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Nicht nur für Kids!

Pumptracks boomen – wie das Skaten und Biken auf der Asphalt-Bahn funktioniert

Ein Kind fährt mit einem Fahrrad auf dem Pumptrack
Auf Pumptracks kann man sowohl mit dem Rad als auch mit Skateboard, Inlineskates und Scooter Gas gebenFoto: Getty Images

Schonmal von Pumptracks gehört? Das sind Bahnen aus geteerten Hügeln und Steilkurven. Die Sportanlagen stehen nicht nur bei Radfahrern hoch im Kurs. Auch mit Skateboard, Inlineskates, Laufrad oder Scooter kann man über den Asphalt jagen. Ein gutes Körpergefühl und etwas Geschicklichkeit sind von Vorteil.

Dass statt wagemutiger Snowboarder einmal Kinder mit Laufrädern seine Anlagen nutzen würden, hatte Dirk Scheumann bei der Gründung seiner Firma nicht gedacht. Eigentlich wollte der 42-Jährige vor allem im Sommer seine Angestellten halten, als er sich mit seinem Unternehmen für Winter-Actionsport-Anlagen in Durach (Landkreis Oberallgäu) an ein neues Projekt wagte: einen Pumptrack. „Da ging das Thema gerade los“, sagt Scheumann. „Wir haben nicht erwartet, dass das letztlich am meisten durchschlägt.“

Was ist ein Pumptrack?

Ob Füssen in den bayerischen Alpen oder Gerlingen im Stuttgarter Speckgürtel: In immer mehr deutschen Städten entstehen Pumptracks – asphaltierte Anlagen mit hügeligen Parcours für Radfahrer, Skater und Co. Wer als Biker sein Körpergewicht geschickt verlagert, schafft es, die Strecke zurückzulegen, ohne in die Pedale zu treten. Auch Skateboarder und Inlineskater bewegen sich durchs „Pumpen“ – das Beugen und Strecken der Beine zum richtigen Zeitpunkt – über die Wellenbahn hinweg.

„Vor allem in den letzten zwei Jahren ist die Nachfrage extrem stark gewachsen“, sagt Konrad Willar, Geschäftsführer eines Augsburger Anbieters. „Das ist wie eine virale Verbreitung. Wenn eine Gemeinde einen Pumptrack hat, kann man davon ausgehen, dass spätestens im übernächsten Jahr in der Region weitere Anlagen gebaut werden.“ Auch bei der Konkurrenz im Allgäu sind die Auftragsbücher voll. „Unser größtes Problem ist, dass wir bei der Nachfrage nicht hinterherkommen“, sagt Geschäftsführer Scheumann.

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Pumptracks

Pumptracks könnten gerade in kleineren Gemeinden Skateparks als Jugendangebot den Rang ablaufenFoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Wo gibt es Pumptracks und was macht sie so beliebt?

Statistiken zur Verbreitung von Pumptracks in Deutschland gibt es nach Angaben des Deutschen Städte- und Gemeindebunds nicht. Doch Sportwissenschaftler wie Tim Bindel sehen eine steigende Beliebtheit. „Vielleicht auch beschleunigt durch die Corona-Pandemie hat der informelle Sport großen Zulauf“, sagt der Sprecher der Kommission „Sport und Raum“ der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft. „Pumptracks sind deswegen so attraktiv, weil sie quasi als Mehrgenerationen-Spielplatz genutzt werden können.“

Diese Erfahrung hat auch die Stadt Gerlingen gemacht. „Die Anlage wird sehr gut angenommen und ist bei gutem Wetter immer voll“, sagt Sofie Neumann vom Hauptamt. „Genutzt wird der Pumptrack von allen möglichen Altersgruppen zu unterschiedlichen Zeiten.“ Gekostet habe die Anlage die Stadt gerade mal 50.000 Euro. Sie habe seit dem Bau im Jahr 2015 „durchaus auch schon als Vorbild gedient, da auch immer wieder Anfragen aus anderen Kommunen kommen“, sagt Neumann.

Hier finden Sie eine Übersicht über diverse Pumptrack-Anlagen in Europa (nicht vollständig).

Wie funktioniert’s und worauf sollten v. a. Anfänger auf dem Pumptrack achten?

