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Laut Studie

Wer jung mit diesem Training startet, kann das Altern ab 55 positiv beeinflussen

Forscher haben untersucht, wie Bewegung das Altern positiv beeinflussen kann
Forscher haben untersucht, wie Bewegung das Altern positiv beeinflussen kann Foto: Getty Images / Tatiana Maksimova
Martin Lewicki
Freier Autor

25. September 2026, 13:55 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Gesund und möglichst lange fit zu bleiben, wünschen sich die meisten Menschen. Einen wichtigen Einfluss darauf haben Lebensgewohnheiten, die sich aktiv gestalten lassen. Eine kleine Studie zeigt nun: Regelmäßige Bewegung könnte dazu beitragen, die Vitalität auch im hohen Alter zu erhalten – und somit das Altern ab 55 positiv zu beeinflussen. FITBOOK hat außerdem einen Experten gefragt, wie er mit seiner praktischen Erfahrung den Zusammenhang zwischen Bewegung und biologischer Alterung einschätzt.

Longevity ist ein Thema, das immer mehr Menschen beschäftigt. Gemeint ist der Wunsch, möglichst lange gesund und fit zu bleiben – oder kurz: den Alterungsprozess zu verlangsamen. Dabei spielen verschiedene beeinflussbare Faktoren eine Rolle, darunter eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung. Vor allem Bewegung wirkt sich auf zahlreiche Bereiche des Körpers aus: auf den Bewegungsapparat, das Herz-Kreislauf-System, die Organe und den Stoffwechsel. Doch welche Art von Bewegung und welche Intensität können gesundes Altern besonders unterstützen? Eine französische Studie hat gezeigt, dass gesunde Erwachsene über 55, die seit 30 Jahren regelmäßig Ausdauersport trieben, bessere Vitalitätswerte hatten, als ihre inaktiven Altersgenossen.1

Was hat die Studie genau untersucht?

Um den Zusammenhang zwischen regelmäßigem Sport und Vitalitätswerten zu untersuchen, haben französische Forscher von der Universität Côte d’Azur 39 Erwachsene aus der Region Nizza mit einem Durchschnittsalter von etwa 64 Jahren rekrutiert. Keiner der Teilnehmer litt an einer chronischen Erkrankung oder nahm Medikamente ein.

19 der Studienteilnehmer hatten rund 30 Jahre lang mindestens dreimal pro Woche Ausdauertraining betrieben. Sie absolvierten jede Woche entweder mindestens 2,5 Stunden moderates Workout oder aber in der Hälfte der Zeit ein intensives Training. Die anderen 20 Probanden waren sportlich nie aktiv gewesen. Sie gaben an, wöchentlich nicht mehr als 75 Minuten in ihrer Freizeit aktiv zu sein. Anhand von Fragebögen sowie mithilfe eines Activity-Trackers haben die Forscher die Aktivitätsunterschiede der beiden Gruppen verifiziert.

Forscher nutzten das Konzept der Vitalitätskapazität

Um die Unterschiede zwischen den beiden Teilnehmergruppen festzustellen, haben die Forscher das Konzept der Vitalitätskapazität genutzt. Darunter versteht man eine physiologische Reserve des Körpers in Bezug auf seine Vitalität bzw. Gesundheit und Fitness. Dies wird anhand von 12 verschiedenen Biomarkern untersucht, die drei Vitalitätsbereiche beurteilen:

  • Immun- und Stressreaktion
  • Energie und Stoffwechsel
  • Neuromuskuläre Funktionen

Die Theorie ist, dass man durch eine lebenslange körperliche Aktivität die physiologische Reserve in diesen Vitalitätsbereichen erhalten kann. Deswegen benutzten die französischen Forscher die 12 Biomarker, um die Unterschiede in der Gesundheit der beiden Teilnehmergruppen zu bestimmen und zu vergleichen.

