17. Februar 2026, 13:16 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Zuckerhaltige Getränke könnten einer der Gründe dafür sein, dass Angstsymptome bei Teenagern immer weiter zunehmen. Doch wie stark belasten Energy-Drinks und Co. in Wahrheit die Psyche? Eine aktuelle Studie aus Großbritannien liefert alarmierende Hinweise.
Zucker hat zurecht ein schlechtes Image: Er begünstigt Übergewicht, erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes und kann sich negativ auf die Darmflora auswirken. Welche Rolle er für die psychische Gesundheit spielt, wurde jedoch lange Zeit weniger beachtet. Dabei stellt sich zunehmend die Frage, ob ein übermäßiger Konsum zuckerhaltiger Getränke mit psychischen Problemen in Zusammenhang stehen könnte. Immerhin berichten immer mehr Teenager von Angstsymptomen, während viele von ihnen täglich große Mengen Energydrinks, Limonaden oder gesüßten Eistee trinken. Forscher der Bournemouth University wollten diesem möglichen Zusammenhang genauer nachgehen und werteten bestehende Studien erstmalig systematisch aus. Die im „Journal of Human Nutrition and Dietetics“ veröffentlichten Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild.1
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Neun Studien zum Thema zuckerhaltige Getränke und Angstsymptome bei Teenagern ausgewertet
Nach sorgfältiger Qualitätsprüfung wurden neun Studien in die Übersichtsarbeit einbezogen. Sieben davon fanden einen positiven Zusammenhang zwischen dem Konsum zuckergesüßter Getränke und Angstsymptomen bei Jugendlichen. Zwei Studien ergaben keinen signifikanten Zusammenhang. „Auch wenn wir derzeit keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung bestätigen können, zeigt unsere Analyse eine problematische Verbindung zwischen dem Konsum zuckerhaltiger Getränke und Angststörungen bei jungen Menschen“, erklärt Mitautorin Dr. Chloe Casey in einer Mitteilung der Universität. 2
Da es sich überwiegend um Beobachtungsstudien handelt, lässt sich nicht eindeutig klären, ob Zucker direkt Angstsymptome verursacht. Denkbar ist auch, dass Jugendliche mit bestehenden Ängsten verstärkt zu zuckerhaltigen Getränken greifen. Ebenso könnten andere Faktoren, wie etwa familiäre Belastungen oder Schlafprobleme, sowohl den Konsum als auch die Angstzustände verstärken.
Die wichtigsten Fakten
Dennoch sind die Zahlen auffällig: Getränke mit viel Zucker waren in den analysierten Studien mit einem um bis zu 34 Prozent erhöhten Risiko für Angstsymptome verbunden. Wie genau dieser Zusammenhang zustande kommt, ist noch unklar. Längsschnittdaten deuten jedoch darauf hin, dass ein hoher Konsum langfristig negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben könnte. Die Forschenden vermuten daher, dass eine Reduktion von Zucker bereits bestehende Angstsymptome bei Teenagern abschwächen könnte. „Angststörungen im Jugendalter haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Umso wichtiger ist es, veränderbare Lebensgewohnheiten zu identifizieren, die helfen könnten, diesen Trend zu bremsen“, so Casey.
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Macht Zucker Angst? Das sagt der Ernährungsmediziner
Dass Angststörungen auch bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland zunehmen, bestätigt der DAK Kinder- und Jugendreport 2025.3 So ist neben einer verbesserten psychotherapeutischen Versorgung entscheidend, mögliche Ursachen und Verstärker besser zu verstehen. Auch dass Zucker eine größere Rolle spielen könnte, als bislang angenommen, vermutet zudem Dr. Matthias Riedl, Ernährungsmediziner am Fachzentrum Medicum Hamburg, auf FITBOOK-Nachfrage: „Es ist hinreichend bekannt, dass Zuckergetränke das Risiko für entzündliche Zivilisationskrankheiten begünstigen, die wiederum das Risiko für Angst und Depressionen fördern.“ Ein denkbarer Wirkmechanismus wäre für ihn, dass Zucker unter anderem deshalb Angstsymptome bei Teenagern begünstigt, weil er das Mikrobiom schädigen kann. Dass die Milliarden Bakterien, die sich im Darm tummeln, einen erheblichen Einfluss auf unsere psychische Verfassung haben, gilt als belegt.
Zuckerverzicht zahlt sich immer aus
Während die vorliegende Meta-Analyse ihre Erkenntnisse bewusst vorsichtig formuliert, kommen andere zu einem konkreteren Ergebnis. Darunter eine 2025 veröffentlichte Untersuchung, an der auch das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung beteiligt war. Diese fand insbesondere bei Frauen einen ausgeprägten Zusammenhang zwischen Softdrink-Konsum und Depressionen. Bei ihnen zeigte sich eine erhöhte Anzahl von Bakterien der Gattung Eggerthella im Darm, die bei Menschen mit Depressionen gehäuft nachgewiesen werden.4 Für Teenager-Gehirne, die sich ohnehin im starken Umbruch befinden, könnten die Auswirkungen umso fataler sein.