Wie bei allen Fun- bzw. Rollsportarten empfiehlt sich auf dem Pumptrack das Tragen eines Helms sowie Knie- und Ellbogen-Schützer. Für Skater sind zusätzlich Handgelenkschützer sinnvoll, auf dem Bike eher Handschuhe. Das verhindert Schürfwunden bei eventuellen Stürzen auf dem Asphalt. Zunächst gilt es, die richtige Richtung zu erkennen, in welche man in die Pumptrack-Runde fahren muss. Das erkennt man an den Landehügeln der eingebauten Sprünge (je nachdem, auf welcher Seite sie sind, muss man eben einfahren). Wer sich unsicher ist, fragt am besten andere Benutzer der Anlage bzw. orientiert sich im besten Fall an deren Fahrtrichtung. Auf dem Pumptrack kann man wie bereits erwähnt mit unterschiedlichen Sportgeräten Spaß haben, wie z.B.

  • Mountainbike/Dirtbike
  • BMX
  • Laufrad
  • Skateboard
  • Inlineskates
  • Tretroller/Scooter

Je nachdem, was man benutzt, verändert sich natürlich die genaue Bewegungsanleitung. Bei allen kommt es aber auf die geschickte Verlagerung des Körpergewichts an. Man spricht von der Pump-Push-Bewegung über die Wellen – fährt man sie an, geht man in eine gestreckte Haltung, hat man den Höhepunkt der Welle erreicht, Beine und Körper beugen bzw. nach unten pushen. So generiert man Geschwindigkeit. Genauer erklärt wird das z. B. in diesem Youtube-Video.

Wenn Profis sich bei den Pumptrack Weltmeisterschaften auf BMX-Rad oder Dirtbike messen, sieht das übrigens so aus:

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Niedrige Investitionskosten

Die „relativ bescheidenen Investitionskosten“ seien ein weiterer Pluspunkt für Pumptracks, sagt Alain Thierstein. Er ist Professor für Raumentwicklung an der Technischen Universität München. „Außerdem kann so eine Anlage auch auf einer kleinen Fläche von 50 mal 50 Metern funktionieren.“ Die Wartungskosten seien dank Asphaltierung niedrig, auch Vandalismus sei selten, sagt Thierstein. „Das ist ein Zeichen, dass dort die soziale Kontrolle funktioniert.“

Die Idee zum Bau der Anlagen komme aber oft nicht aus Rathäusern, sondern von Jugendgremien und Vereinen. „Das Problem ist, dass sich in den Kommunen oft erst einmal niemand dafür verantwortlich fühlt“, sagt Thierstein. „Pumptracks sind ein klassisches Querschnittsthema, deswegen hat das lange niemand angepackt.“ Auch in Gerlingen kam der Vorschlag aus dem Jugendgemeinderat. Der damalige Bürgermeister, Georg Brenner, bekannte, er habe sich „erst mal kundig machen“ müssen, was ein Pumptrack eigentlich ist.

Nicht nur für Radsportler

In immer mehr deutschen Städten entstehen Pumptracks, an denen nicht nur Radsportler ihren Spass habenFoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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Pumptracks massentauglicher als Skateparks

Laut Sportwissenschaftler Bindel könnten Pumptracks gerade in kleineren Gemeinden Skateparks als Jugendangebot den Rang ablaufen. „Skate-Anlagen waren da oft Schnellschüsse von Kommunen“, sagt Bindel. „Das ist ein bisschen tot. Um solche Anlagen zu nutzen, muss man viel mehr trainieren als bei Pumptracks.“ Das sieht auch Schneestern-Geschäftsführer Scheumann so. „Skaten an sich ist eine komplexe Sportart, da gibt es keine Chance auf Massentauglichkeit.“ Pumptracks könne man mit Fahrrädern, Scootern und Laufrädern nutzen.

In Füssen hat sich die Stadt für einen „Skate- und Bikepark“ als Kombination beider Angebote entschieden. Wegen des großen Andrangs soll die erst 2018 gebaute Anlage bis Juli erweitert werden. Durch den barrierefreien Ausbau sollen dann auch Rollstuhlfahrer über die Asphalthügel rollen können.

Mit Material von dpa