7. Juni 2026, 7:00 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Für mich ist Rudi Völler eine absolute Fußballlegende. Weltmeister, früher einer der besten Mittelstürmer der Welt, später Bundestrainer und bis heute als DFB-Sportdirektor eine wichtige Figur im deutschen Fußball. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich kürzlich die Gelegenheit hatte, mit ihm zu sprechen. Das Thema war allerdings nicht Fußball, sondern Nahrungsergänzungsmittel.
Wer als DFB-Sportdirektor arbeitet, verbringt viel Zeit dort, wo viele Menschen sind: in Stadien, auf Reisen, bei Terminen, in Gesprächen. Für Rudi Völler bedeutet das jedes Wochenende Kontakte, Handschläge, Selfies und kurze Begegnungen. Eigentlich gute Bedingungen, um sich regelmäßig etwas einzufangen. Wie er mir verrät, ist das bei ihm in den vergangenen Jahren aber kaum passiert. Kaum mal eine Erkältung oder sogar Grippe. Einen möglichen Grund sieht Völler in einem Nahrungsergänzungsmittel, das er seit seiner Coronaerkrankung nimmt: Lactoferrin, ein eisenbindendes Glykoprotein, das vor allem in der Erstmilch von Säugetieren (Kolostrum) vorkommt.
Rudi Völler: »Ich fühle mich weniger müde und werde kaum krank
„Ich war eine Woche krank“, erzählt Völler über seine Covid-Infektion. Der Verlauf sei nicht dramatisch gewesen, dennoch habe er danach „wieder ein bisschen auf die Beine kommen“ wollen. Seine Frau Sabrina brachte ihn damals auf Lactoferrin. „Sie hat das genommen, und ich dann auch. Ich war dann schnell wieder richtig fit.“ Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist er sonst eher zurückhaltend. „Ich bin wie viele andere Menschen in Deutschland erst einmal vorsichtig und skeptisch, bevor ich etwas nehme“, erklärt er mir. Aber bei Lactoferrin habe er ein gutes Gefühl.
Seitdem nimmt er Lactoferrin regelmäßig – und hat den Eindruck, es bringe etwas. „Ich fühle mich weniger müde.“ Auch seine Konzentration empfinde er als besser. Vor allem aber sagt Völler, er sei in den vergangenen drei Jahren kaum krank gewesen. Und: Er habe im vergangenen Winter keine Erkältung oder Grippe gehabt. „Ob es wirklich an Lactoferrin liegt oder nicht, kann ich nicht beurteilen.“
Für Völler ist Lactoferrin fester Bestandteil seiner Routine geworden. „Jetzt, mit Mitte 60, merke ich, dass nur Sport nicht mehr reicht und man manches durch die normale Nahrungsaufnahme nicht mehr so hinbekommt. Da muss man schon mal ein paar andere Sachen mit reinnehmen.“
Was sagen Studien zu Lactoferrin?
Wissenschaftlich gut untersucht ist Lactoferrin bislang vor allem im Zusammenhang mit Entzündung und Eisenstoffwechsel.1,2 Studien deuten darauf hin, dass es bei Eisenmangel oder niedrigen Hämoglobinwerten das Hämoglobin verbessern kann. In mehreren Untersuchungen stiegen auch die Ferritinwerte – ein Hinweis auf besser gefüllte Eisenspeicher.3 Gleichzeitig zeigen Humanstudien, dass Lactoferrin Entzündungsmarker wie Interleukin-6 senken kann. Vermutlich wirkt Lactoferrin deshalb nicht wie ein klassisches Eisenpräparat, sondern eher regulierend: Es könnte Entzündungen dämpfen und dadurch dazu beitragen, dass Eisen im Körper besser verfügbar wird.4
Der anerkannte Sport- und Ernährungsmediziner Dr. Lutz Graumann erklärte mir, er setze Lactoferrin bei niedrigem Ferritin immer ein. „Da ist auch der Mechanismus sehr gut erklärbar.“
Wenn das Ferritin niedrig ist, können Müdigkeit und Leistungsschwäche auftreten, selbst wenn der Hämoglobinwert noch normal ist und noch keine Eisenmangelanämie vorliegt. Sollte das bei Rudi Völler eine Rolle gespielt haben, wäre Lactoferrin eine plausible Erklärung dafür, dass er sich weniger müde fühlte. „Das ist sogar die wahrscheinlichste Erklärung“, erklärt mir Dr. Lutz Graumann.
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Hilft Lactoferrin auch bei Atemwegsinfekten?
Während der Corona-Pandemie interessierten sich zunehmend auch Forscher für Lactoferrin und seine möglichen antiviralen und entzündungshemmenden Effekte. Doch Graumann sagt: „Bei Atemwegsinfekten muss ich die Euphorie ein bisschen bremsen.“ Man könne es gern ausprobieren, aber die Studienlage sei nicht gut. Zudem seien viele Untersuchungen in diesem Bereich von Herstellern finanziert.
Betrachtet man die zusammengefasste Studienlage, so zeigt sich: Bei Säuglingen und Kindern gibt es Hinweise auf weniger Infekte. Bei Erwachsenen ist ein solcher Nutzen bislang aber nicht klar belegt. Im Zusammenhang mit Covid zeigten sich immerhin erste Hinweise auf eine Verbesserung von Müdigkeitssymptomen, darüber hinaus aber nicht.5
Interessant: Studien deuten an, dass Lactoferrin sich aber möglicherweise vorteilhaft auf die Darmflora auswirkt und günstige Bakterien fördert, während Pathogene gehemmt werden.6,7
Lactoferrin: Dosierung und mögliche Nebenwirkungen
Als Nahrungsergänzungsmittel werden meist Dosierungen zwischen 200 und 400 Milligramm verwendet. Zwar kann es vereinzelt zu Magen-Darm-Beschwerden kommen, aber ansonsten ist der Stoff gut verträglich. „Wenn es sauber hergestellt ist, kann man mit Lactoferrin in diesen Mengen im Körper erst einmal keinen Schaden anrichten.“