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Körperliche Prüfung

Der Basis-Fitness-Test der Bundeswehr – was muss jeder Soldat leisten können?

Bundeswehrsoldat bei Fitness-Übung Klimmhang
Die körperliche Leistungsfähigkeit der Soldaten wird regelmäßig durch den sogenannten Basis-Fitness-Test geprüftFoto: picture alliance

Bundeswehrsoldaten müssen sich regeläßig dem sogenannten Basis-Fitness-Test unterziehen. Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit zu ermitteln. Der Test ist eine Mischung aus Schnelligkeit, Koordinationsfähigkeit und Ausdauer.

Um die sportliche und die motorische Leistungsfähigkeit möglichst genau einzuschätzen, muss jeder Soldat der Bundeswehr einmal im Jahr einen Basis-Fitness-Test (BFT) absolvieren. Der Sporttest ist auch Teil des Bewerbungsverfahrens für jeden, der zum Bund will. Allerdings ist der Test aufgrund der anhaltenden Corona-Lage für Bewerber im Auswahlverfahren derzeit ausgesetzt. Ganz kommt man um den BFT jedoch nicht herum. Dieser wird in der Grundausbildung nachgeholt.

Die drei Disziplinen im Basis-Fitness-Test der Bundeswehr

Der BFT besteht aus drei Teilen, die nacheinander absolviert werden müssen. Die Reihenfolge ist vorgegeben:

  1. Sprinttest: 11×10 Meter in maximal 60 Sekunden
  2. Klimmhang: mindestens 5 Sekunden
  3. Fahrrad-Ergometer-Test: 3000 Meter in maximal 6:30 Minuten

Der Test ist standardisiert und die Bewertung folgt einem strengen Punktesystem. Für den Basis-Fitness-Test stehen insgesamt 90 Minuten zur Verfügung. Wer mehr Zeit benötigt, vorzeitig abbricht oder die Mindestpunktzahl nicht erreicht, hat den Test nicht bestanden.

1. Disziplin: Pendellauf oder Sprinttest

In der ersten Disziplin wird die Schnelligkeit im Sprinten geprüft. Bemessen werden zudem die Umstellungsfähigkeit, die Explosivkraft und die Koordination. Insgesamt sind elf Sprints über zehn Meter zu absolvieren. Und das in höchstens 60 Sekunden. Aber nicht das Tempo zählt, man muss auch den Ablauf einhalten, darf die Strecke zudem nicht abkürzen. Das wird als Fehler gewertet.

Ablauf des Sprinttest

  1. Startposition: Dabei liegt man in Bauchlage auf einer Gymnastikmatte, die Arme liegen seitlich neben dem Körper.
  2. Beim Startsignal springt man auf und sprintet so schnell wie möglich um die zehn Meter entfernte Wendepylone (Verkehrshütchen) herum und wieder zurück.
  3. An der Gymnastikmatte angekommen, muss eine Begrenzungspylone umlaufen werden.
  4. Anschließend legt man sich erneut in Bauchlage auf die Matte, die Hände sollen sich hinter dem Rücken berühren.
  5. Nach der fünften Runde, also dem sechsten Aufstehen, sprintet man erneut bis zur Wendepylone. Dort angekommen, wird die Zeit gestoppt.

2. Disziplin: Klimmhang

Der Klimmhang ist eine Variante des Klimmzugs. Dabei verharrt man im Unterarmgriff an einer Stange wie in der Endposition eines Klimmzugs. Hierbei wird die Kraftausdauer bemessen, die man während einer isometrischen Bewegung aufbringen kann. Die zeitliche Minimalanforderung für diese Disziplin beträgt fünf Sekunden. Wer es länger schafft, bekommt mehr Punkte.

Ablauf des Klimmhang-Tests

  1. In der Startposition umfasst man mit den Händen im Unterarmgriff eine Reckstange, die prinzipiell auf eine Höhe von 185 Zentimeter eingestellt ist. Bei sehr großen oder kleinen Menschen kann der Prüfer die Stange um fünf Zentimeter nach oben oder unten verstellen. Unterhalb der Stange steht ein Kasten als Starthilfe auf einer Matte bereit. Das Kinn ragt über die Stange.
  2. Sobald das Startsignal ertönt, wird die Starthilfe entfernt. Man hängt ab da an frei. So lange, wie es die Kraft erlaubt, verharrt man in dieser Position. Sobald das Kinn sich unterhalb der Stange befindet, wird die Zeit gestoppt.

