22. Januar 2026, 20:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Vitamin-D-Mangel ist in Deutschland weit verbreitet, besonders im Winterhalbjahr. Eine Studie zeigt: Wer einen extrem niedrigen Vitamin-D-Spiegel hat, muss deutlich häufiger wegen eines Atemwegsinfekts in die Klinik. Erfreulich: Schon kleine Verbesserungen helfen offenbar, dieses Risiko zu senken.
Bei weniger als 15 nmol/L deutlich höheres Risiko für Klinikaufenthalt
Eine britische Studie mit über 36.000 Erwachsenen zeigt: Menschen mit einem Vitamin-D-Spiegel unter 15 Nanomol pro Liter haben ein deutlich erhöhtes Risiko, wegen einer Atemwegsinfektion ins Krankenhaus zu müssen. Das Ergebnis war offenbar unabhängig von Alter oder Herkunft. 15 nmol/L gelten als schwerer Vitamin-D-Mangel. Die gute Nachricht: Schon kleine Verbesserungen machen offenbar einen Unterschied.
Vitamin-D-Mangel schwächt die Abwehr – gerade im Winter
Vitamin D ist zentral fürs Immunsystem: Bei starkem Mangel ist die Immunabwehr messbar geschwächt. Besonders im Winter sind schwere Defizite verbreitet – laut dem Ernährungswissenschaftler Dr. Nikolai Worm entwickeln in Deutschland bis zu 80 Prozent der Menschen im Winter einen Mangel. Eine höhere Anfälligkeit für Infektionen und ein negativer Einfluss auf Krankheitsverläufe sind die logischen Folgen. Das zeigt auch die vorliegende Studie, die in der Fachzeitschrift „The American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlicht wurde.1
Auch interessant: Empfehlenswerte Vitamin-D-Präparate im Check
Studie mit 36.000 Personen: Wer musste mit schwerem Atemwegsinfekt in Klinik?
Erstautorin Abigail R. Bournot von der University of Surrey und weitere Wissenschaftler akademischer Einrichtungen im Vereinigten Königreich führten basierend auf Daten einer großen Kohortenstudie mit über 500.000 Teilnehmern im Alter von 40 bis 69 Jahren eine Kontrollstudie durch. Ausgewählt wurden 36.258 Personen, bei denen der Vitamin-D-Wert bekannt war.
Die Forscher schauten nun, wer aus dieser Gruppe und wann im Verlauf von 15 Jahren wegen einer Atemwegsinfektion ins Krankenhaus musste – oder ob die Person innerhalb der 15 Jahre gesund geblieben oder gestorben war. Damit konnten sie analysieren, ob ein niedriger Vitamin-D-Spiegel die Wahrscheinlichkeit beeinflusste, dass das Ereignis früher oder überhaupt eintritt.
Atemwegsinfektionen reichen von Sinusitis über Tonsillitis bis hin zu Bronchitis, Lungenentzündung und schweren Verläufen von Grippe oder Covid-19. In der Studie ging es nur um schwere Verläufe, die in der Klinik behandelt werden mussten.
8,5 Prozent wegen Atemwegsinfektion hospitalisiert – Vitamin-D-Spiegel über 75 nmol/L bester Schutz
Insgesamt hatten 8,5 Prozent aller Teilnehmenden während der Nachbeobachtungszeit von 14,8 Jahren eine Krankenhausaufnahme wegen einer Atemwegsinfektion. Menschen mit über 75 nmol/L hatten den besten Schutz.
Extrem niedrige Vitamin-D-Werte hatten höchstes Risiko
Sehr deutlich war der Zusammenhang zwischen Krankenhaus-Risiko und einem extrem niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Personen mit einem Vitamin-D-Spiegel unter 15 nmol/L mussten deutlich häufiger als alle anderen Gruppen aufgrund eines Atemwegsinfekts klinisch behandelt werden.
Blutwerte unter 25 bis 30 nmol/L werden als schwerer Mangel eingeordnet. Ein Wert unter 15 nmol/L liegt also klar im Hochrisikobereich. Diese Personen hatten in der Studie ein 33 Prozent höheres Risiko, wegen eines Ateminfekts in die Klinik zu kommen, als die gut mit Vitamin-D-Versorgten (mindestens 75 nmol/L im Blut).
Die „Mittelgruppen“ – also Menschen mit Vitamin-D-Werten von 15 bis 74 nmol/L lagen irgendwo dazwischen – ihr Krankenhausrisiko aufgrund eines Atemwegsinfekts war weder so gering wie bei den Gesunden noch so schlecht wie bei den Mangel-Patienten.
Jeder Anstieg um 10 nmol/L senkte Risiko um 4 Prozent
Die Forscher stellten zudem fest, dass schon kleine Verbesserungen beim Vitamin-D-Spiegel helfen könnten, das Risiko für schwere Infektionen leicht zu senken. Stieg der Vitamin-D-Wert im Blut von Personen um zehn Einheiten (10nmol/L), sank ihr Risiko, wegen einer schweren Atemwegsinfektion ins Krankenhaus zu müssen, um vier Prozent.
Alle gemessenen Effekte waren laut den Forschern unabhängig von Alter und ethnischer Herkunft.
Der Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Mangel und Herzerkrankungen
Wie man einen Vitamin-D-Mangel erkennt und vorbeugt
Vitamin-D-Wert: Das raten Fachgesellschaften in Deutschland
Im Winter empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. zur gezielten Vitamin-D-Versorgung 20 Mikrogramm pro Tag.2 Das entspricht 800 internationalen Einheiten (i. E.). Auf der Website heißt es: „Ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung aufgrund unzureichender Vitamin-D-Bildung in der Haut haben Personen höheren Alters, Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder gar nicht bzw. nur mit gänzlich bedecktem Körper im Freien aufhalten, oder Personen mit dunkler Hautfarbe.“
Besonders zu den Risikogruppen gehören „mobilitätseingeschränkte, chronisch kranke und pflegebedürftige ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen sowie Säuglinge im 1. Lebensjahr“ (letztere sollten nicht 20, sondern 10 Mikrogramm täglich nehmen).
Die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts beziehen sich auf die des Institute of Medicine in den USA: Demnach gelten 30 bis 49 nmol/L als suboptimale Versorgung mit möglichen Folgen für die Knochengesundheit, 50 bis 124 nmol/L als ausreichende Versorgung. 125 nmol/L oder mehr gelten als mögliche Überversorgung.3
Fazit
Die Studie zeigt: Liegt der Vitamin-D-Spiegel unter 15 nmol/L, steigt das Risiko deutlich, wegen einer Grippe hospitalisiert zu werden. Dass ein Vitamin-D-Mangel nicht nur häufiger krank macht, sondern auch die Schwere von Infektionen beeinflusst, legen Daten schon länger nahe.4 Die vorliegende Studie stützt sich auf objektive Krankenhausdaten statt auf selbstberichtete Infektionen. Damit ist sie methodisch robust. Für Gesundheitsfachleute ergibt sich daraus der Auftrag, besonders gefährdete Gruppen gezielter zu identifizieren und gegebenenfalls durch Supplementierung zu unterstützen. Etwa ältere Menschen, die häufig Medikamente einnehmen – auch das kann den Vitamin-D-Spiegel negativ beeinflussen.