So beeinflusst körperliche Bewegung das Altern

Bei der Auswertung der Daten verglichen die Forscher nicht nur die einzelnen Werte der Biomarker, sondern kombinierten diese auch zu einem Vitalitätswert, der die oben genannte Vitalitätskapazität widerspiegelt. Dabei schnitten die gesunden Erwachsenen über 55, die 30 Jahre lang regelmäßig Sport getrieben hatten, besser ab, als ihre inaktiven Altersgenossen. Der deutlichste Unterschied zeigte sich nicht bei der reinen Muskelkraft, sondern im Bereich der Immun- und Stressreaktion – konkret beim Blutsauerstoffgehalt und der Herzfrequenzvariabilität (HRV). Beide Werte dienen der Beurteilung dieser Anpassungsfähigkeit.

Die sportlich aktiven Teilnehmer wiesen eine durchschnittliche Blutsauerstoffsättigung von 96,8 Prozent auf, verglichen mit 94,8 Prozent in der inaktiven Gruppe. Ihre Herzfrequenzvariabilität betrug 49,9 gegenüber 27,2 Millisekunden bei der inaktiven Gruppe. Interessant ist auch, dass ältere Teilnehmer tendenziell niedrigere Werte hatten als die jüngeren. Da die Forscher jeden Teilnehmer nur einmal untersuchten, können sie nicht sagen, ob die Vitalitätskapazität bei denselben Personen im Laufe der Zeit abgenommen hat.

Beim Vergleich der Geschlechter zeigte sich, dass aktive Frauen mehr fettfreie Masse und weniger Körperfett hatten als inaktive Frauen. Bei den Männern hingegen gab es keine vergleichbaren Zusammenhänge.

Die aktive Gruppe schnitt nicht bei allen Biomarkern besser ab

Interessant ist die Tatsache, dass die sportlich aktiven Teilnehmer nicht bei allen Messwerten besser abschnitten als die inaktive Gruppe. So gab es bei den Entzündungsmarkern keine deutlichen Unterschiede. Auch bei der Griffkraft, der Kniestärke und der Lungenfunktion gab es keine deutlichen Unterschiede. Und bei Energie und Stoffwechsel sowie bei der Nerven- und Muskelfunktion zeigte sich insgesamt kein klarer Unterschied. Sogar bei der Selbsteinschätzung der Teilnehmer zur eigenen Immungesundheit lagen die beiden Gruppen auf einem ähnlichen Niveau.

Ältere Studie bestätigt die positiven Aspekte

Bereits eine frühere Studie hat untersucht, wie sich aerobe Aktivitäten auf die Gesundheit von älteren Personen auswirken.2 Der große Unterschied hierbei: Während die aktuelle französische Studie sich ausschließlich auf gesunde Probanden fokussierte, hatte eine Studie aus dem Jahr 2020 chronisch kranke Patienten untersucht. Ziel dieser Studie war es, zu ermitteln, ob ein zwölfwöchiges, individuell angepasstes Ausdauertraining in einem Rehabilitationszentrum in Kombination mit telefonischen Motivationsgesprächen wirksam ist. Dabei sollte die körperliche Aktivität sowie die gesundheitsbezogene körperliche Fitness bei Menschen mittleren und höheren Alters mit chronischen Krankheiten gesteigert werden.

Für die randomisierte kontrollierte Studie hatte man 43 Teilnehmer im Alter ab 40 Jahren rekrutiert und nach dem Zufallsprinzip in verschiedene Gruppen unterteilt. Eine Gruppe musste das zwölfwöchige Ausdauertraining absolvieren, während die andere Gruppe ohne körperliche Aktivität als Kontrollgruppe diente. Die gesundheitsbezogenen Daten hat man zu Studienbeginn und nach zwölf Wochen erfasst.

Schon nach dem zwölfwöchigen Training zeigte die aktive Gruppe eine bessere allgemeine Fitness, mit höherer Griffkraft und höheren VO2-Max-Werten.