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3. Disziplin: 3000-Meter-Fahrrad-Ergometer-Test

Zum Abschluss folgt ein Ausdauertest. Früher wurde hier ein 1000-Meter-Lauf absolviert, dieser wurde jedoch durch einen 3000-Meter-Ergometer-Test ersetzt. Diese Distanz in 6:30 Minuten zu bewältigen. Laut Bundeswehr.de wird „der 1000-Meter-Lauf eventuell noch im Rahmen der Eignungsfeststellung von Bewerbern der Offizierslaufbahn gefordert“.

Ablauf des 3000-Meter-Fahrrad-Ergometer-Tests

Los geht es mit einer Aufwärmphase von einer Minute, bei der man bei 70 Watt radelt. Danach erhöht sich die Wattzahl auf 130 Watt – und der eigentliche Test beginnt. Schafft man 80 Umdrehungen in der Minute, erreicht man das Ziel innerhalb der vorgegebenen Zeit.

Erhöht man die Wattzahl erneut und hält das Tempo, erreicht man das Ziel zwar früher. Allerdings erhöht sich dabei auch der Widerstand der Pedale, was logischerweise mehr Kraft kostet. Während des Tests kann man die Wattzahl auch drosseln. Dann muss man allerdings schneller in die Pedale treten, um rechtzeitig das Ziel zu erreichen. Hat man 3000 Meter geradelt, wird die Zeit gestoppt und der Test endet. Dann muss man eine weitere Minute radeln, um den Kreislauf zu beruhigen. Wer in dieser Disziplin schneller ist als die vorgegebenen 6 Minuten und 30 Sekunden, erhält eine höhere Punktzahl.

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Wie werden die Punkte beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr vergeben?

Die Bewertung erfolgt nach einem von Sportwissenschaftlern entwickeltem System. 100 Basispunkte bekommt man generell, wenn man alle Übungen bestanden hat. Dabei müssen die Soldatinnen und Soldaten die Mindestleistungen der Übungen erreichen. Wer mehr Leistung schafft, bekommt zusätzliche Punkte.

So erhält man für die geforderten fünf Sekunden beim Klimmhang die Mindestpunktezahl von 100 („ausreichende Leistung“). Schafft man hingegen 45 Sekunden an der Reckstange, erhält man 300 Punkte. Wer mindestens 400 Punkte und damit die Bewertung „sehr gute Leistung“ erreichen möchte, muss 65 Sekunden an der Stange hängen. Nach einem ähnlichen Prinzip gestaltet sich auch bei den beiden anderen Disziplinen die Bewertung.

Die Gesamtpunktzahl aller drei Disziplinen zusammengerechnet ergeben folgende Bewertungen beim Basis-Fitness-Test der Bundeswehr:

  • 100 bis 199 Punkte: ausreichend
  • 200 bis 299 Punkte: zufriedenstellend
  • 300 bis 399 Punkte: gut
  • ab 400 Punkte: sehr gut

Bei der Bewertung werden auch das Alter und das Geschlecht berücksichtigt. So benötigen Frauen weniger Leistung als Männer im gleichen Alter. Generell müssen ältere Teilnehmer weniger Leistung aufbringen. Der Altersbonus gilt ab dem 36. Lebensjahr und steigt pro Jahr um 0,5 Prozent.

Quellen

  1. Bundeswehrkarriere.de: Bereit, an deine Grenzen zu gehen? (aufgerufen 6.12.2021)
  2. Einstellungstest Bundeswehr: Bundeswehr Sporttest: Basis Fitness Test (BFT) (aufgerufen 6.12.2021)
  3. Sporttest Bundeswehr: Der BFT in der Bundeswehr (aufgerufen 6.12.2021)
  4. Bundeswehr.de: Sporttest Bundeswehr – Welche 3 Disziplinen werden im BFT getestet? (PDF, aufgerufen 6.12.2021)