25. Juli 2026, 10:01 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Eigentlich haben pflanzliche Öle einen guten Ruf, wenn es um Gesundheit geht. Doch Rapsöl geht es in sozialen Medien an den Kragen: Es soll Krebs, Alzheimer und Herzerkrankungen befeuern. Noch dazu mache es dick. Ob Rapsöl wirklich ungesund ist, erklärt FITBOOK-Ernährungsexpertin Sophie Brünke.
Was steckt eigentlich in Rapsöl?
Rapsöl wird aus den Samen der Rapspflanze gewonnen. In großen Ölmühlen entsteht überwiegend raffiniertes Rapsöl: Die Saat wird gepresst, das verbleibende Öl extrahiert und anschließend gereinigt. Kleinere Ölmühlen stellen dagegen häufiger kaltgepresstes oder natives Rapsöl her.1
Rapsöl besteht – Überraschung – fast vollständig aus Fett. Den größten Anteil machen einfach ungesättigte Fettsäuren aus, vor allem Ölsäure. Hinzu kommen die Omega-6-Fettsäure Linolsäure und die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure. Außerdem enthält Rapsöl Vitamin E und geringe Mengen Erucasäure, die später noch eine Rolle spielt.2
Raffiniertes Öl ist angeblich ungesund
Glaubt man fragwürdigen Influencern, soll raffiniertes Öl grundsätzlich ungesund sein. Tatsächlich gehen bei der Raffination zwar ein Teil des Vitamin E sowie Aroma- und Pflanzenstoffe verloren. Gleichzeitig werden jedoch unerwünschte Begleitstoffe entfernt und das Öl wird hitzestabiler. Raffiniertes Rapsöl eignet sich deshalb gut zum Braten und Frittieren, während natives Rapsöl eher für die kalte Küche und schonendes Erhitzen gedacht ist.
Hierbei möchte ich betonen, dass es aus Ernährungsperspektive vollkommen in Ordnung ist, dass raffiniertes Öl weniger sekundäre Pflanzenstoffe enthält. Wir nehmen viel mehr von ihnen über Obst und Gemüse auf. Genauso ist es für die Gesundheit wichtig, mit einem hitzestabilen Öl zu braten. Vielleicht haben Sie schon mal ein natives Öl in die Pfanne gegeben und gesehen, dass sich ab einer gewissen Temperatur etwas Rauch über der Pfanne bildet. Das ist das Zeichen dafür, dass in dem Öl gerade gesundheitsschädliche Verbindungen entstehen!
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Macht Rapsöl dick?
Dieser Vorwurf stützt sich vor allem auf eine kleine Studie mit 22 Mäusen.3 Ein Teil der Tiere bekam zusätzlich zum normalen Futter Rapsöl und damit mehr Kalorien. Dass sie stärker zunahmen als Tiere, die weniger Kalorien täglich zu sich nahmen, ist daher wirklich keine Überraschung. Methodisch ist die Studie an dieser Stelle schwach; es hätte eine kaloriengleiche Vergleichsgruppe gebraucht. Sie kann deshalb nicht zeigen, dass Rapsöl selbst Dickmacher für Menschen wäre.
Fördert Rapsöl Alzheimer?
Die Alzheimer-Gerüchte stammen aus der gleichen methodenschwachen Mäusestudie. Bei den Tieren handelte es sich um speziell gezüchtete Alzheimer-Mäuse, die von vornherein dazu neigen, typische Veränderungen der Erkrankung zu entwickeln. Nach sechs Monaten schnitten die Mäuse mit Rapsöl beim Arbeitsgedächtnis schlechter ab und zeigten mehr Beta-Amyloid sowie Veränderungen an den Synapsen. Auf Menschen lässt sich das nicht übertragen – zumal die Rapsöl-Gruppe zusätzlich mehr Kalorien bekam und stärker zunahm. Ob also das Öl, die Gewichtszunahme oder ein anderer Faktor die Ergebnisse beeinflusste, bleibt offen.
