Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für Fitness, Gesundheit und Ernährung
Große Studie

Schon ein zuckerhaltiges Getränk pro Tag kann Magenkrebsrisiko deutlich erhöhen

Wie Forscher herausfanden, kann bereits ein zuckerhaltiges Getränk pro Tag das Risiko für Magenkrebs erhöhen
Wie Forscher herausfanden, kann bereits ein zuckerhaltiges Getränk pro Tag das Risiko für Magenkrebs erhöhen. Foto: Getty Images / Catherine Falls Commercial
Artikel teilen
Martin Lewicki
Freier Autor

20. August 2026, 13:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Inzwischen gibt es unzählige wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, wie schädlich zugesetzter Zucker in Lebensmitteln für unsere Gesundheit ist. Insbesondere gesüßte Softdrinks sollte man vermeiden, darin sind sich Ernährungsexperten und Mediziner einig. Eine aktuelle Studie zeigt nun, welchen Einfluss zuckerhaltige Getränke auf das Magenkrebsrisiko haben. 

Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2024 allein in Deutschland rund 93 Liter zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke wie Cola und andere Limonaden pro Kopf produziert.1 Das entspricht etwa einem Glas pro Tag. Dabei sind nicht nur die leeren Kalorien ein Problem, die man mit Softdrinks zu sich nimmt. Forscher fanden nämlich heraus, dass bereits ein zuckerhaltiges Getränk pro Tag ausreicht, um das Risiko für Magenkrebs deutlich zu erhöhen.2

Worum ging es in der Studie genau?

US-Forscher vom Massachusetts General Hospital und der Harvard Medical School untersuchten anhand einer prospektiven Kohortenstudie, ob der Konsum von zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken sowie Getränken mit künstlichen Süßstoffen
einen Zusammenhang mit Magenkrebs aufweisen. Die Ergebnisse sind vorab in der Fachzeitschrift „Gastro Hep Advances“ erschienen.

Für die Untersuchung nutzten die Forscher Daten aus zwei laufenden Langzeitstudien mit Menschen, die im US-Gesundheitssystem tätig sind. Die „Nurses’ Health Study“ (NHS) verfolgt bereits seit 1976 121.700 weibliche Krankenschwestern. Und die „Health Professionals Follow-up Study“ (HPFS) verfolgt seit 1986 51.529 Männer, die im Gesundheitssektor arbeiten. Aus beiden Studien wurden jene Probanden in die Datenauswertung einbezogen, die detaillierte Angaben zu ihrem Getränkekonsum machten. Die Teilnehmer füllten bei der Studien-Aufnahme und danach alle zwei Jahre einen per Post versandten Fragebogen aus, um
Daten zu Lebensstilfaktoren, Krankengeschichte und Krankheitsverläufen zu liefern.

Die Forscher unterscheiden dabei zwischen zwei Getränkegruppen:

  • zuckerhaltige Getränke wie Limonaden und Sportgetränke
  • zuckerfreie kalorienarme Getränke wie Limonaden und Sportgetränke mit Süßstoffen

Eine Portion der Getränke wurde mit rund 240 Millilitern bestimmt. Dabei sollten die Probanden angeben, wie oft sie die Getränke konsumierten:

  • so gut wie nie (weniger als eine Portion pro Monat)
  • eine bis drei Portionen pro Monat
  • eine bis drei Portionen pro Woche
  • vier bis sieben Portionen pro Woche
  • mehr als eine Portion pro Tag

Im Laufe der Jahre verfolgten die Forscher, welche der Probanden an Magenkrebs erkrankten. Die Diagnose Magenkrebs haben die Teilnehmenden anhand der Selbstauskunft im zweijährlichen Fragebogen angegeben. Zudem hat man Krankenakten der Teilnehmer zur Bestätigung der Krebsdiagnose herangezogen. Andere Risikofaktoren wie den Verzehr von rotem Fleisch haben die Forscher bei der Datenauswertung mathematisch herausgerechnet.

