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HAUSHALTSUNFALL

Erste Hilfe nach einem Sturz – was tun bei Gelenkverletzung oder Bruch?

Sturz – muskel- und Gelenkverletzung
Was tun nach einem Sturz? So leisten Sie sich und anderen Erste Hilfe.Foto: Getty Images

Wie kann ich Erste Hilfe nach einem Sturz leisten? Ein Arzt erklärt FITBOOK, wie Sie bei Haushaltsunfällen vorgehen, bei denen eventuell eine Muskel- oder Gelenkverletzung entstanden ist oder sich die betroffene Person etwas gebrochen hat. Was sie vermeiden sollten und wann es besser ist, ärztliche Hilfe zu holen.

Auf der Kellertreppe gestolpert, in der Dusche ausgerutscht oder beim Bilder aufhängen das Gleichgewicht verloren: Ein Sturz kann schnell gefährlich werden – weil er neben Prellungen auch eine Muskel- oder Gelenkverletzung oder einen Bruch nach sich ziehen kann. Letzteres ist vor allem im vorangeschrittenen Alter riskant. Was Sie für die Erste Hilfe nach einem Sturz zu Hause wissen müssen, erklärt Professor Dr. Peter Sefrin, Bundesarzt des Deutschen Roten Kreuz.

Prävention

Stürze sind nichts Ungewöhnliches im Haushalt und müssen nicht immer schlimme Verletzungen zur Folge haben. Leichte Prellungen verheilen meist rasch. Schwieriger wird es bei Muskel- und Gelenkverletzungen oder bei Brüchen: Denn die können vor allem für ältere Menschen gefährlich werden. Viele Stürze können mit präventiven Maßnahmen vermieden werden. Anti-Rutschmatten verhindern beispielsweise, dass Teppiche oder Duschen zur Sturzfalle werden. Hausschuhe, die festen Halt geben, bergen weniger Risiko als Schlappen mit glatter Sohle. Im Winter gilt besondere Vorsicht in Eingangsbereichen mit vereisten Treppenstufen, in Einfahrten oder auf Gartenwegen.

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Wenn es passiert ist: „Pech“-Regel anwenden

Im Vordergrund steht der unmittelbar eintretende Schmerz. Ein Anzeichen einer Muskelverletzung ist zum Beispiel eine Kraftlosigkeit an der betroffenen Stelle. Bewegungen können nicht mehr richtig durchgeführt werden. Außerdem kann es durch Gewalteinwirkung, die durch einen Sturz auf den Körper einwirkt, zu einer Hämatombildung kommen, ein blauer Fleck entsteht. Oft sind Hämatome nicht direkt erkennbar oder sind erst am nächsten Tag zu sehen. 

Bei Muskel- und Gelenkverletzungen nach einem Sturz kann die sogenannte „Pech“-Regel als Erste-Hilfe-Maßnahme angewendet werden, um den Schaden so gering wie möglich zu halten:

  • Pause: Stellen Sie nach der Verletzung jegliche Tätigkeit mit dem verletzten Körperteil ein, um eine weitere Belastung zu vermeiden. Stellen Sie betroffene Stelle ruhig.
  • Eis: Kühlen Sie die betroffene Stelle. Wickeln Sie dazu Eiswürfel oder ein Kühlpack in ein Geschirr- oder Handtuch ein und legen Sie es auf die schmerzende Stelle. Direkter Hautkontakt ist zu vermeiden, da er zu Erfrierungen führen kann. Haben Sie weder Eis noch Kühlpack zur Hand, können Sie auch eine mit kaltem Wasser gefüllte Plastiktüte als Kühlmittel nutzen. Durch das Kühlen wird nicht nur der Schmerz gehemmt, es kann auch der Ausbreitung des Hämatoms und möglichen Schwellungen entgegenzuwirken. Der Stoffwechsel im Gewebe wird durch die Kühlung verlangsamt, Schäden breiten sich langsamer aus.

  • Compression: Ein nach dem Sturz angelegter Kompressionsverband kann die Ausweitung von Blutungen und Schwellungen verhindern.

