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Maltit (E 965) – Ursprung, Kalorien, Vorteile und Nebenwirkungen

Maltit, Maltitol (E 965)
Maltit bzw. Maltitol wird als Zusatzstoff auch unter dem Kürzel E 965 geführt. Es handelt sich um ein Zuckeralkohol, der eine ähnliche Süßkraft wie Zucker besitzt. Foto: iStock/Snezhana-Kudryavtseva
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Nuno Alves
Chefredakteur

9. Mai 2026, 11:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Vor einiger Zeit hat mich Olympiaheld Matthias Steiner auf ein Thema hingewiesen, das ihn selbst betrifft: Maltit, ein häufig als Zuckeraustauschstoff verwendeter Inhaltsstoff, kann den Blutzucker ansteigen lassen. Das ist nicht nur für ihn als Typ-1-Diabetiker relevant, sondern auch für jene, die glauben, es handle sich um eine Alternative zu Zucker ohne Einfluss auf den Glukosespiegel. Tatsächlich setzen einige Hersteller gezielt auf Maltit als Süßungsmittel. Ich habe mir dazu die Studienlage angesehen und erkläre, welche Effekte es auf unseren Organismus haben kann, ob es ungesund ist und wo mögliche Vorteile liegen.

Was genau ist Maltit? 

Maltit, auch als Maltitol bezeichnet, gehört zur Gruppe der Zuckeralkohole, auch Polyole genannt. Wie Xylit, Mannit oder Erythrit wird es als Süßungsmittel eingesetzt und ist als Zusatzstoff unter der Bezeichnung E 965 gelistet. In der Lebensmittelindustrie findet es sich vor allem in zuckerfreien oder zuckerreduzierten Süßigkeiten, Backwaren und Desserts. Dort erfüllt es mehrere Funktionen zugleich, etwa als Süßungsmittel sowie als Feucht- und Strukturgeber.1

Woraus besteht Maltit?

Genau wie andere Zuckeralkohole hat Maltit seinen Ursprung in pflanzlichen Rohstoffen. Ausgangsbasis sind meist Mais- oder Weizenstärke, die über chemisch-enzymatische Prozesse zu Maltit oder Maltitsirup umgewandelt werden. Trotz dieses natürlichen Ursprungs handelt es sich um ein industriell hergestelltes Produkt.

Was Studien zur Wirkung von Maltit sagen

Die Studienlage ist nicht einfach einzuordnen. Ein wesentlicher Grund hierfür sind potenzielle Interessenkonflikte, etwa durch eine Finanzierung einzelner Studien durch Hersteller. Auch wenn Meta-Analysen oder systematische Übersichtsarbeiten solche Interessenkonflikte nicht immer direkt ausweisen, heißt das nicht, dass die darin enthaltenen Einzelstudien frei davon sind. Berücksichtigt man diese Einschränkungen, ergibt sich dennoch ein recht klares Bild.

Einfluss auf den Blutzucker

Maltit hat einen messbaren Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Der Anstieg fällt im Vergleich zu Haushaltszucker zwar geringer und verzögert aus, ist aber vorhanden. Das kann für Menschen mit Prädiabetes sowie Typ-1- oder Typ-2-Diabetes relevant sein.

Ursache ist, dass ein Teil des Maltits im Dünndarm zu Glukose gespalten und aufgenommen wird. Der Blutzucker steigt folglich an. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt unter anderem von der verzehrten Menge sowie individuellen Stoffwechselunterschieden ab.2

Was passiert im Körper darüber hinaus?

Ein Teil des Maltits gelangt unverändert in den Dickdarm und wird dort von Darmbakterien fermentiert. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die vom Körper aufgenommen werden und einen Teil der Energie liefern. Dieser Prozess ähnelt in Teilen der Verwertung von Ballaststoffen. Es wäre somit plausibel, dass Maltit somit auch ähnliche positive Effekte haben könnte.3

Gleichzeitig wirkt Maltit osmotisch, zieht also Wasser in den Darm. Zusammen mit der bakteriellen Fermentation kann das zu Blähungen, Darmgeräuschen und bei höheren Mengen auch zu Durchfall führen. Wie gut Maltit vertragen wird, unterscheidet sich dabei deutlich zwischen einzelnen Personen und hängt stark von der Menge ab. Entsprechend ist in der EU bei Produkten mit hohem Polyolgehalt ein Hinweis vorgeschrieben, dass ein übermäßiger Verzehr abführend wirken kann.

Regelmäßiger Konsum kann zu einer gewissen Anpassung der Darmflora führen, ohne konsistent nachgewiesene negative Auswirkungen.

Kalorien und Süßkraft

Der effektive Brennwert liegt bei etwa 200 bis 240 Kilokalorien pro 100 Gramm und damit deutlich unter dem von Haushaltszucker mit rund 400 Kilokalorien. Gleichzeitig erreicht Maltit etwa 90 Prozent der Süßkraft von Zucker. Ein technologischer Vorteil ist zudem, dass es keinen kühlenden Effekt im Mund verursacht, wie er bei manchen anderen Zuckeralkoholen auftreten kann.

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Maltit ist nicht kariogen, da Mundbakterien es nicht effizient zu säurebildenden Stoffwechselprodukten abbauen. Hinweise auf relevante toxische oder karzinogene Wirkungen bei üblichem Verzehr gibt es nicht.

Fazit

Für den Stoffwechsel ist Maltit kein neutraler Zuckerersatz. Es beeinflusst den Blutzucker messbar und kann stärker wirken als manche andere Süßungsmittel, auch wenn der Effekt geringer ausfällt als bei Haushaltszucker. Gleichzeitig ist der Kaloriengehalt reduziert.

Wer Kalorien einsparen möchte und gelegentlich auf süße Produkte nicht verzichten will, kann Maltit einsetzen. Wer hingegen Blutzuckerschwankungen möglichst vermeiden möchte, greift eher zu Alternativen mit geringerer Wirkung auf den Glukosespiegel. Bei höheren Mengen kann es zudem zu Magen-Darm-Beschwerden kommen.4

Quellen

  1. Saraiva, A., Carrascosa, C., Raheem, D., Ramos, F., & Raposo, A. (2020). Maltitol: Analytical Determination Methods, Applications in the Food Industry, Metabolism and Health Impacts. International journal of environmental research and public health, 17(14), 5227. https://doi.org/10.3390/ijerph17145227 ↩︎
  2. Mäkinen K. K. (2016). Gastrointestinal Disturbances Associated with the Consumption of Sugar Alcohols with Special Consideration of Xylitol: Scientific Review and Instructions for Dentists and Other Health-Care Professionals. International journal of dentistry, 2016, 5967907. https://doi.org/10.1155/2016/5967907 ↩︎
  3. Oku, Tsuneyuki & Nakamura, Sadako. (2002). Digestion, absorption, fermentation, and metabolism of functional sugar substitutes and their available energy. Pure and Applied Chemistry - PURE APPL CHEM. 74. 1253-1261. 10.1351/pac200274071253. ↩︎
  4. Amjad Mahmood Qadir, Rebaz Anwar Omer, Safety of sugar alcohols on human health: a review, International Journal of Food Science and Technology, Volume 61, Issue 1, 2026, vvag012, https://doi.org/10.1093/ijfood/vvag012 ↩︎

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