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Rückenschmerzen

Was hilft bei einem Hexenschuss?

Hexenschuss: Illustration
Statistisch trifft fast jeden einmal im Leben der HexenschussFoto: Getty Images

Ein Hexenschuss ist für Betroffene eine echte Qual – neben einer heftigen Schmerzattacke blockiert der Rücken häufig. Doch was sollte man bei einer Lumbago, so der Fachbegriff, tun?

Die akuten Schmerzen kommen ohne Vorwarnung. Plötzlich schießt beim Bücken oder Heben heftig stechend der Schmerz in den unteren Rücken – mit der Folge, dass das Kreuz vorübergehend zum Teil blockiert ist. Klarer Fall: Der Betroffene hat einen Hexenschuss bzw. eine Lumbago.

Warum heißt es eigentlich Hexenschuss?

Der volkstümliche Name hat mit der gebeugten Haltung zu tun, die an ein Kräuterweib aus dem Mittelalter erinnert. „Der klassische Hexenschuss mit Beschwerden in der Lendenwirbelsäule ist vor allem ein muskuläres Problem, das durch mangelnde oder falsche Bewegung entsteht“, sagt der Aachener Orthopäde Nils Lynen. Der Rücken wird einseitig belastet, dann auf einmal verhakt sich das Kreuzbein oder ein Wirbel verrutscht – und schon ist es passiert.

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Mögliche Auslöser eines Hexenschusses

Der Hexenschuss ist zunächst einmal keine Erkrankung, sondern eine Beschreibung der Symptome. Dahinter können ganz unterschiedliche Auslöser stecken, erklärt Prof. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie. Möglicher Auslöser:

  • ungünstige oder ungewohnte Bewegung
  • Zwangshaltung

Faktoren, die eine Lumbalgie begünstigen

Wie so häufig sind es zwei Faktoren, die einem Hexenschuss den Weg ebnen:

  • viel sitzen
  • wenig Bewegung

Wer immer sitzt und nicht für Ausgleich durch Bewegung sorgt, fordert die tiefliegende Rückenmuskulatur nicht. Irgendwann ist sie geschwächt. „Oft führt dann eine unglückliche Bewegung zu einem Hexenschuss“, erklärt Ramin Nazemi. Er ist Facharzt für Orthopädie, Chirotherapie und Sportmedizin in Essen.

Einem Hexenschuss vorbeugen

Bewegung

Wer Rückenbeschwerden im Allgemeinen und einem Hexenschuss im Besonderen vorbeugen will, sollte möglichst viel Bewegung in den Alltag integrieren. Im Büro kann es hilfreich sein, zwischendurch statt auf einem Stuhl am Schreibtisch an einem Stehpult zu arbeiten.

Prof. Bernd Kladny empfiehlt auch am Schreibtisch zwei bis drei Haltungswechsel pro Stunde, für jeweils fünf Minuten. „Es gibt nicht das richtige Sitzen“, betont er. „Am besten ist es, aktiv zu sitzen.“ Außerdem könne man etwa seinen Mülleimer in die Ecke stellen, sodass man immer mal wieder aufstehen muss.

Richtiges Heben

Ganz wichtig, um einem Hexenschuss vorzubeugen, ist auch das richtige Heben. „Eine Drehbewegung bei gebeugter Wirbelsäule, das ist Gift“, sagt Kladny. Stattdessen sollte man aus den Knien und nicht aus dem Kreuz heraus heben.

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Was hilft, wenn es doch zu einem Hexenschuss kommt?

Ganz so schnell wie der Schmerz kommt, geht er dann zwar nicht. Aber ein Hexenschuss könne im besten Fall schon nach 24 Stunden wieder vorbei sein, sagt Kladny. „In der Regel dauert es wenige Tage, bis die Beschwerden weg sind.“

Von der weitverbreiteten Empfehlung, im akuten Fall Kopf und Rücken gerade etwa auf den Boden sowie Knie und Unterschenkel auf einen Hocker zu legen, raten Physiotherapeuten meist ab. Diese sogenannte Stufenlagerung hilft nicht, die Muskelblockade zu lösen.

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Wärme durch Rotlicht-Bestrahlung

Wärme sorgt für Entspannung. So dringt etwa eine Bestrahlung des Rückens mit Rotlicht tief in das Muskelgewebe ein und löst die Verkrampfung. Die Wärme aus einer Wärmeflasche hingegen reicht nicht weit genug in die Muskeln hinein. Die Rotlicht-Bestrahlung sollte aber nicht länger als fünf Minuten dauern. Wird die Körperpartie zu sehr erwärmt, kann dies die Verspannungen vertiefen.

Leichte Bewegung

Selbst in der akuten Schmerzphase sollte der Betroffene beim Hexenschuss von strenger Bettruhe und Schonung absehen. Empfehlenswert ist leichte Bewegung. So tut beispielsweise Spaziergehen dem Rücken gut. Dadurch wird die Durchblutung angeregt. Auch ein Training auf einem Fahrradergometer oder auf einem Crosstrainer trägt dazu bei, die Muskeln zu lockern. Von Joggen sollte man eher absehen, da dadurch die Wirbelsäule zu stark belastet wird.

Schmerzmittel nur, wenn alles andere nicht hilft

Bei einem Hexenschuss verkrampft sich die Rückenmuskulatur in der Lendenwirbelsäule. Weil sich dort viele Nervenfasern befinden, ist das Schmerzempfinden groß. Gegen akute Schmerzen helfen dann im Zweifel Tabletten. Wenn die Beschwerden nach drei Tagen nicht abklingen, sollte man jedoch einen Arzt aufsuchen.