  • Hochlagern: Es kann außerdem helfen, das verletzte Körperteil hochzulegen, am besten über Herzniveau. Damit wird der Druck im Gefäß verringert, womit ein Hämatom in seiner Größe begrenzt werden kann.

Große Hämatombildungen können zu einer eingeschränkten Bewegungsfreiheit und erheblichen Schmerzen führen. Bessern sich die Schmerzen nach einigen Tagen nicht, sollten Sie einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen, um auszuschließen, dass es sich nicht um eine ernstere Verletzung handelt, rät Sefrin.

Schmerzen in einem Gelenk – Maßnahmen

Auch bei Schmerzen in einem Gelenk gilt: Betroffene Stelle ruhighalten und kühlen. Normalisieren sich die Schmerzen nach einer kurzen Weile, gilt kein Grund zur Sorge. Bleiben die Schmerzen bestehen oder verschlimmern sich, sollten Sie jedoch ärztliche Hilfe suchen. Denn es könnte zu einer Gelenkverletzung in Form eines Bänderrisses, einer Verstauchung oder Verrenkung gekommen sein.

Vermeiden Sie bei Muskel- und Gelenkverletzungen Hausmittel. Wenden Sie nur Salben und Cremes an, wenn Ihnen diese ärztlich empfohlen wurden.

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Sichere Zeichen für einen Bruch

Bei Brüchen unterscheidet man zwischen sicheren und unsicheren Zeichen. Letztere lassen nicht direkt darauf schließen, dass es sich um einen Bruch handelt. „Das wären etwa eine Schwellung, eine Rötung oder ein Hämatom“, erklärt der Mediziner. Sichere Zeichen sind dagegen eine Winkelveränderung. „Ein Knochen verläuft normalerweise gerade. Ist er gebrochen, ziehen die verschiedenen Muskeln an dem Knochen, sodass es eine Verschiebung der Fragmente gibt und eine abnormale Lage resultiert.“ Bei einer Bewegung des entsprechenden Körperteils können starke, lokalisierte Schmerzen entstehen. Ein weiteres sicheres Zeichen ist eine abnorme Beweglichkeit an der gebrochenen Körperstelle oder einer Verkürzung der Extremität. Ist beispielsweise das verletze Bein kürzer als das gesunde Bein und der Fuß stark nach außen verdreht, handelt es sich mit Sicherheit um einen Bruch. Bei einem offenen Bruch ist außerdem der gebrochene Knochen sichtbar. Brüche erfordern immer eine ärztliche Behandlung! 

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Brüchen nach Sturz

Die verletze Person sollte nach dem Sturz von Erste-Hilfe-Leistenden nicht bewegt oder verlagert werden, da sich dadurch der Schmerz verstärkt. Auch bei einem geschlossenen Bruch kann eine Kühlung schmerzlindernd wirken und einer Hämatom-Bildung vorbeugen. Handelt es sich um eine offene Fraktur, sollte der oder die Ersthelfer*in die Wunde mit einer keimarmen Auflage schützen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Legen Sie das Material dafür nur auf die Stelle auf. Das gebrochene Körperteil sollte in der vorgefundenen Lage durch Umpolsterung wie einer zusammengerollten Decke oder einem Kissen ruhiggestellt werden. Ruhigstellung, wie das früher beispielsweise provisorisch mit Stöcken oder Leitern gemacht wurde, ist heute kein Bestandteil der Ersten Hilfe mehr, betont Sefrin. Denn zur professionellen Ruhigstellung hat das Rettungspersonal gesondertes Material.

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Grundsätzlich gilt: Betreuen sie die verletzte Person und halten Sie sie im Auge, bis der Rettungsdienst eintrifft. „Die seelische Versorgung ist ganz wichtig“, betont Sefrin. Wenden Sie sich dem oder der Verletzten zu, sorgen sie dafür, dass er oder sie sich nicht alleine fühlt. Auch eine weiche Decke kann in solchen Momenten sehr guttun, rät der Erste-Hilfe-Experte.