Das hat die Studienauswertung ergeben

Von den insgesamt 112.284 Teilnehmern (68.311 Frauen und 42.973 Männer), die in die endgültige Analyse einbezogen wurden, sind 278 Personen an Magenkrebs erkrankt. Die Auswertung der Daten hat ergeben, dass all jene Personen, die mindestens eine Portion der zuckerhaltigen Erfrischungsgetränke pro Tag zu sich nahmen, ein um 2,45-fach größeres Risiko für Magenkrebs hatten als jene, die keine süßen Softdrinks tranken. Dabei gab es auch einen Geschlechterunterschied: Frauen, die mindestens ein zuckerhaltiges Getränk pro Tag konsumierten, hatten ein ungefähr dreifaches Risiko, an Magenkrebs zu erkranken, während Männer etwa das doppelte Risiko hatten, beides im Vergleich zu Menschen, die keine zuckergesüßten Getränke tranken.

Interessanterweise gab es keine Hinweise darauf, dass der Konsum von kalorienarmen Softdrinks mit Süßstoffen das Risiko für Magenkrebs erhöht. Zudem haben die Forscher bei einer kleineren Gruppe der Probanden untersucht, ob es mögliche Zusammenhänge mit Darmkrebs gibt. Die Daten zeigten aber, dass sowohl die Konsumenten von zuckerhaltigen Softdrinks als auch die mit künstlichen Süßstoffen kein erhöhtes Risiko für Darmkrebs hatten.

Mehr zum Thema

Warum erhöhen zuckerhaltige Getränke das Magenkrebsrisiko?

Laut den Forschern handelt es sich hierbei um die erste Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von zuckerhaltigen Getränken und dem Magenkrebsrisiko aufzeigt. Warum aber gerade Zucker das Risiko für Magenkrebs erhöhen könnte, dazu haben die Wissenschaftler noch keine eindeutige Erklärung. Sie vermuten, dass Faktoren wie Gewichtszunahme, Insulinresistenz, Steroidhormon-Ungleichgewicht, Entzündungen und DNA-Schäden zu Magenkrebs führen könnten. „Der genaue Mechanismus der krebserregenden Wirkungen von zuckergesüßten Getränken muss jedoch noch untersucht werden. Zukünftige Studien müssen unsere Ergebnisse verifizieren und die potenziellen biologischen Mechanismen dahinter erforschen“, so die Forscher in der Studienauswertung.

Einschränkungen der Studie

Wie immer muss man beachten, dass diese Art von Beobachtungsstudie nur Korrelationen in den Daten zeigen, aber keine kausale Wirkung. Mit anderen Worten: Wir können nicht schlussfolgern, dass es der Konsum von zuckerhaltigen Getränken war, der direkt dazu führte, dass die untersuchten Personen Magenkrebs entwickelten. Auch andere Faktoren können möglicherweise zum höheren Magenkrebsrisiko beigetragen haben. Außerdem basiert die Studie zum Großteil auf Selbstangaben der Teilnehmer, indem sie Fragebögen beantworteten. Auch hierbei kann es zu subjektiven und verfälschten Angaben kommen.

Weitere Einschränkungen der Studie sind, dass die Forscher nur begrenzte Informationen über die Helicobacter-pylori-Infektionen hatten. Hierbei handelt es sich um eine Art von Bakterien, die den Magen infiziert, und ein weiterer bekannter Risikofaktor für Magenkrebs ist. Und es fehlten teilweise vollständige Angaben zur Gesundheitsgeschichte und familiären Vorerkrankungen.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt: 93 Liter zuckerhaltige Erfrischungsgetränke 2024 pro Kopf produziert (aufgerufen am 19.08.2026). ↩︎
  2. Gweon, T.G., Ha, J., Kim, H., et. al. (2026). Association between sugar-sweetened and artificially sweetened beverage intake and gastric cancer incidence. Gastro Hep Advances ↩︎

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.