Erucasäure soll das Herz verfetten
Erucasäure kommt natürlicherweise in Raps vor. Sehr hohe Mengen führten in Tierversuchen zu vorübergehenden Fettablagerungen im Herzmuskel, was die Pumpkraft schwächen kann. Nach Ende der hohen Aufnahme bildeten sie die Einlagerungen jedoch wieder zurück. Das klingt zwar zunächst beunruhigend, doch bei handelsüblichem Rapsöl ist das Risiko deutlich geringer, als es in sozialen Medien oft dargestellt wird. Frühere Rapssorten enthielten teils mehr als 50 Prozent Erucasäure. Seit Jahrzehnten enthalten für Lebensmittel zugelassene Rapssorten meist weniger als 0,5 Prozent Erucasäure, teils sogar weniger als 0,1 Prozent.4
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat vorsorglich eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von sieben Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt.5 Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung wird dieser Wert bei üblichen Verzehrsmengen in der Regel nicht überschritten. Selbst für Säuglinge ergaben Berechnungen mit tatsächlich gemessenen Gehalten kein erhöhtes gesundheitliches Risiko.
Rapsöl und Entzündungen
Auch der Vorwurf, Rapsöl fördere Entzündungen und damit Arteriosklerose, ist nicht belegt. Im Gegenteil: Rapsöl hat ein günstiges Fettsäuremuster. Es enthält nur etwa acht Prozent gesättigte Fettsäuren, dafür viele der gesunden einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Und die mehrfach ungesättigten Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren weisen ein für die Gesundheit günstiges Verhältnis zueinander auf. Deutlich besser als es zum Beispiel bei Sonnenblumenöl der Fall ist.
Für die Gefäße ist das eher ein Vorteil. Werden gesättigte Fette, zum Beispiel aus Butter, durch Rapsöl ersetzt, kann das ungünstige LDL-Cholesterin sinken. Ein dauerhaft hoher LDL-Wert begünstigt Ablagerungen in den Gefäßen und damit Arteriosklerose. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb ausdrücklich, pflanzliche Öle wie Rapsöl zu bevorzugen.6 Auch Stiftung Warentest betitelt Rapsöl als „das gesündeste Speiseöl“.7
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Kann Rapsöl Krebserkrankungen auslösen?
Auch für die Behauptung, Rapsöl löse Krebs aus, gibt es keine belastbaren Belege. Als vermeintlicher Beweis werden häufig Laborstudien angeführt, in denen isolierte Ölsäure direkt auf Krebszellen gegeben wurde.8 Das ist jedoch nicht mit dem Verzehr von Rapsöl vergleichbar. Zudem steckt Ölsäure auch in vielen anderen Lebensmitteln und ist sogar die wichtigste Fettsäure in Olivenöl. Eine der oft zitierten Zellstudien kam außerdem zum gegenteiligen Ergebnis: Dort hemmte Ölsäure einen krebsfördernden Signalweg in Brustkrebszellen.9 Aus solchen Zellversuchen lässt sich daher nicht ableiten, dass Rapsöl beim Menschen Krebs verursacht. Entscheidend für das Krebsrisiko ist vielmehr das Zusammenspiel von Ernährung und Lebensstil. Die DGE empfiehlt zur Krebsprävention eine überwiegend pflanzenbetonte Ernährung.10
Welche Öle ich als Ernährungswissenschaftlerin nutze
Ich glaube, es ist mehr als deutlich geworden, dass es sich lohnt, Rapsöl zu Hause zu haben. Ich handhabe es so: raffiniertes Rapsöl für die warme Küche, ein natives Olivenöl für die kalte. Da in nativen Ölen auch mehr Aromen enthalten bleiben, kommt so noch mehr Geschmack ans Essen. Mit diesem Doppel ist man bereits aus gesundheitlicher Sicht gut ausgestattet. Optional kann man sich noch ein Leinöl in den Kühlschrank stellen (ja, das muss da tatsächlich rein) und gelegentlich unter Joghurt oder Quark rühren: für eine Extra-Portion Omega-3-Fettsäuren. Wer keinen Fisch isst, sollte auf jeden Fall regelmäßig auf Leinöl zurückgreifen.