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Fazit und Einschränkungen der Studie

Die neue französische Studie mit 39 Teilnehmern liefert einen Hinweis darauf, dass regelmäßige Bewegung dazu beitragen kann, die Vitalität auch im hohen Alter zu erhalten – und somit das Altern positiv zu beeinflussen. Allerdings ist die Stichprobe klein. Zudem hat man die Studienteilnehmer nicht über Jahrzehnte begleitet und immer wieder untersucht, sondern einer einmaligen Untersuchung und Befragung unterzogen. Auch wichtige Faktoren wie Genetik, sozialer und ökonomischer Status wurden nicht einbezogen bzw. verglichen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die sportlich inaktive Gruppe war trotz geringer körperlicher Aktivität ungewöhnlich gesund. Dies hat womöglich dazu geführt, dass die Gruppen bei den Vitalitätswerten ähnlich gut abschneiden. Und nicht zuletzt ist die hier ermittelte Vitalitätskapazität ein neues Konzept zur Bestimmung der Gesundheit. So braucht es in Zukunft noch tiefergehende Langzeitstudien, um genau zu ermitteln, wie körperliche Bewegung das Altern beeinflusst.

Bewegung und Vitalität – das erlebt ein Trainer in der Praxis

„Im Vergleich zu Menschen, die keinen Sport treiben, zeigen regelmäßige Ausdauersportler oft bessere Gesundheitswerte. Das betrifft zum Beispiel den Blutdruck, den Ruhepuls und die Fähigkeit des Körpers, nach körperlicher Belastung wieder zur Ruhe zu kommen“, weiß Sportwissenschaftler und Personal Trainer Jörn Giersberg aus jahrelanger Erfahrung. „Außerdem wirken viele von ihnen ausgeglichener, gesünder und oft auch fitter. Häufig geht regelmäßiger Sport mit weiteren positiven Gewohnheiten einher, etwa einer bewussteren Ernährung. Natürlich gibt es auch Ausdauersportler, die sich wenig gesund ernähren oder übergewichtig sind. Dennoch weisen selbst bei ihnen bestimmte Vitalwerte oft bessere Ergebnisse auf als bei Menschen, die gar keinen Sport treiben. Aus meiner Sicht gibt es also klare Unterschiede. Das ist nicht nur Theorie oder ein Lehrbuchsatz, sondern etwas, das man in der Praxis deutlich beobachten kann. Wer über Jahre regelmäßig Ausdauersport betreibt, profitiert in der Regel von spürbaren gesundheitlichen Vorteilen.“

Mehr noch kann sich Giersberg gut vorstellen, dass Ausdauersport direkt die biologische Alterung beeinflussen kann. „Training belastet den Körper zunächst. Energiereserven werden verbraucht, Muskelfasern erfahren kleine Belastungen und der Organismus wird gefordert. Nach dem Training beginnt jedoch die eigentliche Anpassung: Der Körper repariert die beanspruchten Strukturen und baut sie stärker wieder auf. Dieser Prozess wird unter anderem durch die Proteinsynthese ermöglicht und durch eine passende Ernährung unterstützt. Dadurch erneuert sich der Körper ständig selbst. Man könnte sagen, dass regelmäßiges Training eine Art inneres Anti-Aging-Programm darstellt. Aus meiner Sicht ist das sogar eine der wirksamsten Formen des Anti-Agings überhaupt“, erklärt der Experte. Hinzu kommt, dass regelmäßige Bewegung nachweislich bei der Vorbeugung verschiedener Erkrankungen helfen kann. Dazu gibt es inzwischen zahlreiche Untersuchungen. Sport aktiviert unter anderem Prozesse im Immunsystem, die langfristig der Gesundheit zugutekommen.

Quellen

  1. Mercier, J., Guérin, O., Michel, E., et. al. (2026). Vitality capacity association with lifelong aerobic physical activity in older adults. Geroscience. ↩︎
  2. Lo, Y.P., Chiang, S.L., Lin, C.H., et. al. (2020). Liu HC, Chiang LC. Effects of Individualized Aerobic Exercise Training on Physical Activity and Health-Related Physical Fitness among Middle-Aged and Older Adults with Multimorbidity: A Randomized Controlled Trial. International Journal of Environmental Research and Public Health. ↩︎

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