sportliche Leistungen zu ermöglichen.
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Studien belegen Effekt auf Sportler
Der Effekt von BET auf Sportler gilt als belegt – sowohl in Bezug auf kognitive als auch auf körperliche Fähigkeiten. Eine Studie konnte beispielsweise zeigen, dass sich die Leistung von Padelspielern unter mentaler Ermüdung durch BET verbessert.3 Laut Studienergebnissen waren unter anderem die Schläge derjenigen Teilnehmer, die zuvor ein BET absolviert hatten, schneller und präziser als die der Kontrollgruppe.
Auch in einer weiteren Studie stellten die Forscher fest, dass sich die Ausdauerleistung in der BET-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich stärker verbesserte.4 Zudem wurde bei den Teilnehmern der BET-Gruppe nach dem Training ein höherer Sauerstoffgehalt im präfrontalen Kortex gemessen. Dieser Bereich des Gehirns ist unter anderem für zentrale kognitive Funktionen wie Entscheidungsfindung, Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit verantwortlich.
Eine Meta-Analyse von mehreren Studien zeigt zudem, dass BET sowohl die Ausdauerleistung als auch die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern kann. Besonders unter Ermüdung profitieren Trainierende von einer gesteigerten Leistungsfähigkeit, während gleichzeitig Reaktionszeit und Aufmerksamkeit zunehmen. Zudem erhöht BET die Widerstandsfähigkeit gegenüber mentaler Erschöpfung. Hinweise deuten darauf hin, dass vor allem Untrainierte profitieren und längere Trainingszeiträume besonders wirksam sind.5
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Auch ältere (unsportliche) Erwachsene profitieren von BET
Die positiven Effekte von BET sind offenbar nicht nur (Spitzen-)Sportlern vorbehalten. In einer aktuellen Pilotstudie untersuchten Forscher die Methode bei älteren Erwachsenen.6 An der Untersuchung nahmen 24 allgemein gesunde Frauen im Alter von 65 bis 78 Jahren teil, die sich im Alltag nur wenig bewegten. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt, die über einen Zeitraum von acht Wochen jeweils dreimal pro Woche trainierten. Die Einheiten bestanden aus 20 Minuten Kraft- und 25 Minuten Ausdauertraining. Nur eine der Gruppen – die sogenannte BET-Gruppe – absolvierte zusätzlich einen 20-minütigen kognitiven Teil.
Die Auswertung zeigte: In der BET-Gruppe verbesserte sich die kognitive Leistungsfähigkeit um rund 7,8 Prozent, in der Vergleichsgruppe lediglich um 4,5 Prozent. Ähnlich deutlich fiel der Unterschied bei der körperlichen Leistungsfähigkeit aus: Diese stieg in der BET-Gruppe um knapp 30 Prozent, verglichen mit 22,4 Prozent in der reinen Trainingsgruppe.
Die kurze Studiendauer und die geringe Teilnehmerzahl schränken die Aussagekraft der Ergebnisse ein. Zudem lassen sie sich nicht ohne Weiteres auf ältere Männer übertragen. Die Resultate weisen jedoch bereits in eine vielversprechende Richtung.