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Studie zeigt

Der Geburtsmonat spielt bei Männern eine Rolle fürs Depressionsrisiko

Geburtszeit und Depression
Die Jahreszeit der Geburt könnte mehr mit unserer psychischen Verfassung zu tun haben als bisher gedacht. Foto: Getty Images
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5. August 2025, 10:43 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Beeinflusst der Geburtsmonat unsere psychische Gesundheit im Erwachsenenalter? Eine neue Studie ist dieser Frage nachgegangen – mit einem bemerkenswerten Ergebnis: Männer, die im Sommer geboren wurden, zeigten häufiger depressive Symptome. Bei Frauen ließ sich kein vergleichbarer Zusammenhang feststellen. Was frühe Umweltfaktoren damit zu tun haben könnten – und warum das Thema nicht nur für Forscher, sondern auch für die Gesundheitspolitik wichtig sein könnnte – lesen Sie hier.

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Was und warum wurde untersucht?

Bereits frühere Studien deuteten darauf hin, dass der Geburtsmonat das Risiko für bestimmte Erkrankungen beeinflussen kann – etwa bei Schizophrenie oder Multipler Sklerose.1 Der Hintergrund: Während der Schwangerschaft ist der Körper besonders empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen wie Sonnenlicht, Ernährung oder Infektionen. Diese sogenannten saisonalen Umweltfaktoren verändern sich im Jahresverlauf – und könnten damit auch die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinflussen.

Weniger erforscht ist, ob auch häufige psychische Beschwerden wie Depressionen oder Angststörungen mit der Jahreszeit der Geburt zusammenhängen. Die bisherigen Ergebnisse sind uneinheitlich. Die Studie untersuchte, ob ein Zusammenhang zwischen Geburtsmonat und Depression im Erwachsenenalter bestehen könnte. Ein kanadisches Forscherteam um Arshdeep Kaur wollte deshalb herausfinden, ob es einen Zusammenhang zwischen Geburtszeitpunkt und späteren psychischen Symptomen gibt – und ob dieser möglicherweise vom Geschlecht abhängt.

Durchführung der Studie

Zwischen Januar und März 2024 nahmen 303 Erwachsene an einer Online-Befragung teil. Sie waren im Durchschnitt 26 Jahre alt, 65 Prozent von ihnen waren Frauen. Die Teilnehmer wurden über soziale Medien, studentische Netzwerke und Aushänge an Hochschulen im Raum Vancouver (Kanada) gewonnen.

Um die psychische Belastung der Teilnehmer zu erfassen, verwendeten die Forscher zwei weltweit anerkannte Fragebögen:

  • PHQ-9 (Patient Health Questionnaire-9):
    Dieser Test misst depressive Symptome anhand von neun typischen Beschwerden – etwa Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen oder Gefühlen von Wertlosigkeit. Je häufiger die Symptome auftreten, desto höher die Punktzahl. Ab zehn von 27 möglichen Punkten spricht man von einem erhöhten Risiko für eine depressive Störung.
  • GAD-7 (Generalized Anxiety Disorder-7):
    Dieser Fragebogen erfasst sieben Symptome, die auf eine generalisierte Angststörung hinweisen – etwa ständige Sorgen, Nervosität oder körperliche Unruhe. Auch hier gilt: Ab zehn Punkten auf der Skala ist das Risiko für eine behandlungsbedürftige Angststörung erhöht.

Zusätzlich wurden Angaben zu Alter, Einkommen, Bildungsstand, ethnischer Herkunft und Beziehungsstatus erfragt. Die Geburtsmonate wurden in vier Jahreszeiten unterteilt: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Um Verzerrungen zu vermeiden, berücksichtigte die statistische Analyse auch Unterschiede in Wohnort (über geografische Breite), Einkommen und Alter. Ein möglicher Einfluss von Geburtsmonat und Depression wurde dabei geschlechtsspezifisch betrachtet.

Auch interessant: Ständige Wut kann bei Männern auf ernsthafte Erkrankung hindeuten

Höhere Depressionswerte bei im Sommer geborenen Männern

Die psychische Belastung in der Stichprobe war insgesamt auffällig hoch:

  • 84 Prozent der Teilnehmer erreichten Werte, die auf depressive Symptome hindeuten,
  • 66 Prozent zeigten Anzeichen einer Angststörung.

Jüngere Teilnehmer und solche mit geringerem Einkommen waren besonders betroffen. Auch Frauen berichteten im Schnitt über stärkere Symptome als Männer.

Im Zentrum der Untersuchung stand jedoch die Frage, ob die Geburtszeit Einfluss auf das Risiko für psychische Erkrankungen hat – und ob dieser Effekt bei Männern und Frauen unterschiedlich ausgeprägt ist.

Das zentrale Ergebnis

  • Männer, die im Sommer geboren wurden, wiesen im Schnitt höhere Depressionswerte auf als Männer mit anderen Geburtsmonaten.
  • Bei Frauen war kein vergleichbarer Zusammenhang zu erkennen.

