Wann Vitamin D mit einem geringeren Sterberisiko zusammenhängt
Viele Menschen in Deutschland sind nicht ausreichend mit Vitamin D versorgt. Für sie könnte eine Supplementierung laut einer Analyse sinnvoll sein, um das Sterberisiko zu senken. Foto: Getty Images, Niels Starnick; Collage: FITBOOK
Seit Jahren wird erforscht, inwieweit eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung mit gesundheitlichen Risiken zusammenhängt. Dabei spielt auch die Frage eine Rolle, ob eine Nahrungsergänzung sinnvoll ist. Die bisherigen Studien lieferten hierfür zum Teil nicht eindeutige Ergebnisse. Forscher aus Deutschland haben nun auf Basis bereits erhobener Daten eine mögliche Erklärung dafür geliefert. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Clinical Nutrition“.
Was hat die Studie untersucht?
Als Grundlage hat die Forschergruppe vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Universität Heidelberg Gesundheitsdaten aus der britischen Langzeitstudie UK Biobank mit mehr als einer halben Million Erwachsenen genutzt.1 Mit ihnen erstellten sie eine Modellrechnung: Sie übertrugen die Effekte aus zwei großen Vitamin-D-Studien rechnerisch auf die untersuchte Bevölkerung. Konkret schätzten sie, wie sich das Sterberisiko verändern würde, wenn der Vitamin-D-Spiegel im Blut ähnlich stark ansteigt wie in diesen Studien. Dort lag der durchschnittliche Anstieg bei etwa 30 bzw. 38 Nanomol pro Liter (nmol/L). Auf dieser Basis berechneten sie die mögliche Entwicklung der Sterblichkeit über einen Zeitraum von rund fünf bis sechs Jahren.
Der Effekt hing stark vom Ausgangswert ab. Bei Personen mit bereits ausreichendem Vitamin-D-Spiegel zeigte sich kein Unterschied bei der Sterblichkeit. Dieses Ergebnis deckt sich mit früheren großen Studien.
Anders war es bei Menschen mit niedrigen Werten. Wurde ihr Spiegel rechnerisch um etwa 30 bzw. 38 nmol/L erhöht, ergab sich ein deutlicher Unterschied: Bei Werten unter 50 nmol/L wurde ein um etwa 15 bis 19 Prozent niedrigeres Sterberisiko geschätzt. Bei sehr niedrigen Werten unter 30 nmol/L lag die errechnete Verringerung bei etwa 21 bis 25 Prozent.
Insgesamt zeigte sich ein klares Muster: Sehr niedrige Vitamin-D-Werte gingen mit einem höheren Sterberisiko einher. Mit steigenden Spiegeln nahm dieses Risiko ab. Ab etwa 60 nmol/L veränderte es sich jedoch kaum noch.
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Was bedeutet die Studie?
Die Ergebnisse liefern eine mögliche Erklärung dafür, warum viele frühere Studien keinen Nutzen von Vitamin-D-Präparaten fanden: Ein Großteil der Teilnehmer war bereits ausreichend versorgt.
Die Analyse legt nahe, dass eine Erhöhung des Vitamin-D-Spiegels vor allem bei Menschen mit niedrigen Werten mit einem geringeren Sterberisiko verbunden sein könnte. Bei bereits ausreichendem Spiegel zeigt sich hingegen kein zusätzlicher Effekt.
Gleichzeitig ist Vorsicht geboten: Die Ergebnisse beruhen auf Modellrechnungen auf Basis von Beobachtungsdaten. Sie zeigen Zusammenhänge, erlauben aber keine sicheren Aussagen über Ursache und Wirkung. Um das zu klären, sind gezielte klinische Studien mit Personen mit niedrigen Vitamin-D-Werten notwendig.
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