Dabei wurde ein sogenannter Interaktionseffekt zwischen Geschlecht und Geburtszeit gefunden – ein Begriff aus der Statistik, der beschreibt, dass zwei Merkmale gemeinsam einen Einfluss haben. In diesem Fall also: Geschlecht und Jahreszeit der Geburt beeinflussen zusammen das Risiko für depressive Symptome. Der gemessene statistische Wert – der sogenannte p-Wert – lag bei 0,054.

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Was bedeutet das?

In der Wissenschaft gilt ein Ergebnis als „statistisch signifikant“, wenn der p-Wert unter 0,05 liegt. Das bedeutet: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der beobachtete Unterschied nur durch Zufall entstanden ist. In dieser Studie lag der Wert knapp über dieser Grenze – bei 0,054. Das heißt: Der Zusammenhang ist nicht eindeutig, aber nah genug an der Signifikanzschwelle, um als möglicher Hinweis auf einen echten Effekt gewertet zu werden. Solche Ergebnisse werden als „grenzwertig signifikant“ bezeichnet.

Für Angstsymptome hingegen ließ sich kein Zusammenhang mit der Geburtszeit feststellen – weder bei Männern noch bei Frauen. Auch Merkmale wie ethnische Zugehörigkeit, Bildungsniveau oder beruflicher Status zeigten keinen klaren Einfluss.

Jahreszeit und Geschlecht offenbar wichtig mit Blick auf Depressionsrisiko

Die Studie liefert Hinweise darauf, dass die Jahreszeit der Geburt – als indirekter Hinweis auf Umweltbedingungen während der Schwangerschaft – langfristige Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben könnte. Besonders interessant: Dieser Effekt scheint nur bei Männern aufzutreten.

Wie könnte das erklärt werden?

Frühere Untersuchungen zeigen, dass die Geburtszeit das Wachstum bestimmter Hirnregionen beeinflusst – etwa des sogenannten oberen Temporallappens, der für Emotionen, soziale Wahrnehmung und Reizverarbeitung zuständig ist.2 Auffällig: Diese Hirnregion scheint sich bei Männern und Frauen je nach Jahreszeit unterschiedlich zu entwickeln. Das könnte erklären, warum depressive Symptome je nach Geburtszeit geschlechtsspezifisch auftreten.

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Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen

Wie bei jeder wissenschaftlichen Untersuchung gibt es auch hier Begrenzungen:

  • Die Stichprobe war relativ klein (303 Personen) und bestand überwiegend aus jungen Erwachsenen. Fast 80 Prozent der Teilnehmer waren zwischen 18 und 29 Jahre alt, fast 40 Prozent waren Studierende, mehr als die Hälfte war weiblich. Die Ergebnisse sind daher nicht ohne Weiteres auf die Gesamtbevölkerung übertragbar.
  • Es handelt sich um eine sogenannte Querschnittsstudie, also eine Momentaufnahme. Das bedeutet: Es wurden Zusammenhänge beobachtet, aber keine Aussagen über Ursachen und Wirkungen getroffen. Ob also tatsächlich die Jahreszeit der Geburt die Depression begünstigt – oder ob andere Einflüsse mitwirken –, bleibt offen.
  • Die Umfrage wurde nur in den Wintermonaten (Februar und März) durchgeführt. Das könnte sich auf die Selbsteinschätzung der psychischen Belastung ausgewirkt haben – obwohl die Forscher diesen Effekt methodisch berücksichtigt haben, indem sie nicht die aktuelle Stimmung, sondern den Geburtsmonat in den Mittelpunkt stellten.

Fazit

Die Studie zeigt: Männer, die im Sommer geboren wurden, haben ein möglicherweise erhöhtes Risiko für depressive Symptome im Erwachsenenalter. Die vorliegenden Daten legen nahe, dass der Geburtsmonat das Risiko für Depression erhöhen könnte – jedoch nicht bei Frauen. Bei Frauen war dieser Effekt nicht nachweisbar. Für Angstsymptome zeigte sich kein Zusammenhang mit der Jahreszeit der Geburt.

Auch wenn die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssen, deuten sie darauf hin, dass saisonale Umweltfaktoren während der Schwangerschaft eine Rolle für die psychische Gesundheit spielen könnten – und diese Effekte möglicherweise vom Geschlecht abhängig sind. Künftige Forschung sollte diesen Zusammenhang in größeren, vielfältigeren Stichproben weiter untersuchen.

Quellen

  1. Torrey, EF., Rawlings, RR., Ennis, JM. et al. (1996). Birth seasonality in bipolar disorder, schizophrenia, schizoaffective disorder and stillbirths. Schizophr Res. ↩︎
  2. Wiener, M., Lee, YS., Lohoff, FW. et al. (2014). Individual differences in the morphometry and activation of time perception networks are influenced by dopamine genotype. Neuroimage. ↩︎

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